Schwestern sorgen für warme Winterkleidung

Marion Becker (links) und Monika Wolf (rechts) statteten die Flüchtlingsfamilien an der Hagener Straße mit warmen Sachen für die Wintermonate aus. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Flüchtlingsfamilien in der Gemeinde können sich in diesen Tagen vor Weihnachten erhöhter Aufmerksamkeit erfreuen. Erst am Mittwoch haben SPD und UWG die Kinder der Migranten beschenkt, am Montag tauchten zwei Frauen schwer bepackt in der Unterkunft an der Hagener Straße auf.

„Dass fortgesetzt auf unabsehbare Zeit Flüchtlinge beziehungsweise Asylbewerber nach Deutschland und damit auch nach Nachrodt-Wiblingwerde kommen, hat uns sehr betroffen gemacht“, erklärte die Schwestern Monika Wolf und Marion Becker, warum sie sich entschlossen haben, den Familien aus Pakistan, Aserbaidschan. Serbien und dem Kosovo zu helfen.

Die Geschenke, die die beiden Frauen mitbrachten, könnten den Flüchtlingen in den nächsten Wochen noch sehr nützlich werden. „Der Winter steht vor der Tür. Die schutzbedürftigen Flüchtlinge haben im Grunde ja nur mitgebracht, was sie am Leibe trugen“, haben Becker und Wolf erkannt, woran es den Menschen fehlt: Mützen, Schals, Strickjäckchen für Kinder und Bettzeug für die kalte Jahreszeit. Nicht alles hatte zwar die passende Konfektionsgröße, aber das spielt auch im Moment nicht so eine große Rolle. In das eine oder andere Kleidungsstück werden die Kinder schon noch hineinwachsen; zudem erwartet eine Familie in diesen Wochen Nachwuchs.

Die Motivation, den in der Doppelgemeinde gestrandeten Menschen zu helfen, ziehen Monika Wolf und Marion Becker aus der Überzeugung, dass in Zeiten wie diesen, wenn deutschlandweit Tausende bei Pegida-Kundgebungen auf die Straße gehen, gegen eine vermeintliche Überfremdung und eine angebliche staatliche Vollversorgung für Flüchtlinge demonstrieren, Humanität gefragt ist: „Die Menschlichkeit steht über allem, ganz gleich, welcher Rasse und Hautfarbe jemand ist und zu welcher Religion er sich bekennt“, meinen sie übereinstimmend.

Dabei hat ihre eigene religiöse Einstellung durchaus eine Rolle gespielt bei der Entscheidung, die Not der Flüchtlingsfamilien im Übergangsheim am Rande der B 236 ein wenig zu lindern. „Als Mitglieder der evangelischen Kirche engagieren wir uns mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Richtschnur für unsere Einstellung ist, was Jesus Christus im Matthäus-Evangelium zu uns spricht: Ich bin ein Fremder gewesen, und Ihr habt mich aufgenommen“, sagen Wolf und Becker.

Die beiden Schwestern denken aber auch an ein Zitat des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry, das sie sich zu eigen gemacht haben: „Mensch sein heißt Verantwortung fühlen: sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat (...) seinen Stein beitragen im Bewusstsein, mitzuwirken am Bau der Welt.“

Marion Becker und Monika Wolf verbinden mit ihrer Aktion die Hoffnung, dass es auch noch andere Menschen gibt, „die guten Willens sind, dem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom – auch nach Nachrodt-Wiblingwerde – zu begegnen“ und Unterstützung zu leisten. - Volker Griese

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