Die Lennebrücke und die geheime Sitzung

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Das alte Schätzchen Lennebrücke kann nicht saniert werden. Wo soll die neue hin?

Nachrodt-Wiblingwerde - „Politiker hört auf ‘rumzuzicken und lasst uns unsere Arbeit machen.“ Das war der Tenor einer Sitzung hinter verschlossenen Türen zum Thema Lennebrücke. Zumindest hat es die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Jakoby so empfunden: „Die Vertreter von Straßen.NRW waren mächtig angefressen“.

 Nachdem sich die Kommunalpolitiker von SPD, CDU und UWG sowie Bürgermeisterin Birgit Tupat einmütig für einen Brückenneubau am jetzigen Standort ausgesprochen hatten und eigens deshalb bei Verkehrsminister Wüst waren, stellten Klaus Gillmann und Heike Ischebeck von Straßen.NRW während einer nichtöffentlichen Versammlung – gezwungenermaßen? – den Politikern drei Varianten für einen Brückenneubau vor.

Variante 1: eine neue Brücke am jetzigen Standort. Nachteil: Sie würde aufgrund des möglichen Hochwassers sehr viel höher. Und: Das Sparkassengebäude und weitere sechs Häuser müssten ebenso abgerissen werden wie die Moschee. Zudem müsste eine Behelfsbrücke gebaut werden, damit der Verkehr irgendwie in der Bauzeit rollen könnte. Das wird teuer.

 Die für alle schlimmste Erkenntnis: Einschnitte in das Landschaftsbild wird es bei allen Varianten geben. Variante 2 ist die „Zwischenlösung“ – fünf Meter von Variante 1 entfernt – mit dem Vorteil, dass die Häuser auf der rechten Seite (Moschee etc.) bleiben könnten. Aber auch hierfür müsste eine Behelfsbrücke gebaut werden.

Variante 3: Eine neue Brücke dort, wo es die Planer von Straßen.NRW favorisieren. Die Streckenführung würde gegenüber von St. Josef links neben der Rastatt beginnen, über das Gelände folgen wo jetzt der Bolzplatz ist, und dann einen 45-Grad-Schwenk über die Lenne bis zur von Bodelschwingh-Straße machen.

Für alle Brücken-Ideen gab es augenscheinlich beeindruckende Simulationen, bei der die Betrachter das Gefühl hatten, selbst im Auto zu sitzen.

Fakt ist: Das alte Schätzchen Lennebrücke ist nicht zu sanieren oder in irgendeiner Weise zu stabilisieren. Marode und löchrig, muss sie das Zeitliche so oder so segnen. Doch was macht man nun mit den neuesten Erkenntnissen? „Ich glaube schon, dass die Präsentation Hand und Fuß hatte. Aber Straßen.NRW hat natürlich alles so dargestellt, dass ihr Favorit als beste Lösung daher kam. Aber es gibt immer mehrere Wahrheiten“, sagt Susanne Jakoby.

 Jens Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU, findet durchaus, dass „es uns allen etwas gebracht hat. Wir müssen schauen, was die beste Lösung ist. Das ist keine Fraktions- oder Parteisache. Hier ziehen wir alle an einem Strang.“ Zumindest kenne man jetzt die Probleme, „die an dem von uns bevorzugten Standort auftreten würden“, sagt Petra Triches. Die Fraktionssprecherin der UWG findet das weitere Vorgehen auch unter dem Gesichtspunkt des Zeitdruckes eine schwierige Entscheidung. Denn: „Wie lange hält die alte Brücke noch?“

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