Die Blutspende wird digitaler

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Die goldene Ehrennadel bekam Anja Bozniatzki (links) von Gisela Gundermann.

Nachrodt-Wiblingwerde  - „Hatten Sie in den letzten vier Monaten Sexualverkehr mit einem bisexuellen Mann?“ Oder nur für Männer: „Hatten Sie schon einmal Sexualverkehr mit einem Mann? Und wenn ja, fand dieser Kontakt innerhalb der letzten zwölf Monate statt?“ Es sind wohl diese Fragen, die einige Blutspender abschrecken. Zu detailreich, übers Ziel hinausgeschossen?

Michael Pingel, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Altena, Lüdenscheid, Arnsberg beim DRK-Blutspendedienst West, weiß um die Skepsis rund um den recht neuen Fragebogen, die die „AG-Blut“ ausgearbeitet hat, in der Zentrumsleiter aus ganz Deutschland und Mediziner zusammen arbeiten. Dass potenzielle Spender aufgrund der intimen Fragen das Weite suchen, kommt nicht überraschend. Und nicht nur in Nachrodt, sondern allerorts. „Damit hat man durchaus gerechnet“, sagt Michael Pingel. „Aber die Termine laufen nach wie vor gut.“ Und beispielsweise am Berufskolleg, bei den jungen Leuten, seien die Fragen überhaupt nicht diskutiert worden.

Armbändchen mit Barcode

Die Blutspende wird zukünftig noch digitaler. Die Blutspender werden dann nicht mehr besagten Fragebogen in Papierform bekommen, sondern die Fragen auf kleinen Computer-Pads digital beantworten. Das habe unter anderem den Vorteil, dass alle Fragen beantwortet werden müssten („sonst geht es nicht weiter“) und dass der Arzt nicht mehr alles nachprüfen müsse – was zeitaufwendig sei und zu Fehlerquellen führe. „Wenn es nicht stimmt, werden in Hagen Nacharbeiten geleistet, denn die Blutkonserve darf nicht freigegeben werden, wenn nicht alle Fragen beantwortet sind“, erklärt Michael Pingel das Prozedere.

Ist der Fragebogen bei der Blutspende zukünftig ausgefüllt, geht er eins zu eins zum Mediziner. Dann erhält der Spender ein mit einem Barcode versehendes Armbändchen („ähnlich wie beim All inclusiv-Urlaub“) und geht zu seiner Spende.

 Dass Menschen, die zur Blutspende gehen, nicht wissen, dass sie krank sind, kommt durchaus vor. Mit einer PCR-Untersuchung - PCR steht als Abkürzung für den englischen Begriff Polymerase Chain Reaction - wird seit 1996 jede Blutspende nach Hepatitis B, Hepatitis C und HIV 1 untersucht und gilt auch für den Nachweis von Hepatitis A, HIV 2 und das Parvovirus B 19 (den Erreger der Ringelröteln). Mit dieser Methode kann die Nachweislücke am Beginn einer frischen Infektion spürbar verkleinert werden. „Damit wird die Sicherheit für den Empfänger von Blutpräparaten deutlich erhöht“, so Michael Pingel. „Das Labor ist auch für mich ein Buch mit sieben Siegeln schon allein, wenn man die Schnelligkeit sieht. Da werden am Tag 30000 Einzeluntersuchungen durchgeführt.“

Jedes Blut - keine Stichproben - wird zwingend untersucht. Beim Blutspendedienst West gab es allein in diesem Jahr zehn Menschen, die nichts von ihrer HIV-Erkrankung wussten - und es nach der Blutuntersuchung erfahren haben. „Dann werden der Hausarzt und das Gesundheitsamt informiert“, sagt Michael Pingel.

 Wo ein Kirchturm ist

 Grippewellen, Ortswechsel: Traumhaft sind die insgesamt acht Blutspendetermine in diesem Jahr in der Gemeinde nicht gelaufen. Aber dennoch sind Michael Pingel und auch die Blutspendebeauftragte Gisela Gundermann auch für 2019 guter Dinge. „Wir sind überall dort, wo ein Kirchturm steht“, schmunzelt Michael Pingel über eine recht flächendeckende DRK-Versorgung.

Zum Blutspendetag im katholischen Vereinshaus kamen 51 Spender und Spenderinnen, darunter auch Bürgermeisterin Birgit Tupat, die UWG-Vorsitzende Sonja Hammerschmidt und der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Gemeindebrandinspektor Jens Klatt. Für ihre 75. Blutspende wurde Anja Bozniatzki mit einer goldenen Ehrennadel, einem Gutschein und einer Urkunde ausgezeichnet. 50 Mal spendeten Klaus Jürgen Schauerte und Martina Gläsner. Wohl fühlten sich alle Gäste in der Obhut des DRK-Teams und mit den vielen Köstlichkeiten, die Gisela Gundermann mit ihrem Team in der Küche gezaubert hatte.

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