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„Da wiehert der Amtsschimmel“

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Einmal im Jahr schauen sich die Kommunalpolitiker mit der Verwaltung den Zustand der Straßen an, um eine Prioritätenliste für Reparatur/Sanierung zu erstellen. Start war in Wiblingwerde. Die Idee hatte vor ein paar Jahren die CDU-Fraktion.
Einmal im Jahr schauen sich die Kommunalpolitiker mit der Verwaltung den Zustand der Straßen an, um eine Prioritätenliste für Reparatur/Sanierung zu erstellen. Start war in Wiblingwerde. Die Idee hatte vor ein paar Jahren die CDU-Fraktion. © Fischer-Bolz, Susanne

Das Stübchenstück hat es hinter sich. Die Straße müsste von Grund auf erneuert werden. Doch dann würden Anliegerbeiträge fällig – das gilt ebenso für die Straße unterhalb des Ehrenmals. Aber genau diese Anliegerbeiträge sind eigentlich abgeschafft, oder? „Eine Mogelpackung“, sagt Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Knitterkaputt“ und „völlig desolat“: So bezeichnet Bauamtsleiter Dirk Röding den Weg unterhalb des Ehrenmals, der „Obstfeld“ heißt und zu den 13 Besichtigungs-Orten der Straßenbereisung in dieser Woche gehörte. Quer durch die Gemeinde fuhren Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitglieder, um sich holprige und kaputte Straßen anzuschauen. Und davon gibt es augenscheinlich reichlich in Nachrodt-Wiblingwerde. Ziel ist, das zur Verfügung stehende Geld – in diesem Jahr sind es im städtischen Haushalt 290 000 Euro für die Straßenunterhaltung, 160 000 Euro für Investitionen – an den richtigen, priorisierten Stellen auszugeben. „Solche Sachen sind immer sinnvoll. Wenn man es vor Augen hat, fallen die Entscheidungen objektiver aus“, findet Dirk Röding.

Straßen „ausgeguckt“

Ziellos fuhr man natürlich nicht durch die Gegend: CDU- und UWG-Fraktion sowie die Verwaltung hatten sich Straßen zuvor „ausgeguckt“ – so standen beispielsweise auch der Herlsener Weg, Brenscheid und Brenscheider Mühle, Hahn, Sassenscheid, Helbecker Weg, Dorfstraße, Ehrenmalstraße, Hallenscheid, Lüdenscheider- und Nachrodter Straße auf dem Programm. Und: das Stübchenstück. Das hat es leider in sich – oder besser gesagt: Die Straße hat es hinter sich und müsste von Grund auf erneuert werden. Der große Haken an der Sache: Dann würden Anliegerbeiträge fällig – das gilt ebenso für die Straße unterhalb des Ehrenmals. Aber genau diese Anliegerbeiträge sind eigentlich abgeschafft, oder? „Eine Mogelpackung“, sagt Petra Triches, Fraktionssprecherin der UWG.

„Wir müssen Bescheide an die Bürger schicken“

Kurz vor der Landtagswahl gab es den Beschluss von CDU und FDP, dass das Land künftig die Beiträge zu 100 Prozent übernimmt und Anlieger nichts mehr zahlen müssen, doch eine Gesetzesänderung gibt es nicht. Das bedeutet: „Wir müssen die Bescheide an die Bürger schicken, die für die Ausbaubeiträge eine Förderung beantragen können. Da wiehert der Amtsschimmel gewaltig“, sagt Dirk Röding sehr deutlich, was er davon hält. Nämlich nichts. Und auch Bürgermeisterin Birgit Tupat erklärt: „Wir wollen die Anlieger nicht verunsichern. Das ist alles noch in weiter Ferne. Und wir würden die Anlieger sowieso frühzeitig mit ins Boot holen. Wir haben ja auch am Friedhofsweg eine andere Lösung gefunden.“ Gegen die Beiträge in teils fünfstelliger Höhe hatte es viele Jahre heftigen Protest gegeben, auch vom Bund der Steuerzahler.

Viele Risse in der Straße

Am Stübchenstück will man nun erst einmal die Asphaltstärke untersuchen. Wahrscheinlich ist, dass nicht nur vier Zentimeter Verschleißdecke erneuert werden muss, sondern auch die Tragschicht. Ein Indiz dafür sind die vielen Risse in der Straße. Natürlich rollen jetzt nicht sofort die Bagger an. Die begutachteten Straßen werden zunächst in das Straßenbau-Programm aufgenommen und nach Dringlichkeit „sortiert“. Die Ausschreibungen für dieses Jahr sind nämlich längst gelaufen. Gemacht werden jetzt der Weg zum Hahn, die Berliner Straße und die Von-Bodelschwingh-Straße. Während der nächsten Ratssitzung sollen die Aufträge vergeben werden.

78 Kilometer Straßennetz

Und sonst? Die Gemeindeverwaltung möchte ein Straßenwege-Konzept erarbeiten, das gesetzlich vorgeschrieben ist. Dafür werden 78 Kilometer Straßennetz in Nachrodt-Wiblingwerde untersucht – und zwar mit speziellen Kameras, sodass es eine detaillierte Straßenzustandsbeschreibung geben wird.

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