Kinder stöbern in der Erwachsenenwelt

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Tierheilpraktikerin Andrea Mühler erläuterte Marvin Schmidt, Nico Nastasi und Tom Renfordt (v.l.) die Anatomie eines Hundes. Neufundland-Rüde „Sam“ ließ es geduldig über sich ergehen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Neugierig sein, Fragen stellen, nachbohren – all das durften am Dienstag die Viertklässler der Grundschule Wiblingwerde. Sie nahmen am Stöbertag teil, durften einen ganzen Tag lang in Erfahrung bringen, was sich in der Berufswelt der Erwachsenen abspielt.

Jannik Multhaup, Manuel Alte und Amrei-Sophie Podworny beispielsweise hatten sich die Freiwillige Feuerwehr als Stöberstelle ausgesucht. Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Mark Wille, erläuterte den drei Zehnjährigen hier unter anderem, über welche Ausstattung das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) der Löschgruppe Wiblingwerde verfügt. So erfuhren die Grundschüler, dass auf diesem Fahrzeug in einem großen Tank 2500 Liter Löschwasser mitgeführt werden können. Wille erklärte ihnen darüber hinaus, wie die zum Fahrzeug gehörende Kreiselpumpe funktioniert, dass man damit Wasser sowohl aus dem Tank als auch aus einem offenen Gewässer ansaugen kann. Auch die Funktionsweise eines Hohlstrahlrohrs lernte das Stöber-Trio kennen. Daran können die Einsatzkräfte bei einem Brand den Wasserstrahl sehr fein dosieren, ganz ähnlich wie es so mancher Brausekopf daheim in der Dusche kann. Doch das Hohlstrahlrohr der Feuerwehr kann noch mehr: Mit einem Aufsatz ausgestattet, wird es im Handumdrehen zur Schaukanone. Die Augen der drei Stöber-Kinder wurden immer größer, je mehr Klappen des Fahrzeugs sich öffneten, je mehr Jalousien nach oben gezogen wurden und je mehr Auszüge Mark Wille betätigte. Schläuche und Armaturen, Werkzeuge und Apparate, Scheinwerfer und einiges mehr ließen sie erahnen, wie vielfältig die Arbeit der Feuerwehr sein kann.

Eine der interessantesten Stöber-Stellen hatten sich Marlon Papendick, Lina-Joëlle Handrup, Anastasia Glittenberg und Lara Krolkiewicz ausgesucht. Sie konnten am Dienstag einmal hinter die Kulissen der Ballon- und Tampondruckerei Ehrenberg blicken. Melanie Ehrenberg und die kaufmännische Angestellte Katja Grote führten sie zunächst durch die Abteilungen des Unternehmens. Vom große Lager im Keller, wo tausende bunte Luftballons deponiert sind, ging es über das Büro und die Repro-Abteilung in die Ballondruckerei. Hier konnten die Kinder verfolgen, wie die bunten Ballons von Maschinen gepackt, aufgeblasen und schließlich mit verschiedenen Werbebotschaften bedruckt wurden. Das Quartett staunte nicht schlecht darüber, wie präzise der Aufdruck in bis zu fünf Farben auf die dünne Latexhaut gebracht wurde. Auch die Tampondruckerei nebenan lernten sie kurz kennen. Hier bedruckt Ehrenberg Kugelschreiber und Feuerzeuge, Einkaufswagen-Chips und viele andere Werbeartikel. Für die Kinder ging aber nichts über die Ballondruckmaschinen, die sie auch selbst einmal mit Händen voller Luftballons „füttern“ durften.

Spannende Stunden verbrachten auch Nico Nastasi (9), Tom Renfordt (9) und Marvin Schmidt (11), die den Nachmittag in der Heilpraxis Vier Pfoten in Rennerde verbrachten. Tierheilpraktikerin Andrea Mühler erklärte ihnen hier zunächst theoretisch, wie sie ihre vierbeinigen Patienten untersucht und woran sie erkennt, was ihnen fehlt. Dann wurde es praktisch: Mühlers Neufundländer „Sam“ stand den Stöberkindern als „Versuchsobjekt“ zur Verfügung. Den achtjährigen Rüden, der nach einer Operation unter einem Bluterguss im linken Knie leidet, behandelten sie mit Ultraschallwellen.

Weitere Kinder stöberten am Dienstag im Seca-Haus Gut Sassenscheid, im Bauhof der Gemeinde und in der Ferien- und Bildungsstätte Auf dem Ahorn. In diesem Jahr haben nur die Viertklässler der Grundschule Wiblingwerde an dem Stöbertag teilgenommen. „Bei der Grundschule Nachrodt gab es Terminprobleme“, begründete Renate Richwien, Leiterin des Jugendzentrums, die den Aktionstag mit vorbereitet hatte. Nachrodter Firmen, bei denen die Kinder hätten stöbern können, hätten wohl zur Verfügung gestanden. „Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr“, hat Richwien die Hoffnung auf eine Teilnahme Nachrodter Kinder noch nicht aufgegeben. ▪ Volker Griese

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