Ein Sorgentelefon speziell für Landfrauen

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Ein Telefonat kann helfen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Das Wichtigste vorab: Die Gespräche können helfen, denn sie liefern eine neutrale Sichtweise, sie öffnen die Gesprächspartner. Wenn es Rückmeldungen gibt, dann sind sie sehr positiv. Edelgard Stahl-Kamerichs, sagt das. Sie betreut die Frauen, welche die Gespräche beim Landfrauentelefon NRW entgegennehmen. Immer Mittwochs, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr, kümmern sie sich um die Sorgen von Landfrauen, die aus ihrer persönlichen Not heraus die Rufnummer 02162/355977 wählen.

Es geht um Ärger in der Bauernfamilie, um Generationskonflikte, um Suchtprobleme, um wirtschaftliche Nöte oder um eine Kombination aus all diesen unerfreulichen Angelegenheiten, die im Sauerland genauso wie im Rhienland in Zeiten des Strukturwandels auftreten.

Bei den Frauen am Telefon handelt es sich um speziell in Gesprächsführung geschulte Landfrauen, die eben auch wissen, was es heißt, auf dem Land zu arbeiten und zu leben, erläutert Stahl-Kamerichs. Die Sorgentelefon-Frauen sitzen in Viersen, haben via PC Zugriff auf Datenbanken und Adressen - und können helfen. Selbstverständlich sind die Gespräche anonym und sie dauern lange. Das Durchschnittstelefonat könne dabei eine gute Stunde dauern. Oft genug sind es ganz schlimme Sachen, die dort zur Sprache kommen. Doch nicht nur.

Stahl-Kamerichs sagt, dass in jüngster Zeit verstärkt ein Kommunikationsproblem zwischen den Generationen in den Gesprächen offenbar würden. Die ältere Generation komme nicht damit klar, dass junge Landfrauen eine andere, schnellere Lebensweise hätten und auch außerhalb des Hofes berufstätig seien. Dass ein Bauer sich mittags das Essen in der Mikrowelle warm mache, weil die junge Bäuerin irgendwo im Büro arbeite - damit kämen Ältere oft nicht klar. Edelgard Stahl-Kamerichs sieht das aber auch als Problem der gegenseitigen Wertschätzung. Jung und Alt sollten die jeweilige Lebensweise der anderen Generation einfach respektieren. Damit wäre viel gewonnen.

Übrigens: Geschätzte 20 bis 30 Prozent der Anrufer und Ratsuchenden sind „Land-Männer“. -vdB

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