Stunde der Wintervögel

Wer flattert in den heimischen Gärten?

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Bildschön sind diese Blaumeisen, die 1567 Mal in den Gärten des Märkischen Kreises gezählt wurden.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die größte Meise hat eine gelbe Unterseite mit schwarzem Mittelstreif. Man kann sie gut erkennen, auch ohne ein Experte zu sein.

Im Winter sind Kohlmeisen Vegetarier und suchen häufig Futterhäuser auf. Und genau dort wurden sie im vergangenen Jahr 1839 Mal im Märkischen Kreis gezählt – von Menschen, die sich die Zeit für eine besondere Beobachtung genommen hatten. Jetzt schlägt wieder die „Stunde der Wintervögel“ – und zwar vom heutigen Freitag bis zum Sonntag. Wer flattert in Nachrodt-Wiblingwerder Gärten?

„Gönnen Sie sich eine Stunde Ruhe und setzen sich mit einem Fernglas ans Fenster oder auch in einen Garten oder Park und zählen Sie die verschiedenen Vogelarten“, ruft der Nachrodter Friedrich Petrasch, Mitglied im Nabu-MK, die Bürger zum Mitmachen auf. 514 Vogelfreunde nahmen im vergangenen Jahr im Märkischen Kreis an der Aktion teil und zählten Blau- und Kohlmeisen als häufigste Vogelarten. Wie viele genau in Nachrodt-Wiblingwerde entdeckt wurden, ist nicht bekannt. 

„Bei mir waren es so wenige, dass ich die Zahlen gar nicht weitergeben habe“, sagt Friedrich Petrasch und war doch ein wenig enttäuscht. Doch dass sich die Vögel nicht in seinem Garten tummelten, muss nicht bedeuten, dass es immer weniger Vögel gibt. „Es kann auch ein gutes Zeichen sein, dass sie genug in der Natur finden, sodass sie die Nähe der Häuser gar nicht aufsuchen müssen“, sagt Friedrich Petrasch. An diesem Wochenende will es der „Naturschutzbund Deutschland“ wieder genau wissen. Die Vogelwelt zu beobachten, kann ein ganz besonderes Erlebnis sein. Wer die Vögel spontan nicht benennen und/oder unterscheiden kann, der sollte sich vielleicht ein Vogelbuch zur Hilfe nehmen. 

„Um Doppelzählungen zu vermeiden ist lediglich die größte jeweils notierte Zahl festzuhalten. Notiert man beispielsweise drei Blaumeisen und zehn Minuten später sieben, gilt nur die letzte Anzahl. Die Ergebnisse können am 5./6. Januar dann unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1157-115 von 10 bis 18 Uhr an den Nabu weitergegeben werden“, so Petrasch. Ebenso kann man die Zählung über die Internetseite www.stundederwintervoegel.de (bis zum 15. des Monats) bekannt geben. Die bundesweite Vogel-Zählaktion findet jedes Jahr am ersten Januarwochenende statt. In ganz Deutschland wurden im vergangenen Jahr in 92352 Gärten 3500898 Vögel gezählt – von sage und schreibe 136284 Vogelfreunden. Vielleicht werden es in diesem Jahr noch mehr. 

Sobald die Ergebnisse der Zählung eingegangen sind, wird eine Auswertung nach Vogelarten, deren Häufigkeit und der Bestandsentwicklung erstellt. Dabei geht es nicht um eine vollständige Erfassung aller Vögel, sondern darum, Veränderungen der Vogelbestände festzustellen. Damit die Ergebnisse aussagekräftig sind, werden die gesammelten Daten über mehrere Jahre verglichen. So können neue Erkenntnisse zur Entwicklung einzelner Vogelarten gewonnen werden. „Bachstelzen sind früher immer weggezogen, jetzt bleiben sie“, gibt Friedrich Petrasch ein Beispiel. Der Klimawandel mache sich bemerkbar. Der Bienenfresser, ein bunter Vogel, der im Mittelmeerraum beheimatet ist, zeige sich jetzt zum Beispiel auch in Polen und in Südschweden. So gebe es viele interessante Beobachtungen zu machen. 

Friedrich Petrasch hat vor 14 Tagen ein Vogelhäuschen in seinem Garten aufgestellt – und bis heute sind nur Meisen und ein Erlenzeisig-Pärchen gekommen. Übrigens: Immer wieder gibt es die Diskussionen, ob und wann Vögel gefüttert werden sollten. „Bei diesem schlappen Winter ist das eigentlich nicht nötig“, sagt Friedrich Petrasch, „aber es macht natürlich Freude, sie im Garten zu sehen.“ Wenn es zu kalt wird, leiden die Tiere. Im harten Winter von 1962 /63 seien 90 Prozent der Vögel verhungert.

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