Impftermin: Dauerstress am Telefon

Lotte Glasow (84) aus Nachrodt
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Lotte Glasow (84) aus Nachrodt wartet auf einen Impftermin.

Die Telefone standen nicht still, der Server war zeitweilig überlastet. Ein Riesen-Andrang herrschte zum Start der Impftermin-Vergabe. Lotte Glasow (84) aus Nachrodt weiß noch nicht, wann sie drankommt

Nachrodt-Wiblingwerde – Einen Termin zu bekommen, schien wie ein Sechser im Lotto zu sein. Senioren über 80 Jahre, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, brauchten viel Geduld und gute Nerven. Die Terminvergabe startete am Montag (25. Januar), die Hotline war sehr schnell überlastet.

Lotte Glasow hat das Problem abgeben dürfen – an ihre Tochter Susanne. „Sie kümmert sich für uns darum“, sagt die Nachrodterin, die im Oktober 85 Jahre alt wird. Bis jetzt hat es noch nicht geklappt. „Immer wieder in der Warteschleife zu hängen und Musik zu hören, dafür habe ich einfach keine Nerven mehr“, erzählt die Ehrenvorsitzende der Nachrodt-Wiblingwerder SPD und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Engpässe beim Impfstoff: Richtige Strategie beim Einkauf?

Aufgeregt oder ungeduldig ist Lotte Glasow indes nicht. „Es wird ja ohnehin alles nach hinten geschoben, weil nicht genug Impfstoff da ist.“ Dass es Engpässe gibt, „kann ich nicht so wirklich begreifen. Man hört die unterschiedlichsten Gründe“, sagt Lotte Glasow und fragt sich, ob die Strategie, in Europa gemeinsam Impfstoff zu bestellen, richtig gewesen ist.

Tatsächlich macht sich die Nachrodterin keine Sorgen um sich selbst. Ob sie zu den ersten oder letzten ihrer Altersgruppe gehören wird, die im Impfzentrum Lüdenscheid empfangen werden, ist ihr nicht wichtig. „Wo sollen wir uns anstecken? Wir fahren einmal in der Woche mit den Kindern einkaufen. Kleinigkeiten holt mein Mann. Wir halten uns an alle Schutzmaßnahmen. Ich bin nicht ängstlich um uns, sondern mache mir Gedanken um unsere Kinder und Enkelkinder, in was für eine Zeit sie ‘reinwachsen. Die Kinder sitzen nur zu Hause. Das ist doch alles kein Zustand.“

Fahrservice zum Impfzentrum

Wenn Lotte Glasow einen Impftermin bekommt, ist die Fahrt geregelt. „Es fahren unsere Kinder. Wie sollten wir sonst dorthin kommen?“, fragt die Nachrodterin und versteht den Kummer vieler, die den Weg zum Impfzentrum nach Lüdenscheid nicht mal eben organisieren können.

Hilfe gibt es jetzt von der Nachbarschaftshilfe „Jeder soll jedem helfen“, die einen Fahrservice zum Impfzentrum anbietet: Das Angebot ist kostenlos. „Allerdings müssen Hygienevorschriften eingehalten werden: Pro Fahrt mit einem normalen Pkw dürfen wir nur eine Person mitnehmen und die muss eine FFP2-Maske aufsetzen oder eine OP-Maske tragen. Ein kurzer Halt zum Lüften wird ebenfalls auf der Fahrt hin und zurück gemacht“, sagt Aykut Aggül. Das Angebot richtet sich an alle älteren Bürger der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde.

Lotte Glasow sieht das Impfen grundsätzlich sehr positiv. Auch die Reihenfolge findet sie richtig. „Alle, die ich kenne, wollen sich impfen lassen. Ich wüsste auch nicht, warum man sich nicht impfen lassen sollte. Es ist die einzige Möglichkeit, der Situation Herr zu werden. Aber wir werden uns alle gedulden müssen, es wird uns noch lange begleiten“, sagt die Sozialdemokratin mit Blick auf die Pandemie, die dennoch andere wichtige Themen vermisst. „Man darf nicht das Elend in der Welt vergessen“, findet Lotte Glasow und blickt auf die Flüchtlingslager. „Für die Situation, die unter anderem in Griechenland herrscht, muss sich ganz Europa schämen.“

Fahrservice zum Impfzentrum: Anmelden bei der Nachbarschaftshilfe Nachrodt

Die Nachbarschaftshilfe „Jeder soll jedem helfen“ in Nachrodt-Wiblingwerde bietet einen Fahrservice zum Impfzentrum in Lüdenscheid an. Interessierte können sich unter Tel. 0 23 52/9 37 99 75 melden. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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