Susanne Jakoby (SPD), Lars Wygoda (CDU) und Hans-Jürgen Hohage (UWG)

Im AK-Gespräch: Fraktionsspitzen zu Brücke, Rastatt, Windkraft

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AK-Redakteurin Susanne Fischer Bolz (2. v. l.) im Gespräch mit Susanne Jakoby (l), Hans-Jürgen Hohage (2.v.r.) und Lars Wygoda. Nur beim Thema Lennebrücke waren sich die Kommunalpolitiker einig.

Nachrodt-Wiblingwerde - Spannende Themen gibt es in Nachrodt-Wiblingwerde. Spannende, aber auch dramatische. Denn es geht um das Überleben der Rastatt, um die unendliche Geschichte rund um die Lennebrücke und um Windkraft. 

Das AK traf sich zum Sommerinterview mit Susanne Jakoby (SPD), Lars Wygoda (CDU) und Hans-Jürgen Hohage (UWG).

Alle warten auf das Gutachten von MTT Lüdenscheid für eine mögliche Sanierung des Amtshauses und der Rastatt. Und nichts passiert. Die Bürgermeisterin ist nicht gerade amüsiert. 

Hans-Jürgen Hohage : Die machen Urlaub und sind dann damit fertig. 

Lars Wygoda: Das ist ein sehr renommiertes Büro. Aber ich habe vor zwei Monaten auch schon mal nachgehakt. Sie wollten sich drum kümmern. Aber sie sind auch randvoll mit Arbeit. Was mich ärgert, ist, dass sie sich ja selber angeboten haben.

Es gibt drei Investoren, die in den Startlöchern stehen, und sich einen Neubau am Standort der Rastatt vorstellen... 

Susanne Jakoby: Es liegt uns offiziell nichts vor. Es war interfraktionell angedeutet. 

"Investoren planen Zweckbau"

Ist das eine interessante Idee?

Lars Wygoda: Grundsätzlich müssen wir wirklich abwarten. Natürlich haben wir eine Verantwortung der Pächterin gegenüber. So lange wir nicht wissen, ob wir die Rastatt irgendwie erhalten können, wird nichts geplant. Die Rastatt ist ortsprägend und es tut in der Seele weh, über einen Abriss nachzudenken. Die Investoren planen einen Zweckbau. Nur wenn wir sehen, dass es kaufmännisch nicht zu verantworten ist, die Rastatt zu halten, dann muss man neu überlegen, ob wir als Gemeinde vielleicht Mittel aufbringen können, um etwas Neues hinzusetzen. 

Ist da nicht mit dem Gemeindeentwicklungsplan etwas zu machen? 

Hans-Jürgen Hohage: Es ist noch nicht klar, wie wir das handhaben können.

Susanne Jakoby ist SPD-Fraktionsvorsitzende.

Susanne Jakoby: Ich bin noch nicht da, dass wir das Haus abreißen. 

Hans-Jürgen Hohage: Ich auch nicht. 

Susanne Jakoby: Definitiv nicht. Es gibt unterschiedliche Meinungen in der Fraktion. Aber selbst, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist, müssen wir uns doch überlegen, wie wichtig der Bau für das Ortsbild ist. 

D er Schimmelexperte kann den Schimmel beseitigen, sagt er. Man brauche aber auf jeden Fall ein neues Dach. Und dann ist man bei 750000 Euro plus x...  

Hans-Jürgen Hohage: Waren Sie schon mal im Keller? Wenn Sie abends eine Falle aufstellen, haben Sie morgens eine Forelle drin (lacht). Tatsächlich ist er extrem feucht. 

Susanne Jakoby: Es wird ja nicht so sein, dass wir von heute auf morgen entscheiden müssen. Das Haus bricht nicht zusammen. Der Schimmel ist nicht gefährlich und zumindest händelbar. Wir sollten uns die Zeit lassen, die wir brauchen. Frau Ahlers hängt mit ihrer Existenz daran. 

Hans-Jürgen Hohage: Aber wir müssen Prioritäten setzen: Amtshaus oder Rastatt. 

"Amtshaus wäre wichtiger"

Es geht nur entweder oder? 

