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Staffelstabübergabe bei praedata: Uwe Hell übergibt an Sohn Maximilian

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Uwe Hell (links) hat den Staffelstab an seinen Sohn Maximilian übergeben.
Uwe Hell (links) hat den Staffelstab an seinen Sohn Maximilian übergeben. © Fischer-Bolz, Susanne

Er sagt, er sitze jetzt auf der Reservebank. Bereit, hin und wieder mal einzuspringen. Wenn er denn gebraucht würde. Sein Sohn schmunzelt, nimmt das Angebot für den Joker gerne an. Denn den Vater im Hintergrund zu wissen, ist auch nach der offiziellen Staffelstab-Übergabe von höchster Bedeutung: Uwe Hell, Gründer und Senior-Chef von praedata, hat das Zepter an seinen Sohn Maximilian weitergereicht.

Nachrodt-Wiblingwerde – Den Abschied in den Unruhestand, die weitestgehende Fertigstellung der Umbau- und Erweiterungsarbeiten an der Altenaer Straße 41 und das 45-jährige Bestehen des Unternehmens wurde mit 110 Gästen in der vergangenen Woche gefeiert. In erster Linie war es ein riesiges Dankeschön an das gesamte praedata-Team, an alle Ingenieure und Handwerker, Berater, Dienstleister, Lieferanten und Institutionen. Für die Kunden gab es „Innovation-days“, weitere sollen bis Jahresende folgen.

Klares Statement für Nachrodt-Wiblingwerde

„Wir haben die Pandemiezeit genutzt, um uns in vielen Dingen neu aufzustellen“, erzählt Uwe Hell. So wurde das Unternehmen beispielsweise um 500 auf jetzt 2500 Quadratmeter erweitert. Die Hälfte ist Büro- und Tagungsfläche, die andere Hälfte Lagerfläche. Ein klares Statement für Nachrodt-Wiblingwerde, „trotz der angespannten Verkehrssituation“, sagt Maximilian Hell.

Lange geplant und vorbereitet

Nachrodt liegt zentral für das Unternehmen, das in ganz Südwestfalen tätig ist und als Kernkompetenz die Entwicklung und Umsetzung von digitalen Lösungen für Druck- und Dokumentenprozesse bietet – und zwar für mehr als 1000 Kunden. Bis 1999 war praedata in Altena, bevor die ehemalige Firma Hahn in der Doppelgemeinde erworben wurde. Dass sich Uwe Hell aus dem täglichen Geschäft zurückzieht, war lange geplant und vorbereitet.

Als Familienunternehmen weitermachen

„Ich bin 2017 von einem Softwarehersteller wieder zu praedata zurückgekommen, habe hier in der Schulzeit und im Studium jede Tätigkeit gemacht, die es gibt. Ich habe mich bewusst für die Region und für den Mittelstand entschieden“, erzählt Maximilian Hell, der die Firma in die Zukunft führen möchte. 2018 ist er Geschäftsführer geworden und hat sukzessive immer mehr Teilbereiche übernommen. „Früher hätte man nun einen Schlüssel übergeben, heute müsste es ein Chip sein“, schmunzelt sein Vater, der in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden ist. Frühzeitig, nämlich die vergangenen zehn Jahre, so sagt Uwe Hell, habe man sich auf den Generationswechsel vorbereitet und kann so als Familienunternehmen weitermachen. „Ich habe vielleicht einen stressigen Beruf gehabt, aber ich musste nicht jeden Tag aufs Dach und körperlich arbeiten“, erklärt der Senior, warum es für ihn möglich war, fünf Jahre über sein eigentliches Rentenalter hinaus mit Freude zu arbeiten.

Konservativ-innovativ

Die Herausforderung ist die Geschwindigkeit der neuen Innovationen. „Mittlerweile haben wir in einem Jahr Schritte, die früher fünf Jahre gedauert haben“, erzählt Maximilian Hell und ergänzt. „Dann ist es schwer für eine Generation, die nicht seit dem Kindesalter mit digitalen Projekten gearbeitet hat. Wenngleich die Werte der älteren Generation oftmals beneidenswert sind, weil sie heute manchmal fehlen.“ Konservativ, aber trotzdem innovativ zu sein und zu bleiben, sei doch ein schmaler Grad. Bei praedata gibt es Mitarbeiter, die schon 40 Jahre im Unternehmen sind, gleichwohl gibt es viele junge Menschen, die neue Einflüsse mitbringen. „Beide Welten zu verknüpfen, das ist schon eine Herausforderung. Es ist ein spannender Weg“, findet Maximilian Hell.

Logistikkrise

Die Pandemie hat das Tempo der Digitalisierung in ungeahnte Dimensionen katapultiert. Und Maximilian Hell hätte sich Schöneres vorstellen können, als in seinen ersten Jahren als Geschäftsführer mehrere Krisen miterleben zu müssen, die sich niemand je hätte vorstellen können. Ein nicht unwichtiger Teil ist dabei die Logistikkrise. „Von uns waren Teile auf der Ever Given, die im Suezkanal stecken geblieben ist“, erzählt Uwe Hell. Erst im vergangenen Monat bekam praedata das letzte Paket davon. Sämtliche Artikel mussten, weil sie länger der Seebelastung ausgesetzt waren, im Zentralhafen einzeln auseinandergebaut werden. Und so sind Uwe und Maximilian Hell froh, dass sie die Zeichen der Zeit grundsätzlich frühzeitig erkannt hatten und auf Bevorratung setzten. Zwei Monate nach Pandemiebeginn wurden die ersten Maßnahmen getroffen, „was uns teilweise als Negativmacherei ausgelegt wurde“, erinnert sich Maximilian Hell. Mit seinen Mitarbeitern gründete er eine Liefer-Taskforce. Statt „just in time“ zu arbeiten, wie heute fast üblich, hat praedata die Lagerfläche fast verdreifacht – von Ersatzteilen bis zu fertigen Produkten.

Mitarbeiter größtes Kapital

Die Pandemie, der Krieg, die Lieferkrise, Energiekosten – alles hat bei praedata wie in allen anderen Betrieben Auswirkungen. Und doch gilt der erste Blick den 46 Mitarbeitern, die zum Beispiel einen Inflationsbonus und einen Spritkostenzuschuss bekommen. „Mitarbeiter sind unser größtes Kapital“, weiß Maximilian Hell. „Wir müssen sexy bleiben für den Arbeitsmarkt“, lacht Uwe Hell. Besonders stolz ist praedata auch auf den Innovations-Hub: Vier junge Leute entwickeln Ideen frei von alten Mustern.

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