Sommerinterview mit Petra Triches, Jens-Philipp Olschewski und Gerd Schröder

Plan B für Qbus und Amtshaus muss her

Die AK-Redaktion traf sich zum Sommerinterview mit Jens-Philipp Olschewski, Petra Triches und Gerd Schröder (von links)
+
Die AK-Redaktion traf sich zum Sommerinterview mit Jens-Philipp Olschewski (CDU), Petra Triches (UWG) und Gerd Schröder (SPD) - (von links)

Qbus, Amtshaus-Anbau, Kreckelhaus, Spendenvergabe für die Flutopfer und das Dauerproblem Lennebrücke waren unter anderem die Themen beim Sommerinterview mit den Fraktionsspitzen Petra Triches (UWG), Jens-Philipp Olschewski (CDU) und Gerd Schröder (SPD).

Nachrodt-Wiblingwerde – Dass CDU und SPD in Nachrodt eine Koalition bilden, findet die UWG wenig lustig, keine Frage. Repräsentative Demokratie hin oder her. Und doch wurde eines beim Sommerinterview deutlich: In fast allen Bereichen sind die Kommunalpolitiker thematisch sehr nah beieinander. Statt Hauen und Stechen gab es oft einmütige Ansichten. Anders – natürlich – sieht es bei der bevorstehenden Bundestagswahl aus.

