Ein Typ fürs Gemeindeleben

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Hermann-Josef Lösing hat sein Glück in Nachrodt gefunden. Ursprünglich sollte es im Vertretungsdienst nur kurz weilen, aber sowohl der Pastor, als auch seine Gemeinde sind froh um die jetzige Fügung. ▪

NACHRODT ▪ Bis er seinen Wunschberuf ergreifen konnte, musste Hermann-Josef Lösing fast 50 Jahre warten. Am Montag (15. April) wird er 65 Jahre alt – und möchte noch fünf weitere Jahre an seiner jetzigen Wirkungsstätte bleiben.

Als Hermann-Josef Lösing am Jahresende 2007 als Vertreter für den damals erkrankten Pfarrer Heinz Skiba in die Nachrodter St. Josef-Gemeinde kam, hatte er bereits ein halbes Leben gelebt. Als Spätberufener hatte er sich erst mit 42 Jahren für die Priesterlaufbahn entschieden, war nach dem Theologiestudium in Landershofen und Trier erst mit 50 Jahren zum Priester geweiht worden. Den Gedanken, sich in den Dienst der Kirche zu stellen, habe er eigentlich schon immer im Hinterkopf gehabt, erzählt Lösing, der als Jugendlicher ein katholisches Internat besucht hatte. Auch sein katholisches familiäres Umfeld hatte ihn geprägt. Doch nach dem Abitur folgte zunächst die Wehrpflichtzeit bei der Bundeswehr, dann eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. In diesem Beruf machte sich Lösing sogar selbstständig, doch mit 42 Jahren gab er seine Praxis auf. Jetzt wollte er tun, was er eigentlich schon immer hatte tun wollen: Priester werden, ein Mann Gottes. Doch wie genau sein Kirchendienst aussehen sollte, war ihm zunächst nicht klar.

„Ich bin dann zu den Prämonstratensern in Duisburg-Hamborn gegangen“, berichtet Lösing über seinen Weg ins Kloster. Im einjährigen Noviziat unterzog er sich der Prüfung, ob er für ein Leben im Orden geeignet ist. Anschließend legte Lösing auch das Ordensgelübde ab, allerdings zunächst nur für drei Jahre. Er arbeitete nach seiner Priesterweihe am 3. Oktober 1998 als Priester in Hamborn, lernte aber auch das Leben im Orden kennen. „Die ewige Profess kam für mich nicht infrage, ich wollte lieber als Priester in einer Gemeinde arbeiten“, erklärte Lösing, warum er der Abtei schließlich wieder den Rücken kehrte.

Im Bistum Münster, in Warendorf, übernahm Hermann-Josef Lösing dann zunächst für ein halbes Jahr eine Vertretungsstelle, ehe er Pfarrer der Gemeinde St. Marien und St. Josef in Hamm-Heessen wurde. Später wechselte er ins münsterländische Wettringen, wo er eine Gemeinde mit starker Volksfrömmigkeit betreute. „Da war die Kirche fast immer voll“, erinnert sich Lösing an ausgezeichnet besuchte Gottesdienste.

Vielleicht waren seine Erlebnisse dort so prägend, dass er sich wünschte, eine ländliche Gemeinde zu übernehmen. Vielleicht waren es aber auch die Kindheitserlebnisse des gebürtigen Bottropers bei der Verwandtschaft im Münsterland. Über den Umweg Essen kam Hermann-Josef Lösing jedenfalls 2007 ins Sauerland. „Ich habe mich freiwillig gemeldet“, erinnert sich Lösing daran, seinem Bischof seinerzeit eine große Freude bereitet zu haben. „Es wollte doch keiner ins Sauerland“, wundert er sich, denn in Nachrodt fühlte sich Lösing auf Anhieb wohl.

Die Tatsache, dass er zunächst nur als Krankheitsvertretung gekommen sei, habe ihm die Möglichkeit eröffnet, die Gemeinde gut kennen zu lernen. „Da habe ich Dinge erfahren, die hätte man mir sonst nicht erzählt“, erinnert er sich. Nach einem halben Jahr stand dann fest, dass Lösing der 1400 Mitglieder zählenden St. Josef-Gemeinde auf Dauer erhalten bleibt. Zwischen dem Pastor und seiner Gemeinden entwickelte sich in der Folge ein gutes Miteinander. Und auch mit den Besucherzahlen in den Gottesdiensten ist Lösing inzwischen zufrieden, obwohl sie nicht im Entferntesten an die Zahlen während seiner Zeit in Wettringen heranreichen. „Am Anfang kamen 40 bis 50, vor allem Ältere. Jetzt sind es um die 100 – vom Kind bis zur Seniorin“, hat der Pastor festgestellt. Und auch die Zusammenarbeit mit den evangelischen Amtsbrüdern stellt Lösing zufrieden. „Wir kommen gut miteinander aus.“

An seinem 65. Geburtstag ist Hermann-Josef Lösing jedoch nicht in Nachrodt. Er ist zu einem Kurzurlaub aufgebrochen. Nachfeiern möchte er den Ehrentag, der zufälligerweise mit dem 15. Jahrestag seiner Diakonenweihe zusammenfällt, jedoch. Für Sonntag, 21. April, ins Katholische Vereinshaus eingeladen. Wer möchte, kann ihm nach dem morgendlichen Gottesdienst gratulieren. Eine richtige große Feier für die ganze Gemeinde wird es aber nicht geben, die möchte sich Lösing für seinen 70. Geburtstag aufbewahren. So lange möchte er auch noch Pastor von St. Josef bleiben. „Wahrscheinlich der letzte“, ist er ziemlich sicher, dass die Stelle anschließend nicht wieder besetzt wird. ▪ Volker Griese

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