SPD-Eklat mit Konsequenzen: Susanne Jakoby und Ronny Sachse treten zurück

„Es gab Missverständnisse und Fehler auf allen Seiten“

Da strahlten alle noch gemeinsam – im August vergangenen Jahres. Jetzt tritt Susanne Jakoby (2.v.l.) als Fraktionsvorsitzende zurück und auch Ronny Sachse (2.v.r.) hat seine Ämter niedergelegt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Es gibt keine Möglichkeit, in diesem Konflikt unbeteiligt zu bleiben. Und es kann mittlerweile nur Verlierer bei der SPD der Gemeinde geben. „Wir müssen zusehen, dass wir aus der Situation, in der wir stecken, einigermaßen herauskommen“, sagt Gerd Schröder, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. Die neuesten Fakten: Susanne Jakoby tritt zurück. Und auch Ronny Sachse hat seine Ämter niedergelegt.

Am 19. April steht eine Mitgliederversammlung an. Dann will der Partei- und Fraktionsvorstand ab 19 Uhr in der Rastatt seinen Mitgliedern die aktuelle Situation schildern und Schadensbegrenzung betreiben. Der Rücktritt von Susanne Jakoby ist augenscheinlich nicht mehr abzuwenden. „Sie wird es tun. Und das ist ein großer Verlust“, sagt Gerd Schröder, hofft aber auch, dass die SPD irgendwie glimpflich aus der Krise herauskommen kann. Vielleicht kann man den einen oder anderen auch wieder „einfangen“. Ob Christiane Lange, Christian Pohlmann und Rita Joergens zur Fraktion zurückkehren wollen, wenn die neuen Weichen gestellt sind, ist offen.

Susanne Jakoby selbst ist tief betroffen. „Ich habe die Arbeit gerne und mit Herzblut gemacht, habe mich den Sachen gewidmet, nicht, weil ich mich profilieren wollte, sondern weil es mir wichtig war, etwas für die Menschen zu tun. Natürlich fällt es mir schwer, loszulassen, aber ich sehe, dass die Perspektive nicht mehr da ist.“

Ob ihr bei allem politischen Gespür das diplomatisches Geschick fehlte? „Das mag in manchen Situationen so gewesen sein. Es gab viele Missverständnisse und Fehler auf allen Seiten“, sagt die Fraktionsvorsitzende. „Jetzt müssen wir gucken, wie wir nicht noch mehr zerschlagen, sonst ist der Scherbenhaufen irgendwann komplett und das will ich auf gar keinen Fall.“ Der Eklat hat sie in der Massivität überrascht. „Vieles wird an mir festgemacht, und dies empfinde ich auch persönlich als zerstörerisch. Es belastet mich sehr“, gibt Susanne Jakoby zu. Auch, dass einige Personen nicht mehr mit ihr sprechen, „nicht mehr mit mir normal umgehen können, bedaure ich sehr.“ Schon lange sei über eine Nachfolge gesprochen worden, denn sie habe aufgrund ihres neuen Jobs seit zweieinhalb Jahren nicht mehr so die Zeit für die Kommunalpolitik gehabt wie vorher. Und deshalb hätte sie sich gerne ordentlich zurückgezogen. „Das haben Teile bewusst zerstört.“

Jetzt, so sagt Susanne Jakoby, muss die Situation vernünftig geregelt werden. Man müsse wieder ins Gespräch kommen, und überlegen, was denn Sinn mache. Und natürlich wird dann sicher auch mit Ronny Sachse gesprochen. Er hat seine Ämter in der SPD niedergelegt. „Das hat nur mit der Situation, nicht mit Personen und auch nichts mit Susanne zu tun. Aber innerhalb kürzester Zeit haben wir drei Leute verloren und bei zwei weiteren ist nicht klar, wie der Status ist. Ich weiß nicht, wie man da vernünftig Politik machen soll. Wir sind sowieso personell dünn besetzt, da können wir nicht noch auf weitere Leute verzichten“, so Sachse im Gespräch mit dem AK. Er findet die aktuelle Situation sehr bedauerlich. Einen absoluten Schlussstrich zieht er aber nicht: „Das ist für mich nicht komplett das Ende. Aber es muss sich etwas ändern und eine Perspektive geben, etwas zu gestalten. Man hat ja auch einen Anspruch an so eine Tätigkeit.“

Die hat auch Aykut Aggül. Der SPD-Ratsherr hat lange darüber nachgedacht, wie er mit dem Eklat umgehen kann und für sich entschieden, auf jeden Fall weiterzumachen. „Ich bin 2011 aus persönlicher Überzeugung in die Partei eingetreten. Ich möchte im Namen der SPD etwas bewegen“, sagt das jüngste Ratsmitglied, das jetzt die Zukunft gestalten und nicht die Vergangenheit verwalten will.

Dass drei Fraktionskollegen ausgestiegen sind, kann Aykut Aggül gut nachvollziehen. „Es war kein Neuanfang in Sicht. Aber die Arbeit muss weitergeführt werden.“ Er findet, dass Politik und Persönliches auseinander gehalten werden müssen. Die Streitigkeiten in der SPD seien für die Bürger eine unschöne Angelegenheit. „Und dafür möchte ich mich einfach mal im Namen der SPD bei den Bürgern entschuldigen.“ Dass die SPD in Nachrodt nach außen aktuell ein schlechtes Bild abgibt, sieht auch Gerd Schröder so und hofft, dass das Ruder noch einmal herumgerissen werden kann.

Über die SPD-Personalien in den vergangenen Wochen haben wir bereits mehrfach berichtet, hier ein Überblick:

Christiane Lange: SPD-Ratsfrau geht zur UWG

Susanne Jakoby: "Aus dieser geteilten Fraktion gehe ich raus"

Heute fällt die Entscheidung: Ist die SPD zu retten?

SPD: Vermittlung ist gescheitert

Rita Joergens und Christian Pohlmann verlassen die SPD

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