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„Stark auch ohne Muckis“: Vorschulkinder lernen, wie es geht 

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Von: Susanne Fischer-Bolz

Gut gemacht mit einem Schulterklopfen: Simone Kraushaar-Schmitz weiß, dass auch die Awo-Vorschulkinder stark auch ohne Muckis sind.
Gut gemacht mit einem Schulterklopfen: Simone Kraushaar-Schmitz weiß, dass auch die Awo-Vorschulkinder stark auch ohne Muckis sind. © Fischer-Bolz, Susanne

Auch in der Kita gibt‘s nicht nur heile Welt: Wie sie richtig mit Ärger, Stress und Mobbing umgehen, lernen die Vorschulkinder in der Awo-Kita Nachrodt derzeit. Damit sie „stark auch ohne Muckis“ sind.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Du bist aber hässlich.“ „Deine Schuhe sind total doof.“ Oder ist die Brille furchtbar? Vielleicht die Klamotten? Böse Zungen richten Böses an. Allerorts in unserer Gesellschaft. Jedes dritte Kind fürchtet sich davor, ausgegrenzt, gemobbt oder geschlagen zu werden. Mobbing ist ein Massenphänomen geworden.

Und selbst im Kindergarten gibt es keine heile Welt. „Auch bei uns hatten sich schon mal mehrere Kinder auf eines eingeschossen“, gibt Michael Barnowski, Erzieher in der Awo-Kita, zu. Doch schon kleine Kinder können trainieren, wie sie sich in Konflikt- oder Stresssituationen am besten verhalten können. Das zeigt das Projekt „Stark auch ohne Muckis“.

Training mit 20 Kindern jeden Freitag

„Die Kinder sind begeistert, jubeln, wenn Simone Kraushaar-Schmitz kommt“, erzählt Michael Barnowski. Jeden Freitag ist die Trainerin im Moment vor Ort, um mit den 20 Vorschulkindern in zwei Gruppen zu üben, wie sie mit schwierigen Situationen gut umgehen können. „Ich bin nicht perfekt und das ist gut so“ wird ebenso spielerisch wie „Kein Wort, keine Beleidigung kann mich treffen“ gelernt.

Dass es Kinder – und natürlich auch Erwachsene – gibt, die dazu tendieren, andere klein zu machen, ist weder cool noch stark. „Ich grenze mich ab“, ist ein bedeutender Baustein im Projekt. Die Situation verlassen, mit anderen spielen, den Beleidiger einfach mal stehen zu lassen, ist eine Strategie, die die Kinder lernen.

Trainerin selbst Mobbing-Opfer

„Wir Eltern neigen oft dazu, unseren Kindern zu raten, sich zu wehren. Das bedeutet aber nichts anderes, als das Kind zurück in den Konflikt zu schicken“, sagt Simone Kraushaar-Schmitz, die selbst als Kind Mobbing erfahren musste. Später auch ihr Sohn. Und so entschied sie sich, das Thema persönlich anzugehen und machte eine „Stark auch ohne Muckis“-Trainerausbildung.

Innere Widerstandsfähigkeit und Selbstbehauptung sind die Kernthemen für die Awo-Kinder, die so ganz nebenbei auch Kommunikation üben – mit fester Stimme und aufrechter Haltung kurz und knapp das zu sagen, was sie wollen. Verschärft sich das Problem in körperliche Gewalt, lernen die Kinder, sich Hilfe zu holen.

Es ist der Weg dorthin, die innere Mitte zu finden. „Und es ist die Vision, drei Generationen Mobbing aus der Gesellschaft zu verbannen“, sagt Simone Kraushaar-Schmitz, die am Dienstag, 28. September, einen Elternabend zu „Stark auch ohne Muckis“ in der Awo-Kita anbietet und mit den Eltern bespricht, wie das Kind zu Hause gestärkt werden kann.

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