Messungen im Nachrodter Feld

Keime im Trinkwasser im MK gefunden

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Trinkwasser (Symbolbild)

Nachrodt-Wiblingwerde – Es klingt beunruhigend: Die Wasserqualität am Nachrodter Feld, rund ums Amtshaus bis zum Dümpel und auch hoch zur Geschwister-Scholl-Straße entspricht nicht zu 100 Prozent der Trinkwasserverordnung. 

Gleichzeitig wird Entwarnung gegeben: „Es besteht kein Gesundheitsrisiko“, sagt Thomas Armoneit, Bereichsleiter im technischen Management der Stadtwerke Iserlohn und verantwortlich für die Trinkwasserqualität.

Seit geraumer Zeit versuchen die Stadtwerke-Mitarbeiter dem Problem auf die Spur zu kommen. Es wird gespült, es wird desinfiziert. Und wieder desinfiziert. Entdeckt wurden mikrobiologische Auffälligkeiten. „Legionellen sind es auf keinen Fall“, möchte Thomas Armoneit beruhigen und ergänzt: „Wenn wir so etwas haben, sprechen wir auch mit dem Gesundheitsamt.“ 

Christian Ternette vom Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin des Märkischen Kreises ist also mit im Boot beim Nachrodter Problem. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung gebe es nicht. „Es kann nichts passieren. Und man muss auch das Wasser nicht abkochen“, sagt Thomas Armoneit. Auch Christian Ternette beruhigt: „Für die Bevölkerung bestehen keine Nutzungseinschränkungen des Trinkwassers. Das gilt auch für empfindlichere Personen, für Schwangere oder Kleinkinder.“ 

Aufgetaucht – im wahrsten Sinne des Wortes – sind die Keime nach der Aufstellung der Bürocontainer auf dem Märkischen Platz. Diese mussten natürlich ans Netz angeschlossen werden. Als die Wasserproben hierfür keine glänzenden Ergebnisse brachten, vermutete man zunächst ein Problem mit alten Rohrleitungen. Doch auch die Vergleichsproben waren nicht optimal. 

Vor Ort am Dümpel: Dirk Röding (Bauamt) Thomas Armoneit (Stadtwerke) und Christian Ternette (Gesundheitsamt).

Die Leitung beginnt am Hochbehälter in Oestrich, läuft durch die Gemeinde und endet am Hochbehälter Knerling. Wasserproben wurden an mehreren Stellen genommen. Fakt ist: Es ist „nur“ der Bereich Nachrodter Feld betroffen, davor und danach ist alles in Ordnung, also auch in Lasbeck und alle Gebiete hinter der Sparkassenbrücke. Wie viele Haushalte tatsächlich betroffen sind, konnte nicht exakt genannt werden. 

„Die Ursache zu finden, ist in der Regel schwierig“, weiß Thomas Armoneit. Also wird weiter desinfiziert. „Aber moderat. Es wird nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagt Thomas Armoneit. „Wir wollen nicht eine Desinfektion ins Netz bringen, die am Ende problematisch ist. Es besteht kein Grund, schnell zu werden. Wichtiger ist uns, es nachhaltig und in Ruhe zu machen und keine Störungen selbst zu produzieren“, so Thomas Armoneit.

 Eine mobile Desinfektionsanlage ist im Einsatz. Man vermutet Sedimentablagerungen im Leitungsnetz. „Es gibt kein gesundheitliches Problem. Wir haben Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung und diese Grenzwerte müssen wir einhalten“, erklärt Thomas Armoneit, warum jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Die Arbeiten am Dümpel sind abgeschlossen. Man hatte den Verdacht, dass die Zuleitung von der Transportleitung die Ursache des Problems sein könnte. Sie wurde ausgetauscht. Der Verdacht bestätigte sich nicht. Die Suche geht weiter. Am morgigen Mittwoch wird die nächste Probe genommen. 

Ein Drama ist es nicht. „Man kann sagen, dass es regelmäßiger der Fall ist, dass in einzelnen Netzabschnitten Keime aus dem Indikatorspektrum auffällig sein können. Das ist ein Problem der technischen Trinkwasserhygiene, das ist keine Gefährdung der Verbrauchergesundheit“, erklärt Christian Ternette. Auch Bauamtsleiter Dirk Röding ist nicht besorgt: „Wir arbeiten mit den Stadtwerken Iserlohn schon seit 25/30 Jahren zusammen und es ist immer alles in Ordnung gewesen. Und das Gesundheitsamt berät uns ja auch.“ Die Stadtwerke haben schon große Teile des Netzes komplett erneuert und versprechen eine sichere Versorgung für Nachrodt.

Info:

Christian Ternette vom Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin beim Märkischen Kreis erklärt: „Im Leitungsnetz wurden sogenannte Indikatorkeime nachgewiesen. Dies ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Keime. In diesem Fall steht der Nachweis für eine Quelle in sogenannten Biofilmen. Diese können sich in Ablagerungen von Rohrleitungen bilden. Sie sind aber auch typischerweise am Austritt der meisten Wasserhähne vorhanden. Hier leben sie in den Anlagerungen der Strahlregler oder Duschköpfe.

Die Belastung im Netz war bisher minimal. Diese sehr geringe Belastung erschwert aber die Gewinnung der Wasserproben. Damit die Ergebnisse nicht durch die üblichen Keime an den Wasserhähnen verfälscht werden, sind für die Untersuchungen spezielle Probenahmestellen installiert worden. In der letzten Beprobung waren keine Indikatorkeime mehr nachweisbar. Ein aktueller Anstieg bei den sogenannten Koloniezahlen ist ebenfalls gesundheitlich unbedenklich. Dieser Anstieg ist durch den Abbau der Biofilme während der Desinfektion zu erklären.“

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