Gemeinde Nachrodt

Juristisch abgehakt - doch Streit um Grundstück schwelt weiter 

Der Friedhof am Tannenweg in Nachrodt steht nun unter Denkmalschutz.
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Der Friedhof am Tannenweg in Nachrodt steht nun unter Denkmalschutz.

Juristisch ist der Fall geklärt. Doch abgehakt ist der Streit um ein Areal in Nachrodt noch nicht. Christian von Löbbecke übt deutliche Kritik an der Gemeinde.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Gegen den Widerstand des Gemeinderates, der Bauland witterte und sich die Gemeindekasse füllen wollte“ hat Haus Nachrodt den Friedhof am Tannenweg übernommen. Das schreibt Christian von Löbbecke – und zwar auf dem Instagram-Profil „hausnachrodt1818“. Mit dieser Veröffentlichung löst von Löbbecke durchaus Erstaunen und auch Kopfschütteln in der Doppelgemeinde aus. Denn den Friedhof wollte niemand bebauen. Im Gegenteil.

„Die Grabstätte war nie Thema. Der Friedhof war immer ausgeklammert“, sagt Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, und ist genauso überrascht wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerd Schröder und die UWG-Sprecherin Petra Triches. Sie sagt: „Der Friedhof wurde Herrn von Löbbecke sogar gerne angeboten. Und niemand wollte sich das Säcklein füllen.“

Gemeinde: Friedhof war nie im Fokus

Das kleine idyllische Plätzchen am Tannenweg war im Streit komplett außen vor. Die Probleme zwischen Christian von Löbbecke und der Gemeinde drehten sich um ein Vorkaufsrecht, von dem der Rat Gebrauch machen wollte, „um den Ort weiterzuentwickeln“, wie Kämmerin Gabriele Balzukat sagt. Von Löbbeckes Aussagen auf Instagram werden als „Nachtreten“ empfunden.

Und das ist der Hintergrund der Geschichte, in dem der Bebauungsplan Nr. 3. Forsthaus Helbecke bis Opperhusen im Mittelpunkt stand. Teile dieses Bebauungsplanes wurden längst umgesetzt: am Tannenweg, am Kiefernweg, an der Breddestraße. Andere Teile nicht. Christian von Löbbecke schloss mit der Erbengemeinschaft der Familie Holtzbrinck-Carlowitz einen Kaufvertrag über einige Grundstücke dort ab, doch die Gemeinde machte von ihrem Vorkaufsrecht nach Baugesetzbuch Gebrauch, um bauwilligen Nachrodtern oder solchen, die es werden möchten, die Möglichkeit zu geben, ansässig zu werden. Und zwar günstig.

Gütetermin: Justiz gibt von Löbbecke recht

Das war der Plan. Die Parzelle Friedhof, die zu dem Gebiet gehört, war von den Vorstellungen ausgeschlossen. Christian von Löbbecke bewertete den Versuch der Gemeinde, das Vorkaufsrecht durchzusetzen, als erheblichen Eingriff in das Eigentum und reichte ein Klageverfahren gegen die Gemeinde ein.

Es gab kein Gerichtsverfahren, aber einen Termin mit einer Richterin vor Ort. Die Gemeinde legte einen Bebauungsvorschlag vor. Der Gütetermin ging zugunsten von Christian von Löbbecke aus. „Wir verzichten unter der Voraussetzung, dass Herr von Löbbecke daraus Bauland macht und vertretbar günstige Wohnmöglichkeiten schafft“, sagt Gabriele Balzukat und ergänzt: „Ich war der guten Hoffnung, dass der Sinn und Zweck, den die Gemeinde verfolgt hat, verstanden wurde. Wir wollten uns nicht die Taschen vollmachen. Wir wären da Plus-Minus-Null herausgegangen.“

Gemeinde wollte Fläche neben Friedhof entwickeln

Viele Flächen für eine Bebauung gibt es nicht mehr in Nachrodt-Wiblingwerde. Aber es gibt viele Nachfragen nach Baugrundstücken. „Wir wollten dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken, der Friedhof dagegen war nie Thema“, sagt Gabriele Balzukat. Das Augenmerk der Gemeinde lag auf der Fläche vor dem Friedhof rechts – etwa 15 000 Quadratmeter – und um den Friedhof herum. Links des Friedhofes gibt es Flächen, die noch dem Bund gehören.

Wenn Christian von Löbbecke nun – wie die juristische Einigung vorsieht –, selbst Bauland anbieten will, muss der Bebauungsplan geändert werden. Dafür ist dann wiederum die Gemeinde zuständig.

von Löbbecke: „Familie wird Verantwortung gerecht“

Übrigens: Das Erbbegräbnis der Familie Holtzbrinck / von Carlowitz ist unter Denkmalschutz gestellt worden. „Dies hat aber keine Auswirkung auf einen Bebauungsplan oder das Bauvorhaben von Herrn von Löbbecke“, so Gabriele Balzukat.

Christian von Löbbecke selbst hat die Fragen der Redaktion zum möglichen Vorhaben, Bauland anzubieten, und zum Instagram-Profil nicht beantwortet. Er schreibt: „Nachdem Sie im vergangenen Jahr über den augenscheinlich sehr ungepflegten Zustand des Erbbegräbnisses geschrieben und damit auch implizit meine Person in Verbindung gebracht haben, veröffentlichen Sie doch bitte mal einen positiven Bericht.

Tenor: Nachdem die Eigentumsverhältnisse geklärt sind, wird die Familie von Löbbecke ihrer Verantwortung gerecht und kümmert sich um die Pflege. Während der Rhododendronblüte zeigt der ehemalige Waldfriedhof sich von seiner schönsten Seite. Zur langfristigen Sicherung der Grabstätten bedeutender Altenaer Persönlichkeiten der Familien von Holtzbrinck und von Carlowitz hat der Nachkomme das Erbbegräbnis unter Denkmalschutz stellen lassen. Es darf doch gerne auch mal positive Darstellungen in der Zeitung geben.“

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