Hans-Hohage: Ich meine, das Amtshaus wäre wichtiger. 

Lars Wygoda: Fürs Amtshaus werden wir so oder so Gelder bekommen, während es für die Rastatt als Gaststätte eher schwierig sein wird. Erst, wenn alles abgewogen ist, dann können wir uns eventuell mit dem Thema Investoren auseinandersetzen. 

Oder auf den Gemeindeentwicklungsplan setzen... 

Susanne Jakoby: Ja, Ende des Jahres ist er fertig... 

Lars Wygoda: .... und greift für Investitionen 2019. 

Susanne Jakoby: Auf jeden Fall können wir das so lange hinziehen. 

Ein Gemeindeentwicklungsplan ist vor 15 Jahren von der CDU schon mal ins Gespräch gebracht worden...

Susanne Jakoby: Von uns auch. 

Lars Wygoda: Wir wollen nicht in der Vergangenheit rühren. 

Susanne Jakoby: Und zu Beginn der Amtszeit von Frau Tupat habe ich ihr angeraten, dass es sinnvoll ist, Fördertöpfe abzugreifen. Und dazu benötigt man so einen Gemeindeentwicklungsplan oder einen sozial orientierten Gemeindeplan. 

Hans-Jürgen Hohage: Wir haben damals zu Ferreau-Zeiten einen Entwicklungsplan für den oberen Gemeindebezirk gemacht. Die Harpkestraße war zu breit, die Dorfstraße und die Lüdenscheider ebenfalls. Und dann kamen damals Punkte dabei heraus, die unbezahlbar waren. Dann ist der Plan in der Schublade verschwunden. Der betraf aber Nachrodt in keinster Weise. 

Sie sind sich einig, dass man versucht, das Thema Rastatt so lange zu schieben, bis es vielleicht Fördermöglichkeiten gibt? 

Susanne Jakoby: Ja. Was ich an der Bürgermeisterin merkwürdig finde: Auf der einen Seite hängen Dinge unendlich lange im Raum und sie treibt sie nicht voran. Und auf der anderen Seite treibt sie Dinge voran, die noch gar nicht nötig sind. 

"Vom Rat kommt nichts"

Zum Beispiel?  

Susanne Jakoby: Wer hat denn mit den Investoren gesprochen? Da schießt sie zu schnell. Sie hätte denen sagen müssen, dass wir so weit noch lange nicht sind. 

Hans-Jürgen Hohage: Sie hat aber an den Themen zu arbeiten, denn vom Rat kommt doch auch nichts. 

Lars Wygoda: Das stimmt so nicht. Ich kann Ihnen Schriftverkehr zeigen. Nur ein Beispiel: Ich habe vor zwei Woche gefragt, warum der Abriss des Flüchtlingsheimes nicht weitergeht. Antwort: Das weiß ich auch nicht. Herr Röding hat mir dann eine Mitteilung geschickt, dass dem Bauunternehmer eine Erinnerung mit Fristsetzung geschickt wurde. 

Susanne Jacoby: Themen, die von uns eigentlich beauftragt sind, da stockt sie. 

Lars Wygoda: Man muss immer wieder erinnern und nachhaken. Wir haben viele Probleme, aber wenn man ein bisschen Management-Qualitäten hätte, könnte man an den Problemen auch wachsen. 

Hans-Jürgen Hohage: Wir hatten aber auch schon mal eine Bürgermeisterin, bei der gar nichts passiert ist. 

Susanne Jacoby: Sie wissen aber, dass diese Bürgermeisterin ab dem vierten Monat im Amt krank war. 

Wenn wir bei dem Thema Bürgermeisterin sind: Gibt es denn einen Gegenkandidaten für nächstes Jahr? 

Susanne Jakoby: Das ist noch nicht entschieden. 

Lars Wygoda: Natürlich machen wir uns Gedanken, aber wir werden nicht einfach einen Kandidaten präsentieren, nur um einen präsentieren zu wollen. 

Aber Sie würden sich auf einen einigen wollen? 

Lars Wygoda: Wir versuchen es. 

