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Stadtwerke wollen Mietern Hahn zudrehen: Drama in letzter Sekunde abgewendet

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Mieter Michael Kosdei mit dem Schreiben, dass das Wasser am Nachrodter Feld abgestellt wird.
Mieter Michael Kosdei mit dem Schreiben, dass das Wasser am Nachrodter Feld abgestellt wird. © Fischer-Bolz, Susanne

Etliche Mieter am Nachrodter Feld sollten ab Mittwoch, 7. Juli, auf dem Trocknen sitzen. Die Stadtwerke wollten das Wasser abdrehen, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden. Die Mieter können nichts dafür - und erleben nicht die erste böse Überraschung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Das war knapp: In letzter Minute konnte das Drama abgewendet werden. Jugendamt und Ordnungsamt wurden wieder zurückgeordert. Sie hätten geholfen, damit die Menschen irgendwo unterkommen. Denn das Wasser sollte in den Häusern Schmidtstraße 2 und 4 sowie an der Freiherr-vom-Stein-Straße 4, 6 7 und 9 am Mittwoch (7. Juli) abgestellt werden.

Die Stadtwerke Iserlohn sahen keine andere Möglichkeit mehr. „Wir müssen tatsächlich irgendwann sperren, wenn das Geld nicht kommt. Für uns gibt es nichts Ärgerlicheres als so etwas und für die Mieter ist es eine Katastrophe“, sagt Peter Grabowsky, Bereichsleiter Vertrieb bei den Stadtwerken. Besonders bei älteren Bewohnern, Pflegebedürftigen und Familien mit kleinen Kindern sei ohne Wasser direkt Gefahr in Verzug. Dabei trifft die Mieter keine Schuld. Der Vermieter hat die Zahlungen nicht weitergeleitet. Es gab ein langes Mahnverfahren. Nichts passierte. Und das nicht zum ersten Mal.

Ohne Wasser sind Wohnungen unbewohnbar

„Wir hätten den Wohnraum für unbewohnbar erklärt und dies dem Besitzer der Immobilien mitgeteilt. Die Wasserversorgung ist eine Grundversorgung. Die Mieter hätten dann das Recht gehabt, Hotelzimmer zu mieten und das Geld von der Miete einzubehalten“, so Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz und verweist auf das Wohnungsaufsichtsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Besitzer der Wohnungen am Nachrodter Feld ist das Unternehmen Caesar-Immobilien. Als Verwalter ist seit Januar das Deutsche Immobilienmanagement eingesetzt, das die Probleme auf Anfrage der Redaktion mit einem Hackerangriff erklärt. Es sei nicht der Fall, dass man nicht zahlen wolle. In Zukunft würde es besser laufen. Man bat bei den Stadtwerken per Mail um eine komplette Übersicht der Außenstände. Um „fünf vor zwölf“ gingen die Zahlungen dann ein.

Mieter will Rechnungen selbst zahlen - nicht zum ersten Mal

„Gott sei Dank. Es wird nicht abgedreht“, sagt Michael Kosdei, der an der Freiherr-vom-Stein-Straße 7 wohnt. Für ihn kam die Sperrandrohung, die plötzlich am Freitag (2. Juli) im Hausflur hing, nicht wirklich überraschend, musste er doch solch ein Erlebnis schon zwei Mal bewältigen. Beide Male hat er die ausstehenden Rechnungen für das Haus aus seiner Tasche beglichen und später dann von der Miete abgezogen.

„Da hat keiner geknurrt“, erzählt der Nachrodter. Und deshalb wollte er es auch diesmal so machen, aber er konnte die Höhe der Außenstände nicht in Erfahrung bringen. Aus Datenschutzgründen werden diese Auskünfte am Telefon nicht erteilt. Und: Michael Kosdei hätte nur für das Haus Nr. 7 bezahlen können, nicht aber für die anderen betroffenen Häuser. Er telefonierte sich die Finger wund, rief auch bei der Hausverwaltung an, die ihm versprach, sich zu kümmern.

Ratten an Nachrodter Feld?

Tatsächlich passierte aber nichts. Michael Kosdei schaltete einen Rechtsanwalt ein und war kurz davor, schon mal die Badewanne mit Wasser zu füllen. Seine Nachbarn verzweifelten. „Die alten Leute haben nur immer wieder gesagt: ,Was mach’ ich denn jetzt, was mach’ ich nur?’“

Seit sechs Jahren wohnt Michael Kosdei am Nachrodter Feld. Er hat seine Wohnung renoviert und viel Geld ‘reingesteckt, um sie schön zu machen. „Ich will hier nur mit den Füßen zuerst ‘raus“, sagt der 69-Jährige, der früher schon mal in der Wohnsiedlung lebte, als es noch keinen Kummer gab. Heute scheint sich ein Problem an das nächste zu reihen. Angeblich wurden jetzt unzählige Ratten gesichtet.

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