Qbus. Ein geniales Projekt. Doch Christian Waleczek, der als Pächter mit 1000 Ideen an den Start gehen wollte, hat das Handtuch geworfen. Kann Qbus noch was werden?
Schröder: Natürlich kann das was werden, vielleicht auch mit anderem Konzept. Es kommt darauf an, welche Kontakte wir finden, wer bereit ist, zu investieren und als Pächter aufzutreten.
Triches: Man muss jemanden finden, der das pachtet und seine ganze Energie dort ‘reinsteckt.
Aber eine Bürgerstiftung funktioniert wohl nicht. Irgendwie muss das Ganze finanziert werden.
Schröder: Wir haben anfangs gesagt, dass wir das Grundstück nicht verkaufen wollen. Aber nachdem das Konzept so gescheitert ist, müssen wir alle Optionen offenlassen.
Olschewski: Es muss auf jeden Fall eine Gastronomie geben, die auch bestimmt nachgefragt wird. Nur die Form und die Akteure sind in der aktuellen Situation nicht klar.
Die Jahre vergehen, die Rastatt ist weg. Es ist ein Haufen von Nichts übrig. Das sieht nicht gut aus.
Schröder: Es ist ein verlorenes Jahr gewesen. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass das Marketingkonzept, das wir entwickelt haben, greift.
Olschewski: Wir müssen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass was passiert. Wir können nicht selber als Gastronomen tätig werden. Das Café in Letmathe ist nachgefragt, die Lenneterrassen in Altena auch. Nachrodt braucht auch so etwas. Davon bin ich überzeugt.
Triches: Aber die Investoren wollen ja, dass sich das rechnet. Und die Gemeinde kann nicht Eigentümer sein wie damals bei der Rastatt. Das war ein großer Fehler.
CDU und SPD haben sich zusammengefunden. Der Wahlsieger UWG muss dies hinnehmen. Ist das der richtige Weg?
Olschewski: Auf jeden Fall. Aber wir laden die UWG auch immer ein, mit uns zu sprechen. Wir verschließen uns keinen guten Ideen.
Triches: Das ist im Kreis das Gleiche. SPD und CDU haben den Kreistag in der Hand, da kannst du als kleine Fraktion machen, was du willst.
Schröder: Das ist repräsentative Demokratie, wir spiegeln einen großen Wählerkreis wider.
Triches: Die SPD ist hier Verlierer gewesen, im Kreis Verlierer. Und trotzdem dabei.
Wird das so auch bei der Bundestagswahl sein. Wie wird sie ausgehen?
Schröder: Das ist völlig offen. Bei der Stimmungslage im Moment, muss nur einer dumm in die Kamera gucken, dann kriegt er zwei Punkte weniger. Das kann es wirklich nicht sein.
Olschewski: Es ist wirklich schwer vorherzusehen und so offen, wie selten zuvor, aber ich bin für die CDU optimistisch.
Triches: Den Kandidaten fehlt allen das Charisma und das ist das Problem. Es geht ganz vielen Menschen so, dass sie nicht wissen, was sie wählen sollen.
Schröder: Es ist ein sehr merkwürdiger Wahlkampf, wobei von Kampf überhaupt keine Rede sein kann.
Armin Laschets Lachen während einer Rede des Bundespräsidenten im Hochwassergebiet hat ihn Sympathien gekostet.
Olschewski: Das war wirklich eine sehr ungünstige Situation, trotzdem traue ich Laschet und der CDU viel zu.
Unterschätzt man die SPD?
Schröder: Ich denke, dass die SPD insgesamt unterschätzt wird, und sie ist nicht in der Lage, sich richtig zu verkaufen.
Vielen Bürgern bereitet das Kreckelhaus als Schandfleck der Gemeinde Kummer. Jetzt ist es verkauft an jemanden, der sich für Schrottimmobilien in ganz Deutschland interessiert. Kein Ende des Kummers in Sicht. Gruselig?
Triches: Das Kreckelhaus ist ein Schandfleck und wir hätten es auch gerne weg. Aber das ist Fremdeigentum. Da sind der Gemeinde die Hände gebunden. Ich kann Dir auch nicht vorschreiben, was du mit Deinem Haus machst, ob Du es verhunzt oder nicht. Herr von Löbbecke wird sich wohl informiert haben, an wen er das verkauft hat.
Olschewski: Es ist eine Ewigkeitsstory, aber Eigentum ist ein hohes Gut und so lange die Verkehrssicherheit gewahrt ist, macht man nichts.
Es gibt keine Förderung für den geplanten Amtshaus-Anbau. Man hofft auf das nächste Jahr. Aber was ist, wenn es keine Förderung gibt? Hat sich dann der Anbau erledigt?
Schröder: Dann treffen wir uns unter der Linde wie früher (lacht).
Triches: Die Mitarbeiter der Verwaltung benötigen vernünftige Arbeitsplätze. Aber muss man so einen großen Anbau dann realisieren? Man kann auch Homeoffice-Plätze einrichten und zwei Mitarbeiter teilen sich einen Arbeitsplatz.
Schröder: Bei Homeoffice habe ich eher Bauchschmerzen. Ich bin nicht sicher, ob das zukünftig aus sozial-psychologischen Gründen tragfähig ist.
Olschewski: Die Verwaltung ist auch personell nicht doppelt und dreifach aufgestellt und muss oft vor Ort sein. Ich glaube, dass der Amtshaus-Anbau gefördert wird, aber wir sollten einen Plan B haben. Man muss jetzt aber erst einmal schauen, was die Gemeinde an Hochwasserschäden tragen muss. Andere Projekte müssen deshalb auch hinterfragt werden.
Aber die Unwetterschäden werden von Land und Bund getragen, oder?
Triches: Versprochen wird das.
