Kampf gegen die "Sturheit der Bahn"

Bahnübergang Helbecke für Lkw dicht: In Nachrodt formiert sich massiver Protest

„Die Sperrung kann nicht bleiben“: Mitglieder der UWG trafen sich am Bahnübergang Helbecke

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Holz könnte doch mit einem Hubschrauber aus dem Wald geholt werden. Diese „Idee“ von Vertretern der Bahn war wohl weder ein Spaß, noch ansatzweise witzig gemeint. „Eine Farce“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Mit einem dreiseitigen Schreiben wendet sich die Gemeinde an den Landtagsabgeordneten Thorsten Schick, der sich im Auftrag der CDU-Fraktion Nachrodt-Wiblingwerde für die Aufhebung der Sperrung des Bahnübergangs Helbecke für Lkw einsetzen möchte.

Und auch die UWG will das Dilemma, von dem acht Prozent der Bevölkerung betroffen sind, so nicht hinnehmen. Fakt ist: Gegen die „Sturheit der Bahn“ wollen CDU, UWG und die Gemeindeverwaltung den Kampf aufnehmen.

„Die Bahn hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Im Juni fand aufgrund eines Fotos von einem Bahnmitarbeiter, das einen am Gleiskörper rangierenden Holztransporter zeigt, eine Bahnübergangsschau statt. „Dabei wurde deutlich von der Bahn erklärt, dass entweder die Sperrung für Lkw kommt, oder dass die Schranken nicht mehr geöffnet werden. Dann würde das Rotlicht ein Dauerlicht.“

Vorschläge von der Gemeinde bei einem weiteren Treffen wurden, so die Bürgermeisterin, vom Tisch gefegt. „Wieso ist es nicht möglich, dass die Züge in diesem Bereich langsamer fahren? Man muss nur nach Letmathe gucken. Da ist die Firma Hexion. Die Züge fahren dort langsamer“, sagt Birgit Tupat. Auch eine Ampelanlage an der Bundesstraße wäre eine Möglichkeit, das Problem zu entschärfen – ähnlich wie in Einsal. „Das wurde ebenfalls abgelehnt.“

Einschränkungen für mehr als 500 Bürger

Dass die Bahn für die Sicherheit zuständig ist, stellt niemand infrage. Aber die Einschränkungen für mehr als 500 Bürger der Gemeinde sind erheblich. Und Ausweichmöglichkeiten für Transporter „von oben“ für die Höfe Tacke, Knipps und Kückelhaus beispielsweise, sind nicht möglich. Wie könnte eine Lösung des Problems aussehen?

„Die Versetzung des Elektrohäuschens, das die Sicht beschränkt, würde angeblich 500.000 Euro kosten. Das hat die Bahn so mitgeteilt“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. Eine Überlegung ist auch, die Bushaltestelle Richtung Nachrodt zu versetzen und die Straße an der B236 zu verbreitern. „Das will die Bahn überprüfen.“

Ausnahmegenehmigungen wären zu teuer

Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz hat zudem einen Antrag beim Märkischen Kreis gestellt, dass eine Beschilderung „landwirtschaftlicher Verkehr frei“ aufgestellt wird. Denn dann wäre das größte Problem gelöst.

Ausnahmegenehmigungen könnte es auch geben, aber die sind nach Ansicht von Birgit Tupat inakzeptabel. „Die würde für ein Jahr 1200 Euro kosten.“ Dazu müsste zudem immer bei jeder Überquerung ein Streckenposten von der Bahn eingesetzt werden, der dann pro Tag 800 Euro kosten würde. 

Keine Reaktion auf Anfragen der Redaktion

„Wenn man bei Youtube guckt, dann sieht man, dass es an vielen Stellen 24-Stunden-Streckenposten gibt. Das geht wohl überall. Warum kann die Deutsche Bahn das nicht in Nachrodt-Wiblingwerde? Dann wäre ein Lieferverkehr möglich“, ist Bürgermeisterin Birgit Tupat etwas „geladen“ über das Verhalten der Bahn. 

Verärgert. Das sind außer der Bahn selbst, die auf Anfragen der Redaktion bis jetzt nicht reagiert hat, alle Beteiligten.

