383 Menschen sind im Jahr 2037 pflegebedürftig

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129 Pflegeplätze gibt es im Nachrodter Hof und im Pertheshaus.

Nachrodt-Wiblingwerde  Jeder möchte lange leben, aber niemand möchte pflegebedürftig werden. Und wenn es dann doch so kommt, dann möchten zwei Drittel aller Menschen am liebsten zu Hause umsorgt werden. So sagen es Stefan Egger und Torsten Sauer vom Fachdienst Pflege des Märkischen Kreises, die im Sozialausschuss jede Menge Daten und Fakten für und aus Nachrodt-Wiblingwerde präsentierten.

Die Gesellschaft altert. Und wird weniger. „Bis zum Jahr 2037 gibt es kreisweit einen Bevölkerungsrückgang um 14 Prozent, und zeitgleich steigt der Anteil der Über-80-Jährigen um fast 30 Prozent an“, so Stefan Egger. Da machen die Nachrodt-Wiblingwerder keine Ausnahme. Und so geht es immer mehr um das Thema Pflege, um bedarfsgerechte Versorgung.

Die Pflegewahrscheinlichkeit – und das kann berechnet werden – liegt im Jahr 2037 kreisweit wahrscheinlich bei 22000 Menschen, davon werden es laut Berechnung 383 aus der Doppelgemeinde sein. Analog dazu gibt es auch rechnerische Aussagen zu Demenzerkrankungen: Im Jahr 2017 waren 125 Menschen in Nachrodt-Wiblingwerde betroffen, im Jahr 2037 werden es 200 sein. „Wie gehen wir damit um? Wir haben eine steigende Anzahl der Pflegebedürftigen und einen steigenden Bedarf an professioneller Pflege“, so Stefan Egger. Aber nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würden schon im Jahr 2030 1800 Pflegefachkräfte im Kreis fehlen: 1450 in der stationären Pflege, 350 im ambulanten Bereich. „Es spricht viel für die Stärkung des ambulanten Sektors“, meinte Egger auch besonders mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen: Ein Großteil der alten Menschen möchte gern in seiner gewohnten Umgebung bleiben, 30 Prozent wünschen sich eine Mehrgenerationenwohnung, nur 15 Prozent können sich persönlich gut ein Pflegeheim vorstellen.

 129 Pflegeplätze in der Gemeinde

 In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es mit dem Nachrodter Hof und dem Pertheshaus insgesamt 129 Pflegeplätze. Die Versorgungsquote liegt bei 36,65 Prozent. Im Vergleich zum kompletten Märkischen Kreis, der gerade mal auf 17 Prozent kommt, steht die Gemeinde geradezu glänzend da. Auch mit Blick auf die nächsten Jahre bis 2035 bleibt die Versorgungsquote stets deutlich über dem Kreisschnitt. Beide Pflegeeinrichtungen bieten auch eingestreute Kurzzeitpflegeplätze an (insgesamt 14 Plätze). Ambulant betreute Wohngemeinschaften gibt es allerdings in der Doppelgemeinde noch nicht – ebenso gibt es noch keine Tagespflegeangebote.

Kreisweit wurden 2017 fünf Nachrodt-Wiblingwerder in Tagespflegeeinrichtungen umliegender Städte versorgt. Ein Pflegedienst ist in der Gemeinde ansässig, andere „reisen“ an. Was ebenso fehlt, ist ein regelmäßiges Sprechstundenangebot der Pflegeberatung des Märkischen Kreises – und genau dies wurde von der Christdemokratin Elfriede Sickart während der Sitzung gefordert. Kein Bedarf gibt es rein rechnerisch an weiteren stationären Pflegeplätzen.

„Um den Einwohnern der Gemeinde eine Wahlfreiheit zu bieten, ist der Ausbau von ambulant betreuten Wohngemeinschaften zu befürworten, da diese vor Ort noch nicht vorhanden sind“, meinte Stefan Egger. Rechnerisch ergibt sich bis 2020 ein Bedarf im Bereich der Tagespflege von etwa sechs bzw. bis 2030 von etwa sieben Plätzen. Zu wenig, um wirtschaftlich sinnvoll für einen Träger zu sein. Daher käme eher die Nutzung von Tagespflegeeinrichtungen in Nachbarorten in Betracht. Um mehr komplementäre Angebote vor Ort zu erhalten und somit die ambulante Versorgung zu stärken, wird von den Fachleuten vom Kreis eine Vernetzung der Akteure vor Ort empfohlen.

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