Schröder: Im Wahlkampf wird viel versprochen.
Olschewski: Und mit unseren 300000 Euro Budget für Straßen im Jahr wären wir Jahrzehnte dran. Die Straßenschäden zu beheben und der Blick auf die Gerätehäuser müssen jetzt Priorität haben. Das Wichtigste ist, dass die Feuerwehr gut ausgestattet ist – und zwar nicht nur so, dass sie ihre Arbeit gut ausführen kann, sondern dass sie selber auch sicher ist. Wir haben ja in Altena gesehen, was passieren kann. Deshalb haben wir auch einen entsprechenden Antrag gestellt.
Haben Sie denn mit der Feuerwehr gesprochen, ob etwas dringend fehlt?
Olschewski: Ich weiß durch viele Freunde, dass die Einsätze sehr nervenzehrend und schwierig waren. Die Verwaltung, so steht es in unserem Antrag, soll mit der Wehrleitung prüfen, ob eine ausreichende Ausrüstung vorhanden ist.
Für den Fall, das 200 Liter auf den Quadratmeter fallen, kann man kaum vorsorgen
Triches: Das Einzige ist, dass immer die Einläufe frei sein müssen, aber bei so einer Menge Wasser und Felsbrocken, kann man tatsächlich nichts machen.
Olschewski: Wir wollen nicht nur Hochwasser-Schutzmaßnahmen treffen, sondern grundsätzlich das Thema Naturkatastrophen angehen – beispielsweise mit der Sicherung von Felswänden.
Apropos Feuerwehr: Klaus-Dieter Jacobsen hatte die Idee, als Dankeschön für den Unwettereinsatz ein Fest zu veranstalten. SPD und UWG unterstützten das Vorhaben sofort
Olschewski: Coronabedingt wird dies auf das nächste Jahr verschoben. Auch das Rote Kreuz und andere Helfer sollen dann dabei sein.
Es gibt 110000 Euro Spenden für die Flutopfer der Gemeinde. Am Dienstag traf sich erstmals ein Arbeitskreis, der sich um die Vergabe kümmern wird. Es wird schwierig, das Geld gerecht zu verteilen, oder?
Triches: Das wird sicher schwierig, aber es darf auf keinen Fall lange dauern, denn die Menschen brauchen das Geld dringend. Man muss schauen, wie stark die Leute betroffen sind, ob es eine Elementarversicherung gibt oder nicht. Ich kenne Leute, die die Feuerwehr nicht gerufen haben, weil sie selber Pumpen haben, und wussten, dass die Feuerwehr genug zu tun hatte.
Olschewski: Der Arbeitskreis muss Kriterien aufstellen, wobei das nicht so einfach sein wird. Ein perfektes Rezept wird es nicht geben.
Schröder: Und wir können diejenigen, die sich nicht gemeldet haben, gar nicht erfassen.
Eine Gerechtigkeit kann es wahrscheinlich nicht geben?
Schröder: Es gibt leider keine 100-prozentige Gerechtigkeit auf der Welt, aber es muss nah dran sein. Das Entscheidende ist, dass sich keiner benachteiligt fühlt. Und es muss transparent sein.
Es gibt auch einen neuen Arbeitskreis Spielplätze. Sollen welche aufgegeben werden?
Triches: Es geht erst einmal um eine Bestandsaufnahme und die Frage, wie man etwas attraktiver machen kann. Was wünschen sich die Kinder? Sebastian Putz hat einen Schlüssel erstellt, wie viele Kinder wo sind.
m Arbeitskreis sind Anne Klatt und Romina Bach (UWG), Stefan Herbel und Elfriede Sickart (CDU) und Christian Pohlmann und Petra Wachtmeister (SPD). Aber eigentlich müssten doch Kinder da rein, oder?
Triches: Romina Bach hat zwei Kinder. Wir sollten den Arbeitskreis erst mal anfangen lassen.
Schröder: Es ist natürlich schwierig, Drei- und Vierjährige zu befragen. Das Thema muss aber schon nach an den Menschen sein.
Es gibt auch einen Arbeitskreis Ehrenamtspreis, aber in diesem Jahr wurde kein Preis vergeben. Ist doch schade, oder?
Olschewski: Wir müssen uns bemühen, mehr Werbung dafür zu machen. Es gibt so viele Menschen in Nachrodt, die sich engagieren, aber die müssen auch vorgeschlagen werden.
Schröder: Einer hat sich auf den anderen verlassen. Beim nächsten Mal passiert uns das nicht mehr, es werden preiswürdige Personen vorgeschlagen.
Triches: Was den Leuten aber noch besser gefällt als der Preis, ist das Ehrenamtsgrillen. Denn damit werden alle gewürdigt.
Den Bürgern liegt die halbseitig gesperrte Lennebrücke schwer im Magen. Es ist verständlich, dass kaum jemand immer um die Zuständigkeiten weiß.
Schröder: Diese Brückengeschichte ist nach wie vor ein Ärgernis. Es wird vom Bürger nicht differenziert, wer Straßenbauträger ist, ob es eine gemeindeeigene Brücke ist oder nicht. In diesem Fall nicht. Wir kommen leider nicht weiter, weil uns die Hände gebunden sind.
Thema Windkraft: Die 22. Änderung des Flächennutzungsplanes wird ein Heidengeld kosten. Was hat man damals alles falschgemacht?
Olschewski: Das war nicht absehbar. Die Faktenlage ist heute eine andere als damals. Ziel war es immer, sich für die Bürger einzusetzen. Wir haben uns immer in den Rahmenbedingungen bewegt.
Schröder: Dass da plötzlich ein Gerichtsurteil kommt, wonach aus rein formalen Gründen die Flächennutzungspläne nichtig sind, war nicht absehbar.
Triches: Naja, das hat die erste Anwältin durchaus gesagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare