1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Sprechstunde im Café: Hemmschwelle niedriger

Erstellt:

Von: Michael Koll

Kommentare

Bürgermeisterin Birgit Tupat während ihrer Sprechstunde bei Edeka.
Bürgermeisterin Birgit Tupat während ihrer Sprechstunde bei Edeka. © koll

Bürgermeisterin Tupat wünscht sich offenen Dialog mit ihren Kritikern

Nachrodt-Wiblingwerde – „Das war schon ein mulmiges Gefühl“, sagt Birgit Tupat. Die parteilose Bürgermeisterin Nachrodt-Wiblingwerdes erinnert sich an die Polizeiwagen, die Anfang des Jahres vor ihrem Zuhause standen. Kurz zuvor hatte sie Drohungen per E-Mail erhalten, als die ersten Flüchtlinge aufgrund des Ukraine-Krieges im Sauerland ankamen. Sonst aber seien die Bürger sehr freundlich zu ihr. Und so scheute sich das Stadtoberhaupt auch nicht, am Samstag ihre erste Bürgersprechstunde nach der Corona-Zwangspause zu geben. Sie saß im Bäckerei-Café bei Edeka und wartete auf die Menschen mit ihren Anliegen. Doch in den ersten 90 Minuten kam niemand.

Meist kleine Anliegen

„Es kann sein, dass ich den gesamten Vormittag über hier alleine bleibe“, blickt Birgit Tupat auf ihre Vor-Pandemie-Erfahrungen zurück. „Doch ansonsten kommen ganz unterschiedliche Leute mit meist kleinen Anliegen.“ Dann gehe es beispielsweise darum, dass in eine Straßenlaterne ein neues Leuchtmittel eingebaut werden müsse, schildert die Erste Bürgerin Nachrodt-Wiblingwerdes. „Diejenigen, die im Internet schreiben, die Bürgermeisterin mache alles falsch, kommen nicht. Dabei würde ich mir das manchmal wünschen“, betont Tupat. „Deshalb sitze ich ja auch ganz bewusst hier, wo die Menschen einkaufen und wo die Hemmschwelle, mich anzusprechen, niedriger ist.“ Sie nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee und fährt fort: „Sich mit solchen Kritikern in einem persönlichen Gespräch auseinanderzusetzen, das wäre doch gar nicht schlecht“, findet sie. „Viele wissen ja zum Beispiel gar nicht, wofür ich zuständig bin – und was gar nicht in meiner Macht steht.“

„Ich musste nie ein Gespräch abbrechen“

Angeregtere Diskussionen habe es jedoch nur zu Beginn ihrer Amtszeit gegeben, als zwischenzeitlich einmal das Jugendzentrum geschlossen werden musste. Doch auch da seien die Beschwerdeführer nie ausfallend oder persönlich geworden, blieben stets sachlich. „Ich musste nie ein Gespräch abbrechen“, blickt Tupat zurück.

Neubau ist kostengünstiger

Aktuell gebe es wieder ein Thema, welches sie manchem Bürger einmal näher erläutern würde. „Wie und warum es dazu kam, dass wir die Lennehalle abreißen müssen, scheint nicht jedem klar zu sein.“ Eine Erweiterung des Feuerwehr-Gerätehauses steht an, deshalb, für eine kurzfristige Unterbringung der Feuerwehr in der Lennehalle, gab es Untersuchungen. Und diese offenbarten Statikprobleme an der Halle. Schnell war klar: Ein Neubau ist kostengünstiger als eine Sanierung (wir berichteten). Die, die aber tatsächlich das Gespräch mit der Bürgermeisterin suchen, wissen das alles ohnehin. „Die sind alle freundlich und umgänglich“, schildert Tupat. „Hin und wieder kommt sogar jemand, der gar nichts auf dem Herzen hat, einfach nur mal sagen möchte: ,Wir sind froh, dass Sie unsere Bürgermeisterin sind.’“ Schon strahlt das Gemeindeoberhaupt – vergessen scheinen die Drohungen aus dieser einzelnen E-Mail im Frühjahr. Dann fällt Birgit Tupat noch etwas ein: „Gerne würde ich den Bürgern auch einmal sagen, dass wir gut vorbereitet sind auf einen etwaigen Blackout. Einen kurzzeitigen Stromausfall hatten wir ja schon vor sieben oder acht Jahren. Da haben wir das ja schon erlebt.“ Sie lächelt: „Niemand muss sich Sorgen machen, es gibt keinen Grund zur Panik.“

Adresse für Anliegen

Wer aber nun doch eine Frage oder ein Anliegen hat, „für den bin ich immer zu erreichen, auch am Wochenende“, unterstreicht Tupat und verweist auf ihre E-Mail-Adresse b.tupat@nachrodt-wiblingwerde.de.

Auch interessant

Kommentare