Totenstille Auf dem Ahorn

Harald Bürzl

Nachrodt-Wiblingwerde – Bis auf das Zwitschern der Vögel herrscht Ruhe auf dem acht Hektar großen Gelände der Freizeit- und Bildungsstätte Auf dem Ahorn. Viel Wald und viele Wiesen rund um das Gruppenreisehaus bieten sauerländische Idylle ohne störenden Straßenverkehr. Ein Ort, an dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.

Die Corona-Pandemie aber macht der Freizeit- und Bildungsstätte zu schaffen. Die 133 Betten sind seit Monaten leer. „Seit Mitte März herrscht Totenstille. Leider“, sagt Harald Bürzl, der das Haus, dessen Träger das Evangelisch-Freikirchliche Sozialwerk Westfalen und damit ein gemeinnütziger Verein ist, zusammen mit seiner Frau Angela seit 2007 leitet. 

Bis zum 13. März waren noch zwei Schulklassen zu Gast und eine kleine Frauengruppe. Dann legte die Pandemie den Schalter um, fuhr den Betrieb bis heute auf fast Null herunter. Klassenfahrten, Eltern-Kind-Freizeiten, Seminare, Tagungen, kirchliche Gruppenreisen, Konfirmanden-Gruppen, Familienfreizeiten, Chorfahrten oder Kindergarten-Abschlussfahrten hatten vor der Corona-Krise Auf dem Ahorn für volle Betten gesorgt. Dann ging das Virus um die Welt und brachte auch den Betrieb zum Erliegen. 

„2019 war ein sehr gutes Jahr. Wir hatten mehr als 15 000 Übernachtungen. Auch 2020 hatte gut angefangen. Wir wären dieses Jahr wieder super ausgelastet gewesen“, sagt Harald Bürzl, dem seit März eine Stornierung nach der anderen ins Haus flatterte. Auch auf den Zeltplätzen ist so gut wie nichts los. Über Pfingsten war ein Zeltlager mit gut 100 Personen geplant gewesen – die Pandemie ließ dieses Lager nicht zu.

 Harald Bürzel, seine Frau und das Ahorn-Team, zu dem drei Hauswirtschafterinnen, eine Bürokraft und ein Hausmeister zählen, sind seit Corona in Kurzarbeit. Betroffen sind aber auch die acht geringfügig Beschäftigten. „Das ist echt hart“, sagt Harald Bürzel, der dankbar ist für die staatliche Unterstützung. „Gut, dass es das Mittel der Kurzarbeit gibt“, betont der Einrichtungsleiter. Auch mit der einmaligen Corona-Soforthilfe wurde dem Haus, das mit seinem Angebot der Erlebnispädagogik bei Lehrkräften und Erziehern hoch im Kurs steht, unter die Arme gegriffen. Dennoch sei es angesichts von laufenden monatlichen Kosten im hohen vierstelligen Bereich finanziell eng für die Freizeit- und Bildungsstätte in Wiblingwerde geworden.

 Eine große Spendenbereitschaft, insbesondere aus dem Kreis von Seniorenfreizeiten, sorgten für eine spürbare finanzielle Entlastung. „Es ist überwältigend, wie viele Menschen uns unterstützt und geholfen haben. Ich hatte oft Tränen in den Augen und bin sehr dankbar. Ohne diese Spenden hätten wir wohl Insolvenz anmelden müssen“, betont Harald Bürzl.

 So aber kann es weitergehen Auf dem Ahorn. Weil die Infektionszahlen allerdings wieder steigen und es für die kommenden Monate „nur vereinzelte Buchungen“ gibt, ist die Einrichtung von Normalität noch weit entfernt. „Nach den Sommerferien wären mehrere Schulklassen, vor allem fünfte Klassen, gekommen. Das meiste ist aber storniert worden“, sagt der 56-Jährige.

 Am kommenden Donnerstag, 13. August, soll ein Oberstufenseminar des Woeste-Gymnasiums Hemer Auf dem Ahorn stattfinden. Es könnte ein erster Lichtblick sein, geplante Vater-Kind-Freizeiten ein zweiter. „Wir rechnen in diesem Jahr aber mit fast nichts mehr. Wir sind eben ein Gruppenreisehaus und kein Hotel. Wir hoffen aber, dass wir nächstes Jahr wieder durchstarten können. Für 2021 sind wir schon ganz gut gebucht“, so Harald Bürzl. Er und sein Team sehnen sich danach, dass endlich wieder Leben ins Haus kommt. So, wie es früher einmal war...

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