Hans-Jürgen Hohage: Ihr könnt ruhig daran arbeiten. Ich glaube, dass im oberen Gemeindebezirk gegen Frau Tupat keiner anzutreten braucht. Und: Egal, wer Bürgermeister werden würde, man könnte an jedem etwas Negatives finden. 

Lars Wygoda: Ich hätte gern jemanden auf dem Posten, der Menschen gut führen kann, sie begeistern kann. Dass Menschen im Amtshaus gerne arbeiten und auch bleiben. 

Ist das nicht der Fall?  

Lars Wygoda: Gucken Sie sich doch die Entwicklung der letzten Jahre an... 

Susanne Jakoby: ...wer weggegangen ist, mit welcher Qualifikation. 

Hans-Jürgen Hohage: Ich sage: Reisende sollte man nicht aufhalten. 

"mit Anwohnern wurde nicht gesprochen"

Es gibt in der Gemeinde einige Probleme. Und man kann Ihnen allen vorwerfen, dass Sie vor einigen Wochen noch zum Ministerium gefahren sind, um das Verfahren rund um die Lennebrücke zu beschleunigen, und plötzlich jetzt im Rat einstimmig eine ganz andere Marschroute ausgeben. Wie kann das sein?

Lars Wygoda ist Fraktionsvorsitzender der CDU.

Lars Wygoda: Uns ist vor langer Zeit die Planung vorgestellt worden. Und man nimmt das dann als gegeben, ohne wirklich auch mal zu hinterfragen, ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, was uns da präsentiert wird. Und nun kam zu Tage, dass mit den Anwohnern nicht gesprochen wurde und dass kein Planfestellungsverfahren in die Wege geleitet wurde. Wie kompetent ist Straßen-NRW eigentlich? Können wir das alles so hinnehmen? Und dann kam dazu, dass wir einen Regierungswechsel hatten. Die Minister sind noch keine vier Wochen im Amt, trotzdem liegt es bei Herrn Wüst auf dem Tisch und er hat Straßen-NRW aufgefordert, eine Vorlage zu erstellen. Da hat sich Thorsten Schick direkt hintergeklemmt. Wenn man wirklich hingeht und sieht die Dümplerleie,... 

Ist das der lange Arm von Herrn von Löbbecke, der Ihnen einen Brief geschickt hat? 

Susanne Jakoby: Das hat mit dem Brief letztendlich gar nichts zu tun. Fakt ist doch, dass die Grundstücksfragen nicht einvernehmlich geklärt werden können. Ob es Herr von Löbbecke ist oder jemand anderes: Er hat nun die Grundstücke. Wenn wir die Grundstücksfragen nicht einvernehmlich klären können, weil der Besitzer nicht verkaufen will, dann muss man doch überlegen, ob es Alternativen gibt. Denn eine Enteignung dauert auch zehn Jahre. Das war das, was uns zum Überlegen gebracht hat. Nichtsdestotrotz wollten wir das Monstrum nie. Wir haben immer darüber gesprochen, aber von Straßen-NRW war angeblich nie eine Alternative möglich. 

Hans-Jürgen Hohage: Ich glaube kaum, dass die Bürger das geplante Bauwerk haben möchten mit vier Meter hohen Schutzwänden. Der Ortsteil Nachrodt würde durchschnitten. 

Ein Neubau an der alten Stelle wäre auch nicht so einfach. Eine Brücke wird unter ganz anderen Bedingungen und Bestimmungen heute gebaut. Sie würde drei oder vier Meter höher als die jetzige werden... 

Lars Wygoda: Es steht und fällt mit der Oberen Wasserbehörde. Und ob das mit dem Jahrhundertwasser, das immer angeführt wird, wirklich ein Totschlagargument ist, sei mal dahingestellt. Wir wollen nicht einfach alles so hinnehmen. Und da gibt es keine Denkverbote. 

Hans-Jürgen Hohage: Wir waren ein paar Tage an der Mosel. Da stehen alle Brückenpfeiler im Wasser. Und da fließt mehr Wasser als in der kleinen Lenne. 

