Baby-Alarm und ein Willkommensbesuch

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Jutta Czimmeck (links) übernimmt die Willkommensbesuche. Willkommen heute: die kleine Marlene in Rennerde.

Nachrodt-Wiblingwerde - Oh Gott. Das Jugendamt kommt. Bei vielen Familien schrillen die Alarmglocken. Jugendamt. Horrorfamilien. Kindeswohlgefährdung. Das kann also nichts Gutes bedeuten. Oder doch? „Wir hoffen natürlich, dass die Hemmschwellen abgebaut werden und die Bevölkerung merkt, dass wir präventiv unterwegs sind“, sagt Jutta Czimmeck, die mit fünf Kolleginnen die Willkommensbesuche im Kreis übernimmt. Willkommen heute: Marlene. Vier Monate alt ist der süße Fratz, der neugierig den Besuch betrachtet – aber wenig aufgeregt ist.

Seit 2011 sind die Sozialarbeiterinnen des Kreises unterwegs, um frischgebackenen Eltern in den acht Städten zur Seite zu stehen, die kein eigenes Jugendamt haben. Nachrodt-Wiblingwerde gehört dazu. Die Besuche werden angekündigt und sind kein Muss.

 Wer nicht mag, verpasst allerdings etwas – zum Beispiel ein wunderschönes Halstuch „made in Nachrodt-Wiblingwerde“ – in Blau für die Jungs, in Rot für die Mädels. Also auch für Marlene. Mama Lydia probiert es gleich mal aus. Das Tuch wird in der Gemeinde geschneidert.

Jutta Czimmeck bringt aber nicht nur Geschenke mit, sondern auch interessantes Informationsmaterial. Im Elternbegleitbuch gibt es eine Checkliste für Behördengänge und Anträge beispielsweise. Wann sollte man Elterngeld beantragen – und wo? Und wann das Kindergeld?

Der Wegweiser durch den Behördendschungel bringt auch Klarheit bei komplizierten Themen wie „Frühe Hilfen“ und „Unterhaltsvorschuss“. Zudem gibt es sämtliche Adressen und Ansprechpartner rund ums Kind, von Hebammenpraxen über Kindertageseinrichtungen bis zur Familienberatung.

 „Haben Sie eine Hebamme?“, fragt Jutta Czimmeck und freut sich zu hören, dass sich die junge Mama bei Hebamme Sandra Elzner sehr, sehr gut aufgehoben fühlt. „Sie hat mir sehr geholfen“, sagt Lydia Schmitz-Machelett.

Dass sich das Mutter- und Vater-Sein nicht immer wie in Hochglanzmagazinen darstellt, weiß auch Jutta Czimmeck nur zu gut. „Am dritten Tag habe ich heulend da gesessen, weil es mit dem Stillen nicht klappte“, erzählt sie aus eigener Erfahrung. Kreuzunglück kann man aus verschiedenen Gründen sein: Das Kind schreit und schreit. Und niemand weiß warum. Manche Mamas sind froh, wenn sie mittags einen Kaffee getrunken haben und unter der Dusche waren. Und die meisten jungen Mamas könnten wirklich eine Mütze Schlaf gebrauchen.

Ein Netzwerk von Menschen, die unterstützen, ist von hoher Bedeutung. Aber was ist, wenn man dieses Netzwerk nicht hat? „Dann helfen und vermitteln wir“, verspricht Jutta Czimmeck. Bei den Willkommensbesuchen geht es nicht darum, zu schauen, ob die Wohnung geputzt ist und ob alles sauber und ordentlich ist.

 Das Anliegen ist, die Eltern gut zu informieren und dadurch Kindern die bestmöglichen Startbedingungen zu geben. Der Blick gilt dem Kind – und auch den sogenannten U-Untersuchungen, auf die die Sozialarbeiterin aufmerksam macht. Um Vernachlässigungen und Misshandlungen zu erkennen, aber auch um frühe Hilfen, frühe Förderung zu ermöglichen, erfasst die zentrale Stelle im Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen alle Früherkennungsuntersuchungen U5 bis U9 (für Kinder zwischen sechs Monaten und fünfeinhalb Jahren).

Das Jugendamt bekommt Rückmeldungen, wenn die Untersuchungen nicht stattgefunden haben. „In 99 Prozent der Fälle können wir das aber klären“, sagt Jutta Czimmeck. „Und so werden mache Kinder dann doch dem Arzt vorgestellt.“

Bei Marlene steht jetzt die U 4 an. Quickfidel, aber immer noch nicht am Besuch interessiert, mag sie eher das gelbe Schnuffeltuch und den Rassel-Ball, während es für Mama und Papa noch zwei interessante Broschüren gibt: „Das Baby“ und „Kinder schützen, Unfälle vermeiden“.

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