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Lennebrücke im Schatten der A45?

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Lennebrücke im November 2022, zwar nur einspurig befahrbar, aber aufgrund der vielen Lkw sehr belastet.
Die Lennebrücke im November 2022, zwar nur einspurig befahrbar, aber aufgrund der vielen Lkw sehr belastet. © Fischer-Bolz, Susanne

Geht der Kummer um die alte Lennebrücke in Nachrodt und das Ewigverfahren für den Bau der neuen Überführung im Schatten der A45 unter? „Das darf nicht passieren“, sagt Uwe Hell. Viele positive Rückmeldungen hat der Unternehmer nach seinem Brandbrief bekommen, den er Ende Oktober an alle Entscheidungsträger und Politiker schickte.

Nachrodt-Wiblingwerde – Uwe Hells Ziel: Ein „Runder Tisch“, ein Aktionsbündnis für einen baldigen Bau der neuen Lennebrücke. Denn alle Bürger, alle Unternehmer, alle Pendler im gesamten Lennetal leiden unter der Verkehrssituation. Dazu kommt die große Sorge vor einer Sperrung der alten Brücke, sollte sie bei den halbjährlichen Sonderprüfungen den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Dann ist nicht nur Nachrodt „gespalten“, dann ist das Lennetal abgeschnitten. Angedachter Termin für den runden Tisch: Ende November. Doch: „Eine Teilnahme der Bezirksregierung, die ja verfahrensführende Behörde ist, ist aus Neutralitätsgründen nicht möglich“, sagt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung. Den Stand der Dinge im Rahmen seines Engagements erzählt Uwe Hell im Interview.

Interview mit Uwe Hell

Wie war die Resonanz nach Ihrem Brandbrief?

Grundsätzlich positiv, oftmals mit dem Zusatz „das wurde auch mal Zeit, in die öffentliche Diskussion zu kommen“. Nach dem Presseartikel waren es hauptsächlich telefonische Reaktionen beziehungsweise unterstützende Mails. Den Brandbrief haben wir an 18 Kontakte versendet und von allen Antworten erhalten. Die Politiker aus Bund, Land und NaWi-Rat haben allesamt „zurückhaltend“ geantwortet, was man als „typisch“ oder eher „sehr vorsichtig“ werten kann. Die angesprochenen Unternehmer haben jede Unterstützung zugesagt und die Institutionen haben sehr sachlich informiert und sich auch zu eingeschränkten Möglichkeiten der Veröffentlichung in laufenden Verfahren bekannt.

Können Sie Ihre bisherigen Erkenntnisse mal zusammenfassen?

Das gesamte Bauvorhaben und somit auch das Planfeststellungsverfahren (PfV) ist komplexer, als bisher von den meisten Betroffenen – auch von mir – wahrgenommen. Es umfasst neben der Lennebrücke auch die Straßenführung ab ehemals Rastatt und die beiden Düker für Gas und für die Gemeindeversorgung. Das sind somit drei unterschiedliche Planungsinstanzen, die in einem PfV berücksichtigt werden müssen. Das hat seit 2017 sicherlich zusätzliche Zeit beansprucht und hätte deutlich besser kommuniziert werden müssen. Das in Nachrodt hochemotionale Thema Grundstückserwerb hätte bis 2017 vielleicht noch einvernehmlich geregelt werden können. Im aktuellen PfV ist das Thema jetzt aber zu vernachlässigen. Nach einem rechtsgültigen und rechtssicheren Planfeststellungsbeschluss ergibt sich eine schlüssige Handlungsoption zwangsläufig. Wir müssen aktuell wirklich aufpassen, nicht im Schatten der A45-Brücke vergessen zu werden. Die A45-Autobahnbrücke und die B236-Lennebrücke sind zwei völlig unterschiedliche Projekte und Vorhabenträger, also Autobahn GmbH und Straßen.NRW. Mit der Sperrung der A45-Rahmedetalbrücke im Dezember 2021 haben sich die Rahmenbedingungen und die dringende Notwendigkeit für ein beschleunigtes Verfahren zum Bau der B236-Lennebrücke dramatisch verändert. Eine Veränderung der Vorgehensweise und der Schlussfolgerungen ist hierfür allerdings leider bis heute überhaupt nicht erkennbar.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Initiative?

Der avisierte „runde Tisch“ kann für mich mittlerweile auch eckig sein beziehungsweise. auch in einer Videokonferenz stattfinden. Wichtig ist mir vor allen Dingen, gemeinsam in kleiner oder größerer Runde eine sachliche Experten-Diskussion zu führen. Dazu stehen noch einige Antworten aus. Es geht hauptsächlich um die Verkürzung der Bauzeit. Aktuell sehe ich leider noch frühestens Herbst 2028 als Fertigstellungstermin, bin nach wie vor aber sicher, das es Möglichkeiten gibt, das zu verkürzen.

Gibt es für Sie auch ein Schreckensszenario in diesem Thema?

Ja, mein „Worst Case“ ist, dass die Brücke aufgrund der Belastung oder durch das nächste Hochwasser vor Fertigstellung der neuen Brücke kollabiert oder, dass das Planfeststellungsverfahren negativ für eine absehbare Lösung ausgeht. Ich mag mir nicht ausmalen, was dann bei uns hier passiert.

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