Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Gesellschaft

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Elif Özbek ist die erste türkisch-stämmige Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Hauptschule. In fast allen Klassen unterrichtet die 37-Jährige Deutsch. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Elif Özbek weiß, wie wichtig Integration ist. „Wer Teil einer Gesellschaft ist, fühlt sich in ihr wohl“, sagt sie. Und sie weiß, wie wichtig das Beherrschen der Landessprache für die Integration ist: „Deutsch zu lernen, ist nicht nur für das Erlernen und die Ausübung eines Berufes wichtig, sondern auch für die Gestaltung des Alltags und den Aufbau vielfältiger freundschaftlicher Beziehungen.“

Elif Özbek hat diese Erfahrungen selbst gemacht. Jetzt möchte sie sie an die Nachrodter Hauptschüler weitergeben. Fast jeder dritte Jugendliche an der Albert-Schweitzer-Hauptschule hat einen Migrationshintergrund, die meisten davon stammen aus türkischen Familien.

Seit dem 1. Februar ist Elif Özbek die erste türkisch-stämmige Lehrerin an der Hauptschule der Doppelgemeinde. Geboren wurde sie 1973 in Duisburg, durch Heirat kam sie ins Sauerland, zunächst nach Neuenrade, dann nach Werdohl. „Ich wurde schon von Kindheit an mit der deutschen Sprache vertraut“, sagt die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau und beschreibt, wie sie im Laufe der Jahre erkannt habe, dass der Umgang mit der Sprache leichter fällt, wenn man Geschichten liest. So könne man mit Vergnügen in die Strukturen der Sprache eindringen. „Bei meiner Arbeit mit der deutschen Sprache wurde mir klar, dass ich mein erworbenes Wissen nicht für mich behalten durfte. Ich habe erkannt, dass Deutschkenntnisse für Migranten dringend nötig sind und dann beschlossen, mich dieser Aufgabe zu widmen“, erklärt die 37-jährige Mutter von zwei Kindern. Elif Özbek gab unter anderem bei der VHS einen Deutschkursus für türkische Frauen, bot Sprachförderung für Vorschulkinder, individuelle Förderung und Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungsplätzen an.

Im Winter 2009/10 absolvierte Elif Özbek dann eine vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Lehrkräftequalifizierung und erwarb das Zertifikat, um Deutsch als Zweitsprache beziehungsweise Deutsch als Fremdsprache unterrichten zu können. An einer Förderschule in Attendorn sammelte sie erste Erfahrungen im Lehrerberuf, jetzt will sie ihre Praxiserfahrung unter Berücksichtung interkultureller Aspekte an der Albert-Schweitzer-Hauptschule einbringen. In fast allen Klassen gibt sie Förderunterricht in Deutsch, in den Klassen 5 und 9 unterrichtet sie Deutsch ganz regulär, keineswegs nur für Migranten.

Doch die Vermittlung von Sprachkenntnissen ist für Elif Özbek nur ein Aspekt der Integration. „Ich will die Jugendlichen in die deutsche Gesellschaft integrieren“, sagt sie. Und dabei setzt sie auf eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. „Nur wenn Eltern und Lehrer miteinander sprechen, kann man Talente und Begabungen des Kindes erkennen und fördern“, glaubt sie.

Schulleiter Rüdiger Grote ist froh, mit Elif Özbek erstmals eine Lehrerin mit türkischem Migrationshintergrund in seinem Kollegium zu haben. „Bei so vielen Schülern türkischer Herkunft ist das gut. Sie ist ein Gewinn für unsere Schule“, ist er sicher. ▪ vg

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