Spritzig-unterhaltsame Krankenhausgeschichten

An der jungen Krankenschwester Netti (Laura Lüsebrink) hat Chefarzt Dr. Steinfest (Horst Schröder) besonderen Gefallen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Es ist leichte, vergnügliche Kost, die Regisseur Dr. Michael Podworny und seine Mitstreiter dem Publikum mit „Geldfieber“ bieten, und dazu tragen auch die niemals ausgelassenen Klischees über den Krankenhausalltag bei. Den etwa 70 Besuchern der Premiere des Amateurtheaters Brettken am Drögen Pütt am Freitagabend gefiel die Mischung.

Karl-Heinz Kowalski (Sascha Fotiadis) hat es nicht leicht. Er, der kein Vertreter von Vorwerk-Staubsaugern ist und gleichwohl „von den Hoffnungen alleinstehender Damen lebt“, erkennt nur noch am Display seines Mobiltelefons, welche seiner zahlreichen Frauen ihm gerade ein telefonisches Busserl verabreichen will. Mitpatient Rolf Pierre Benrath unterstützt den „darmgespiegelten“ Leidensgenossen und klärt die lange hinters Licht geführte Gerda aus Augsburg und weitere 17 Frauen darüber auf, wo sich der gute Karl-Heinz tatsächlich befindet: „Er ist in Menden.“ Und gegenüber der bayerischen Gerda empfiehlt sich eine geographische Präzisierung, auch wenn diese etwas grob ist, und das besagte Gebilde gar nicht mehr existiert: „Das ist in Preußen.“ Was Menden betrifft, geht es natürlich noch genauer: „Das mit dem kaputten Bahnhof.“

Die Mendener Krimiautorin Kathrin Heinrichs, die das aktuelle Stück des Amateurtheaters geschrieben hat, hat die beiden Leidensgenossen in ihrer Heimatstadt belassen – genauer in der Provinciusklinik, in der viele Krankheiten grassieren, vor allem aber das „Geldfieber“. Für eine unterhaltsame und spritzige Inszenierung aus der Welt der Krankenzimmer erhielten die Laiendarsteller viel Beifall.

Was beherrscht die Welt? Oder kleiner gefragt: Was wollen die Leute? Urban Stolzinger (Christian Schmidt) möchte nach dem erfolgreichen Ausbruch aus dem Gefängnis seine einst gestohlenen 200 000 Euro in Sicherheit bringen und landet ausgerechnet in der Provinciusklinik. Ein junger Pfleger (Aykut Aggül) begehrt Schwester Netti (Laura Lüsebrink) und wird von seinen Patienten hartnäckig darüber aufgeklärt, dass die junge Dame im kurzen Faltenrock nur mit Geld oder durch einen Arztkittel der gehobenen Art zu ködern ist. Heiratsschwindler Karl-Heinz Kowalski will seine Frauen zwar nicht wirklich, aber doch immerhin ihr Geld. Chefarzt Dr. Walter Steinfest (Horst Schröder) möchte Golf spielen, und der einzig wirklich ernste Notfall des Komödienabends ruft ihn konsequenterweise auf den Golfplatz. Kommissar Roger Lennart (Andreas Hirt) träumt von Columbo, hat immer doch noch die eine letzte Frage und lechzt nach dem ersten Fahndungserfolg seiner langen mittelmäßigen Karriere. Und ist da noch Rolf Pierre Benrath, der noch nicht ganz frei davon ist, seine Mama und deren Meinungen sehr hoch zu schätzen – ein sympathisches Muttersöhnchen, dem Michael Krüger sehr konsequent eine etwas tuntige Statur verlieh.

Am Ende feierte das Publikum nicht nur die Spieler auf der Bühne, sondern auch die Helfer hinter und unter der Bühne mit lange anhaltendem Applaus. Wer sich einen amüsanten Abend gönnen möchte, hat dazu noch Gelegenheit am 20., 23., 24. und 27. Juni, jeweils ab 20 Uhr in der Gaststätte Zur Rastatt. Bei einem Eintrittspreis von 8 Euro (Kinder: 4 Euro) ist das Vergnügen auch erschwinglich. ▪ Thomas Krumm

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