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Streitthema Kabinen-Sanierung: Kindergarten-Debatten im Rat

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Räume unterhalb der Turnhalle sollen saniert werden. Aber die SPD möchte den Schießclub nicht dort unterbringen.
Die Räume unterhalb der Turnhalle sollen saniert werden. Aber die SPD möchte den Schießclub nicht dort unterbringen. © Fischer-Bolz, Susanne

Wer hat wem, wann eine E-Mail geschrieben? Wer hat wen, wann informiert? Oder eben nicht informiert? Wenn die Sachlage nicht so ernst wäre, könnte man von Kindergarten-Debatten im Rat sprechen.

Irgendwann platzte Bürgermeisterin Birgit Tupat der Kragen. Sie entzog Christian Pohlmann das Wort, der wiederum erklärte, dass ein Ratsherr zehn Minuten reden dürfe. Das Streitthema: Sanierung und Erweiterung der Umkleidekabinen der Turnhalle Holensiepen. Das Problem ist beziehungsweise war eindeutig mangelnde Kommunikation. Aber von wem?

Die Vorgeschichte: Christian Pohlmann, 2. Vorsitzender des Trägervereins Gartenhallenbad, hatte im Bauausschuss von einer „einschneidenden Einschränkung der Betriebsmöglichkeiten“ des Bades durch den geplanten Umbau gesprochen und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung massiv kritisiert. Dazu nahm Bürgermeisterin Birgit Tupat im Rat Stellung und erinnerte auch an den Beschluss, dass die Verwaltung eine neue Vorlage mit Ideen zur Umgestaltung im Bestand erarbeiteten sollte, da es keine finanzielle Förderung für eine große Lösung beim Kabinenumbau gibt.

Bürgermeisterin antwortet auf Kritik

„Sie bemängeln die Kommunikation zwischen Verwaltung und Trägerverein. Dem Vorstand des Trägervereins sind die Pläne bereits am 5. August zugegangen. Diese Pläne wurden am 12. August mit der Vorsitzenden Sabine Karisch bei einem Ortstermin besprochen. Zu dem waren Sie auch eingeladen“, richtete Birgit Tupat das Wort an Christian Pohlmann. Eine Lösung, so das Ergebnis des Gesprächs, würde man im Bestand hinbekommen. Auch mit den Vereinen seien die Pläne besprochen worden. „Leider haben wir die DLRG vergessen, aber der Verwaltung war gar nicht bekannt, dass die DLRG die Räume nutzt.“ Die Verwaltungschefin würde sich die „Geschichte schön reden wollen“, meinte indes Ingrid Ladwein, die als Bürgerin später auch nach den Strafzinsen fragte, die die Gemeinde zahlen muss, weil sie die Gelder für die Sanierung des Schwimmbades nicht abruft.

Zur Umkleide: Am 31. August 2020, so erinnerte Dirk Grote (UWG), wurde einer Vier-Kabinen-Lösung für 659 000 Euro zugestimmt. Damals hoffte man noch auf eine Förderung. „Am 20. Juni 2022 wurde beschlossen, dass die kleinere Variante umgesetzt werden soll.“

Kleine Lösung, große Kosten

Interessanterweise soll jetzt die kleine Lösung im Bestand sogar noch mehr kosten – nämlich 697 500 Euro, was bei Ronny Sachse (SPD) die Frage aufwirft: „Warum können wir uns die Vier-Kabinen-Lösung nicht leisten, die kleine, teure Version aber schon?“

Die Verwaltung im Rat: Bürgermeisterin Birgit Tupat (4.v.r.) machte deutlich, dass sie die Angriffe gegen die Verwaltung rund um das Thema Umbau der Umkleide der Turnhalle nicht hinnimmt.
Die Verwaltung im Rat: Bürgermeisterin Birgit Tupat (4.v.r.) machte deutlich, dass sie die Angriffe gegen die Verwaltung rund um das Thema Umbau der Umkleide der Turnhalle nicht hinnimmt. © Fischer-Bolz, Susanne

Abgesehen davon ist die SPD mit den Plänen grundsätzlich nicht einverstanden. „Keiner wusste, warum plötzlich der Schießclub mit einbezogen wird“, so Ronny Sachse. „Wir planen für die Allgemeinheit. Natürlich profitieren in erster Linie die Sportvereine davon. Ich kann aus der Vorlage nicht erkennen, was die Umbauarbeiten allein für den Schießclub kosten. Aber ich vermute, dass es ein sechsstelliger Betrag ist. Das würde bedeuten, wir fördern einen Verein mit vielleicht 20 Mitgliedern. Die Sportvereinigung hat damals ihr Vereinsheim gebaut, da wären wir auch nicht auf die Idee gekommen, das mit Steuergeldern zu finanzieren“, so Ronny Sachse. Die SPD würde dem Plan deshalb nicht zustimmen.

Die Kosten steigen

Dass die Räume für den Schießclub vorgesehen sind, ist der Tatsache geschuldet, dass dort aufgrund von Schimmelbildung keine Umkleideräume eingerichtet werden können, was nun aber in der nächsten Vorlage erklärt werden soll. Dann geht es auch noch mal um die Kosten, die offensichtlich jetzt explodieren. Beschlossen wurde nichts, sondern in den nächsten Bauausschuss geschickt.

Doch zurück zum Twist zwischen Verwaltung und Christian Pohlmann. „Wir wünschen uns, dass sich noch mal alle Beteiligten an einen Tisch setzen“, erklärte Dirk Grote. Und genau das soll jetzt auch geschehen – und zwar am Donnerstag, 8. September. Dann treffen sich Birgit Tupat, Gabriele Balzukat und Simone Groß mit den Vorstandsmitgliedern des Trägervereins Gartenhallenbad. „Es geht hier darum, dass dem Trägerverein Räume entzogen werden sollen, die ihm vertraglich zugesprochen sind“, so Christian Pohlmann, der noch mal die aus seiner Sicht schlechte Informationspolitik darstellte. „Wenn etwas mit Sabine Karisch besprochen ist, heißt das noch lange nicht, dass das dann Gesetz ist. Der Vorstand des Trägervereins besteht aus drei Geschäftsführern“, so Christian Pohlmann. Im Vorstand sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass es um einen wesentlichen Teil des Gartenhallenbades gehe.

CDU: „Nicht in Klein-Klein verlieren“

Schließlich musste Christian Pohlmann aufgrund seiner Befangenheit als SPD-Ratsherr die Rede unterbrechen und konnte sie später im Saal fortsetzen.

„Es macht keinen Sinn, sich in Klein-Klein zu verlieren. Es macht eher Sinn, nach Lösungen zu suchen und in die Zukunft zu schauen. Wir haben relativ wenige Vereine und können froh sein, dass die Vereinsstruktur aufrecht gehalten wird. Ich fühle mich nicht in der Position zu entscheiden, dass ein Verein dort rein soll, der andere aber nicht“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens-Philipp Olschewski schlichtend.

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