Jan Philipp Olschewski (Mitte), Fraktionsvorsitzender der CDU

„Als ehrenamtliche Kommunalpolitiker ist es unsere Aufgabe, dass wir uns um die Probleme der Menschen kümmern“, sagt Jens-Philipp Olschewski, Fraktionsvorsitzender der CDU. Das „Wespennest-Thema“ ist für die Anwohner eine Katastrophe. Existenzen stehen auf dem Spiel. „Wir sind mit zahlreichen Bürgern zu diesem Problem ins Gespräch gekommen und sind danach an unseren Landtagsabgeordneten Thorsten Schick herangetreten“, erzählt Jens Philipp Olschewski.

"Willkür-Akt nach Gutsherrenart"

Jetzt ist ein Brief an die Bahn unterwegs., von dem sich Jens Philipp Olschewski durch die Kontakte des Landtagsabgeordneten Schick viel erhofft. „Wir möchten zeitnah eine Lösung“, so Olschewski. 

Auch die UWG-Fraktion protestiert mit Nachdruck gegen die Sperrung des Bahnübergangs Helbecke für Lkw. „Durch diesen Willkür-Akt der Bahn-AG nach Gutsherrenart sind nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe am Kreinberg und Hallenscheid massiv existenziell bedroht, auch alle Bewohner, die auf Flüssiggaslieferungen und Leerung der Kleinkläranlagen angewiesen sind, wurden von der Ver- und Entsorgung abgeschnitten. 

Ein kleines Schild mit großer Wirkung. Lkw dürfen den Bahnübergang Helbecke nicht mehr passieren.

Eine forstwirtschaftliche Holzabfuhr ist unmöglich. Genau so schwer wirken die Beeinträchtigungen für die Bewohner des Ortsteils Opperhusen und für viele Einsaler. Anlieferungen, zum Beispiel von Möbeln sind verboten. Niemand kann mehr umziehen, weil Lkw-Verkehr über die engen Wohnstraßen Knerling oder Helbecker Weg nicht möglich sind“, so Johannes Illerhaus. 

Und so fordert auch die UWG die Bahn auf, die Sperrung für Lkw zurückzunehmen, bzw. eine Einschränkung „Anwohner und landwirtschaftlicher Verkehr frei“ vorzunehmen. „Die Gemeindeverwaltung und der Rat werden in die Pflicht genommen, energisch bei allen Stellen und Gremien vorstellig zu werden, damit dieser Schildbürgerstreich schleunigst Geschichte wird.“

Das schreibt die CDU-Fraktion der Gemeinde an die Deutsche Bahn

„Seit einiger Zeit ist es Fahrzeugen mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen leider nicht mehr gestattet, den Bahnübergang an der Helbecke in Nachrodt-Wiblingwerde zu überqueren. 

Dieser Bahnübergang stellte jedoch den einzigen Zugangsweg für Fahrzeuge beschriebener Klasse zu den betroffenen Ortsteilen (Opperhusen, Hallenscheid, Kreinberg sowie Buchholz, zur Breddestraße und zum Helbeckerweg) dar, sodass durch die Sperrung starke Restriktionen für Anwohner und landwirtschaftliche Betriebe verursacht werden. 

Die Haushalte der Bürgerinnen und Bürger können somit nicht mehr durch Fahrzeuge der genannten Gewichtsklasse angefahren werden, da die Zufahrt über den Knerling (von Altena kommend) sowie über den Helbecker Weg durch die enge Beschaffenheit der Zugangswege nicht nur erschwert wird, sondern in vielen Fällen schlicht unmöglich ist. 

Eine Anfahrt aus Richtung Wiblingwerde durch den Wald stellt ebenso keine realisierbare Alternative dar. Unter extremen Einschränkungen müssen die landwirtschaftlichen Betriebe leiden, sodass es den Landwirten oft nicht mehr möglich ist, ihre Tiere mit Futter zu versorgen, da die Lieferanten mit ihren Transportfahrzeugen die Höfe nicht mehr anfahren können. 

So entsteht für diese Betriebe eine unzumutbare Situation, die das Geschäft und sogar die Existenz gefährdet. Es ist unserer Auffassung dringend notwendig, die Situation und die damit verbundenen Restriktionen zeitnah zu entschärfen, um sowohl für die betroffenen Anwohner als auch für die Betriebe wieder einen Normalzustand herzustellen und die aktuellen Einschränkungen somit schleunigst zu beseitigen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare zu diesem Artikel