Flüchtlingskreis zu Kritik: „Fühle mich nicht angegriffen“

Sehr turbulent und fröhlich ging es bei der Weihnachtsfeier für die Flüchtlingsfamilien zu. „Wir Frauen sind von einigen Familien mit Selbstgemachtem verwöhnt worden, was mir erneut zeigt, wie gern die Menschen uns etwas zurückgeben möchten“, sagt Gudrun Hoffmann.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das war eine Freude für die 35 Mädchen und Jungen: Schwimmbad-Gutscheine bekamen die Flüchtlingskinder im Rahmen der Weihnachtsfeier, die der Flüchtlingskreis für die Familien organisiert hatte.

Süßigkeiten und Adventskalender gab es auch. Mit Herzblut hatten wieder viele Ehrenamtliche einen schönen Nachmittag auf die Beine gestellt. Und doch stellt sich die Frage: Machen sie zu wenig?

Birgit Schulte-Pinto hatte die Problematik im Sozial- und Kulturausschuss angerissen, als sie einen Blick hinter die Kulissen der Flüchtlingsarbeit warf. Die Sozialarbeiterin, die für die Betreuung der Flüchtlinge in der Gemeinde zuständig ist, hatte angemerkt, dass es besonders bei Umzügen von Flüchtlingen und/oder beim Transport von Möbeln jeglicher Art keine Hilfe gebe.

„Ich habe das nicht als Angriff genommen“, sagt Susanne Jakoby, Sprecherin des Flüchtlingskreis. „Da wünscht sich Birgit Schulte-Pinto etwas, was der ehrenamtliche Flüchtlingskreis nicht leisten kann.“ Natürlich, so sagt Susanne Jakoby, „wäre es schön, wenn wir einen Anhänger für Umzüge hätten, aber dann muss nicht nur jemand ein Auto mit Anhängerkupplung haben, sondern auch Zeit, um mit den Menschen umzuziehen. Viele sind berufstätig.“

Es habe von Beginn an das Problem gegeben, dass Sachen schlecht hin- und hertransportiert werden können. „Wenn große Sachen gespendet werden, dann haben wir keine Möglichkeit, sie abzuholen“, so Jakoby. Und so kann sie verstehen, dass die Sozialarbeiterin genau dies problematisch findet.

Wichtig ist für Susanne Jakoby, dass sich die Flüchtlinge in der Gemeinde wohl fühlen und gut aufgenommen wissen. „Die persönlichen Kontakte sind wichtig. Und das klappt wunderbar.“

Das Engagement im Flüchtlingskreis sei nicht unbedingt weniger geworden, aber „alle müssen auch ein bisschen durchatmen.“ Im vergangenen Jahr um diese Zeit sei die Grenze der Belastbarkeit erreicht gewesen. „Jetzt können alle mal einen Gang herunterschalten“, sagt die Sprecherin des Flüchtlingskreises. Zudem habe man die Erwartung, dass erneut viele Flüchtlinge kommen werden, um die man sich kümmern wolle.

Im Januar findet die nächste Sitzung des Arbeitskreises statt. Dann möchte man überlegen, was in 2017 ansteht und wofür man Geld ausgeben möchte.

Dass die Angebote rund um die Sprachkurse in Nachrodt -Wiblingwerde weniger geworden sind, erklärt Susanne Jakoby so: „Die Maschinerie der Hauptamtlichen ist angelaufen, so dass Ehrenamtlichkeit zwar nicht weniger gefragt ist, sich aber mehr in den persönlichen Bereich verschiebt. Die Flüchtlinge besuchen vorbereitende Basissprachkurse oder Integrationskurse in den Nachbarstädten Iserlohn oder Altena. Die Träger und die Kommunen haben die Netzwerke aufgebaut, um die Menschen zu versorgen. Und natürlich nutzen die Flüchtlinge das Angebot. Für die Ehrenamtlichen ist jetzt der persönliche Kontakt wichtiger. Und der tritt natürlich nicht so in den Vordergrund.“

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