Susanne Jakoby: Als wir in Düsseldorf waren, haben wir über Alternativen gesprochen. Straßen-NRW hat alles abgewunken. Alle, bis zum Staatssekretär, der natürlich Straßen-NRW den Rücken gestärkt hat, haben alles abgeblockt. 

"Einstimmiger Beschluss gefällt"

Die werden aber jetzt keine andere Meinung haben.. 

Lars Wygoda: Sie planen dann am Willen des Rates vorbei. Wir haben einen einstimmigen Beschluss gefällt, denn es ist eine generationenübergreifende Entscheidung. 

Susanne Jakoby: Wenn die schlauen Ingenieure in Hagen auf der A45 eine Seite bauen und die andere Seite abreißen und sprengen, dann können sie sicher so eine kleine Nachrodter Brücke bauen. Aber so eine Nachrodter Brücke ist nicht so wichtig wie die anderen Bauvorhaben. Da fällt die schon mal hinten runter. Das wurde natürlich abgestritten. Alle Brücken seien gleich wichtig. 

Lars Wygoda: Thorsten Schick hat das Thema angenommen und wir haben politisch Druck aufgebaut. So können wir uns nicht vorwerfen lassen, dass wir nicht alles versucht haben. 

Ein anderes Thema ist die Hagener Straße 150. Das Übergangsheim. 

Susanne Jakoby: Es ist nach dem Brand unbewohnbar. Aber für die Menschen, die kommen, ist es viel besser. 

Lars Wygoda: Das sind alte Buden, die Substanz ist hinüber. 

Hans-Jürgen Hohage: Und wenn etwas war, ist preiswert saniert worden. Mehr ist nie gemacht worden. 

Susanne Jakoby: Vor zehn Jahren musste eine Wasserleitung gezogen werden. Die Geschichte hat 50000 Euro gekostet. Herrn Röding und ich waren der Meinung, dass wir das Haus abreißen. Herr Röll hat Nein gesagt und gemeint, dass wir das Haus brauchen. Die Menschen könnten nicht woanders wohnen. Heute wohnen alle woanders, haben alle eine Wohnung bekommen. 

Gibt es nur noch die Tendenz, in Nachrodt-Wiblingwerde alles abzureißen? 

Susanne Jakoby: Was will man mit den Schrottimmobilien? 

Hans-Jürgen Hohage ist stellv. UWG-Fraktionssprecher.

Hans-Jürgen Hohage: Alle Gebäude haben ihr Baujahr im 19. Jahrhundert. Es kommt jetzt knüppeldick. 

"Es rächt sich"

Sie sind alle drei sehr lange im Rat. Sie haben dies alles mitgetragen... 

Susanne Jakoby: Letztendlich ist schon seit Jahrzehnten ein Sparkurs angesagt. Wenn man immer damit lebt, kann man nicht investieren. Aber es rächt sich. 

Thema Windkraft: Die Rechtslage soll sich ändern. Aber es gibt noch keine Übergangslösung. Wenn die Windräder genehmigt werden, kommt in einem Jahr eine neue Gesetzgebung. Dann sind die Veserder gekniffen?  

Hans-Jürgen Hohage: Das kann so passieren. Wir sind ja im laufenden Verfahren. Im Grunde sind die Gegenstimmen für mich auch eine Neid-Sache. Wer Grundstücke hat, kann Geld verdienen, andere nicht. 

Susanne Jakoby: Eine Neid-Sache? Ich möchte behaupten, dass 99 Prozent der Windkraftgegner dies aus vollster Überzeugung sind. Und sie haben nachvollziehbare Gründe. 

Hans-Jürgen Hohage: Wenn da Leute bei sind, die hier ein Geschrei machen und an der Nordsee selbst eine Beteiligung haben, kann ich das nicht nachvollziehen. 

Susanne Jakoby: Aber die Beteiligung ist jahrzehntealt. Da war die Geschichte eine ganz andere. 

Hans-Jürgen Hohage: Es gibt viele Leute in Veserde, die darauf warten, dass die Investoren aufgeben. Aber das glaube ich nicht. 

Lars Wygoda: Glaube ich auch nicht. Da wird schon zu viel Geld geflossen sein.

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