Heute schon Fachkräfte für morgen ausbilden

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Michele Castaldo (Mitte) ist einer von derzeit fünf Auszubildenden im Schlosshotel Holzrichter.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Gut 1300 Ausbildungsstellen waren im Märkischen Kreis Ende März noch unbesetzt, doch standen ihnen auch 2760 noch unvermittelte Bewerber gegenüber. Allein in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde suchen derzeit noch 108 junge Leute einen Ausbildungsplatz. Martin Döhler von der Arbeitsagentur suchte am Mittwoch mit Bürgermeisterin Birgit Tupat nach Lösungen.

Im Schlosshotel Holzrichter, wo traditionell viele junge Menschen ausgebildet werden, erkundigten sich Döhler und Tupat, welche Voraussetzungen Bewerber mitbringen müssen, um im Hotelgewerbe Fuß fassen zu können. Aber auch Probleme wurden angesprochen.

Hotelchefin Katharina Holzrichter beklagte eine hohe Abbrecherquote. „Teilweise haben Auszubildende hier schon nach einem Tag wieder abgebrochen“, berichtete sie von einer Entwicklung, die dem Familienbetrieb zu schaffen mache. Falsche Vorstellungen der Azubis vom angestrebten Beruf, aber auch ganz einfach mangelndes Durchhaltevermögen macht sie dafür verantwortlich.

Dennoch bildet das Viereinhalb-Sterne-Haus in Veserde auch aktuell wieder drei junge Leute im Hotelfach und zwei als Köche aus. Eine richtige Entscheidung, wie Martin Döhler von der Arbeitsagentur glaubt, um dem in Zukunft drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen. Dies hätten im übrigen die meisten Unternehmen auch in Nachrodt-Wiblingwerde erkannt. Er warb deshalb gestern auch beispielsweise darum, sich an einer Art Ausbildungsplatzbörse zu beteiligen, für die es im Nordkreis mit der „Karriere MK“ der Städte Balve, Hemer, Iserlohn und Menden bereits ein Vorbild gibt. Spätestens, wenn die Bewerberflut nachlasse, müssten Unternehmen neue Wege einschlagen, argumentierte er. Bürgermeisterin Birgit Tupat konnte sich gut vorstellen, dass sich Unternehmen aus der Doppelgemeinde einem solchen Angebot anschließen, um großflächig um die Fachkräfte von morgen zu werben. „Es ist wichtig, sich den jungen Leuten vorzustellen, denn auch hier vor Ort ist eine hochwertige Ausbildung möglich“, fand sie, dass eine Ausbildungsplatzbörse eine gute Plattform sein könnte, erste Kontakte zu knüpfen.

Noch allerdings übersteigt die Zahl der Bewerber die der Ausbildungsstellen mit der Folge, dass etliche junge Leute auf der Straße zu bleiben drohen. Eine Möglichkeit, auch diesen Schulabgängern eine Chance zu geben, sei ein Langzeitpraktikum von sechs bis zwölf Monaten. In dieser Zeit könnten sich die Bewerber dann beweisen, ohne dass der Ausbildungsbetrieb ein Risiko eingehe. „Für den Arbeitgeber ist die Maßnahme aufgrund der Zuschüsse der Arbeitsagentur kostenneutral“, betonte Döhler. Entschließe sich der Praktikant dann zu einer Ausbildung, könne die Praktikumszeit auf das erste Ausbildungsjahr angerechnet werden. „Das ist ein ganz tolles Mittel, um zu testen, ob sich ein Bewerber wirklich eignet. Aber auch die jungen Leute können sich beweisen und sie halten dan oft länger durch“, warb Döhler für dieses arbeitsmarktpolitische Instrument.

Eine andere Möglichkeit, die Mitarbeiter der Zukunft zu gewinnen, sei das so genannte Incoming. Dahinter verbirgt sich das Anwerben qualifizierten Personals im europäischen Ausland. „Das ist eine interessante Variante für schwer zu besetzende Bereiche“, stellte Döhler diesen Weg vor, über den bevorzugt Pflegepersonal, Ärzte, Ingenieure und Mitarbeiter für technische Berufe gesucht werden. Noch im Heimatland belegten solche Bewerber Deutschkurse, später biete die Arbeitsagentur vielfältige Unterstützung beschrieb Döhler das Verfahren, mit dem ebenfalls ein Fachkräftemangel ausgeglichen werden könnte. ▪ Volker Griese

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