"Wir haben ein warmherziges Verhältnis"

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Nachrodt-Wiblingwerde -  Zwei Stunden Deutsch in der Woche – „das reicht nicht, um unsere Sprache zu lernen“, sagt der Nachrodter Aykut Aggül und büffelt mit seinem Freund irgendwo zwischen all den Büchern in einer kleinen Nische in der Gemeindebücherei. Tatsächlich sind aus dem Paten und dem Flüchtling aus Afghanistan längst gute Freunde geworden.

 Zwei Männer, die sich im vergangenen Jahr noch nicht kannten, die fast zufällig aufeinander getroffen sind, sind sich gegenseitig ans Herz gewachsen. „Wir sehen uns fast täglich“, erzählt Aykut Aggül, der für die SPD im Rat der Gemeinde sitzt. Nimet Azizi ist 28 Jahre alt und ist mit seiner Frau und den drei Kindern nach Nachrodt gekommen. Eigentlich waren es nur zwei Kinder, Nimets Frau war schwanger, als sie im September 2015 in der Gemeinde eintraf. Über den Asylantrag der Familie ist bisher noch nicht entschieden.

 „Es ist ein laufendes Verfahren“, sagt Aykut Aggül, der auf türkisch, persisch und deutsch mit seinen „Patenkindern“ kommuniziert. Dabei lernt man auch gegenseitig voneinander. „Eigentlich gehört es nicht zur Patenschaft, die Sprache beizubringen, aber Nimet hat mich gefragt, ob ich ihn unterstützen kann. Er möchte mehr lernen. Also lernen wir.“ Nimet besucht zudem die Sprachkurse, die die Nachrodt-Wiblingwerder Flüchtlingshilfe anbietet. Von Beruf ist er Schneider. Dass die Gemeinde ihm eine Nähmaschine schenkte, ist mehr als eine kleine Freude für den Flüchtling aus Afghanistan.

 Drei bis vier Mal in der Woche sieht Aykut Aggül die Flüchtlingsfamilie und ist für die Kinder schon so etwas wie ein Onkel. „Ich freue mich, wenn ich ihnen etwas beibringen kann, ihnen zeigen kann, wie sie zurecht kommen, und ihnen bei Arztbesuchen oder Behördengängen helfen kann.“ Aykut Aggül wollte eigentlich keine Patenschaft übernehmen.

„Aber dann habe ich Einladungen für das Flüchtlingscafé verteilt. Nimet hat mir die Tür geöffnet und mich gleich eingeladen“, erinnert sich Aykut Aggül schmunzelnd. „Es ist mittlerweile ein sehr warmherziges Verhältnis.“ Wie die afghanische Familie nach Nachrodt gekommen ist und was sie auf ihrer Flucht erlebt hat, möchte Nimet Azizi nicht öffentlich erzählen.

 „Aber ich weiß es natürlich“, sagt Aykut Aggül, der sich freut, dass sich die junge Familie in der Gemeinde wohl fühlt und das deutsche System sehr gut findet. Schon allein die Tatsache, dass man erst eine Ampel betätigt und dann über die Straße geht, würde die Familie sehr gut finden. „Für die schwangere Frau war es aber am Anfang schon komisch und unangenehm, mit einem anderen Mann Kontakt zu haben, vor allem, weil es auch um das Thema Frauenarzt und ähnliches ging“, erzählt Aykut Aggül von anderen Perspektiven, die aber sehr schnell überwunden worden seien.

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