Keine Gefahr für die Gäste und Nutzer:

Sorgenkind „Zur Rastatt“ – Schimmel und Pilze überall

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Die Rastatt muss für viel Geld saniert werden.

Nachrodt-Wiblingwerde - Für Restaurant-, Hotel- oder Saal-Gäste besteht aktuell keine Gefahr. Und doch entwickelt sich Nachrodts-Traditionsgasthof „Zur Rastatt“ zum großen „Problemkind“ für die Gemeinde. Das Gebäude weist derartige Bauschäden auf, dass schon ein Millionen-Euro-Aufwand nötig ist, um das Haus wieder auf Vordermann zu bringen.

Doch ist das wirklich sinnvoll? Wäre nicht ein Abriss und Neubau an dieser Stelle – dann vielleicht als Mehrzweckgebäude mit Ratssaal, Verwaltungssitz und Gastronomie (Ratskeller) – eine zukunftsweisende Alternative? Fragen, die wohl kein Nachrodter Politiker aus dem Bauch heraus beantworten will und kann. „Denn eines liegt auf der Hand“, sagte beispielsweise der stellvertretende Vorsitzende des Plan- und Bauausschusses, Matthias Lohmann (SPD), vor diesem Gremium am Montag, 13. März: „Das Gebäude Rastatt hat eine Funktion für die Gemeinde.“

Sanierung nötig

 Dass die prekäre Sanierungs-Situation um das Haus, seine vielseitige Nutzung als Gaststätte, Hotel und Tagungsraum für den Rat oder die Ausschüsse der Gemeinde, überhaupt öffentlich wurde, ist Peter Herbel (CDU) zu verdanken. Der langgediente Ratsherr wollte es nicht hinnehmen, dass alles rund ums „Problemkind Rastatt“ unter den Plan- und Baupolitikern quasi in nichtöffentlicher Sitzung „ausklamüsert“ werden sollte. „Herr Vorsitzender, das gehört heute öffentlich diskutiert“, mahnte er Montag, 13. März, Gerd Schröder (SPD). Der hatte das Reizthema bis dato unter dem nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt „Grundstücksangelegenheit“ geführt. Herbel setzte sich auch dank Rückendeckung durch Verwaltungschefin Birgit Tupat durch.

Herbel: "Das interessiert die Öffentlichkeit"

Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Gutachter Holger Selve vom Ingenieurbüro IHS aus Altena war schonungslos offen, wie es sein Auftrag ist, als er in die Diskussion einstieg. Er stellte fest: 1. Der Keller des Gebäudes ist feucht; 2. Das bisher dort untergebrachte Gemeindearchiv wurde schon ausgeräumt. Zahlreiche Akten, bereits von Schimmel befallen, mussten aufwendig desinfiziert werden, um sie für die Nachwelt zu retten. 3.

Schimmel und Pilzbefall unter dem Dach: Das geht richtig ins Geld.

Es gibt zudem Schimmel- und Pilzbefall in vielen Nebenräumen der Rastatt. Besonders der Dachboden ist extrem von Schimmel und Pilz angegriffen. Großflächig befallen sind die Balkenlagen. 4. Der Spitzboden des Gebäudes ist so geschädigt, dass die freiliegenden Holzbalken schon eine weiße Pilz-Farbe tragen. Ursache für all diese Dinge sind Schädlinge und eine immense Feuchtigkeit, die sich über die Jahre angesammelt hat und nicht austreten konnte sowie ein undichtes Dach. „Das hat ein Alter, das eine Sanierung zwingend erforderlich macht. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es Sinn machen würde, es nach jedem Hagelschlag auf undichte oder beschädigte Pfannen durchzusehen, um keine weiteren Schäden zuzulassen“, so der Gutachter. Das IHS-Ingenieurbüro veranlasste zwischenzeitlich Luftmessungen, um gesundheitliche Belastungen aufgrund des Pilz- und Schimmelbefalls für Personal und Gäste innerhalb des Hauses und besonders im großen Saal auszuschließen. Ergebnis: „Ein Aufenthalt im Saal ist unbedenklich. Noch“, so Holger Selve. Aber es sei dringender Handlungsbedarf gegeben.

Lars Wygoda (CDU): "Keine Kapitalanlage"

So müsse unter anderem das Dach neu gedeckt werden. Der Unterschlag an der Gaststätte ersetzt, Farbabplatzungen an der Traufe und der Dachstuhl ganz ersetzt werden. “ Wer das Dach oder den Dachstuhl anfasse, müsse dann aber nach neuesten energetischen Maßnahmen handeln und neu bauen. „Das ist vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben.“ Dach, Dachstuhl, Malerarbeiten, Schwamm- und Schimmel- sowie Pilz-Bekämpfung, Trockenlegung des Gebäudes, ein Austausch der Fenster und möglicherweise weitere Modernisierungen in den Hotelzimmern oder Nasszellen durchzuführen, das geht ins Geld. Ruck zuck summierte sich der Aufwand nahe der 1 Million-Euro-Grenze. Lars Wygoda, CDU-Fraktionschef: „Die Rastatt war nie eine Kapitalanlage für die Gemeinde.

Eingang zum Saal: Luftmessungen an dieser Stelle belegen: Es besteht für Nutzer keine Gefahr.

Aber wir brauchen ein Gebäude. Vielleicht sollten wir erst einmal den Verkehrswert ermitteln lassen?“ Das sei doch nur ein hypothetischer Wert, hielten dem CDU-Politiker andere Baupolitiker entgegen. „Was wir brauchen ist eine Investition“, so Matthias Lohmann (SPD). Die Funktion für die Gemeinde, aber auch als Gaststätte, müsse erhalten bleiben. Das sah auch Michael Schlieck (CDU) so. Der stellvertretende Bürgermeister lehnte sich mit der Empfehlung: „Wir brauchen die Raststatt“ weit aus dem Fenster. Denn bis dahin gab es durchaus Stimmen, die einen kompletten Abriss und einen Neubau an dieser Stelle forderten. Angesichts der momentan niederigen Zinsen sei das vielleicht ein gangbarer Weg. Wie auch immer die Nachrodter Politiker sich entscheiden: „Sie haben nicht wahnsinnig viel Zeit!“, gab ihnen Gutachter Holger Selve mit auf den Weg in die Fraktionen. Übrigens: Wer sich erinnert, dass vor mehr als 15 Jahren umfangreiche Sanierungen und Umbauten in den Hotelzimmern erfolgten, liegt zwar richtig. „Aber auch in diesem Bereich müssen wir über jeden damals gemachten Handschlag schauen. Da stimmt einfach einiges nicht“, blieb IHS-Sprecher und Gutachter Holger Selve etwas nebulös in Sachen möglicher Schuldzuweisung.

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