Wir eiern seit eineinhalb Jahren herum

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Zum Sommerinterview traf AK-Redakteurin Susanne Fischer-Bolz (2.v.r.)  Ulrich Gülicher (CDU), Gerd Schröder (SPD) und Petra Triches (UWG - von links)

Nachrodt-Wiblingwerde - Sommerpause. Die Probleme sind weit weg. Oder? Das Dilemma rund um die Lennebrücke, der Anblick der geschlossenen Rastatt, das Amtshaus, das dringend saniert werden muss, sind Themen, die sich nicht in Luft auflösen. Zum Sommerinterview traf das AK die drei Kommunalpolitiker Gerd Schröder (SPD), Ulrich Gülicher (CDU) und Petra Triches. Und ganz augenscheinlich gibt es eine neue Idee für das Amtshaus.

Wenn Sie an der Rastatt vorbei fahren, Herr Schröder, ist das dann ein trauriger Anblick für Sie?

Gerd Schröder: Ja, das ist es wirklich. 

Man hatte doch den Beschluss, dass die Rastatt umgebaut werden soll, oder?

Schröder: Das Votum haben wir noch immer. Die Bürgermeisterin hat in der letzten Ratssitzung mitgeteilt, dass es keinen Architekten gibt, der im Moment freie Kapazitäten hat.

 Dazu hat aber Peter Herbel angemerkt, dass man sich bei der Architektenkammer schlaumachen könnte. Und er hat auch angemahnt, dass die Verwaltung macht, was sie will. Steht er mit dieser Meinung alleine da?

Ulrich Gülicher: Nicht alleine, aber die Sachlage ist ja so, dass es nicht verboten ist, schlauer zu werden. Grundsätzlich ist es ja so, dass wir die Rastatt für die Bevölkerung erhalten wollen. Das ist unstrittig. Aber wir müssen beweglich und frei bleiben. Da müssen wir uns auch ein bisschen zurücknehmen und uns auf die Fachleute verlassen. Die Bürgermeisterin wird sicher noch Vorschläge machen, aber das weiß Frau Triches besser, weil die UWG ja gern bei der Bürgermeisterin auf dem Schoß sitzt. Entscheidend ist doch, dass wir vor drei Problemen stehen: die Rastatt, das Amtshaus und die Brücke.

 Im Gespräch ist ja auch, dass am Standort der Rastatt ein neues Amtshaus gebaut werden könnte.

Petra Triches: Da gibt es zwei Meinungen in unserer Fraktion. Mit dem Beschluss, die Rastatt für viel Geld umzubauen, habe ich aber ein Problem. Mit einer Million werden wir nicht hinkommen.

Auch nicht mit dem Vorschlag, den Peter Herbel gemacht hatte?

 Triches: Dann haben wir es oben schön und der Keller ist immer noch nicht in Ordnung. Erst mal schauen, was ein Neubau kosten würde...

Ein Amtshaus-Neubau wäre also nicht so abwegig? 

Triches: Ich habe auch mit einigen gesprochen, die politisch nicht aktiv sind, und die fänden das auch nicht schlecht. Es geht ja auch darum, dass die Nachrodter Bürger einen vernünftigen Raum bekommen, den sie auch anmieten können.

Neues Amtshaus mit Saal? Und was soll dann mit dem alten Amtshaus passieren? 

Gülicher: Das hängt alles zusammen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, wie wir vorgehen wollen. Wollen wir das Amtshaus erhalten, dann stellt sich das mit der Rastatt schon wieder ganz anders da. Wir liegen ja alle gar nicht weit auseinander. Für die Nachrodter Bürger halte ich es für unzumutbar, wenn wir als Rat nicht dafür sorgen, dass sie einen Saal bekommen. 

Würden es Ihnen Herr Schröder, gefallen, wenn ein neues Amtshaus mit Saal am Standort Rastatt gebaut würde?

 Schröder: Ja, ein Amtshaus mit angeschlossener Gastronomie. Wir bekommen das jetzige Amtshaus ohne öffentliche Mittel nicht renoviert. Wenn sich ein Investor für das Amtshaus finden würde, könnte das Gebäude mit Denkmalschutzmitteln saniert werden. 

Also: Das Geld, das man für das Amtshaus bekommt, könnte man dann in den Neubau investieren? 

 

Triches: Ich habe immer gesagt, dass erst die Bürger mit ins Boot geholt werden müssen. Was wollen sie?

Schröder: Ich bin zwar auch dafür, die Bürger mit einzubeziehen, aber erst einmal müssen wir uns in Rat und Verwaltung darüber einig sein, was wir denn wollen. Eventuell mit einer zweiten und dritten Alternative, die wir den Bürgern vorstellen können. Aber unvorbereitet in so eine Bürgerversammlung zu gehen, und dann 100 Meinungen zu sammeln, davon rate ich ab. Gülicher: Herr Hille von der Firma Effizienz-Beratung wird jetzt zudem erst einmal ein Gutachten erstellen über den Gastronomiestandort Rastatt. Den Auftrag hat er bekommen.

Es gibt also noch keine klare Linie? 

Schröder: Nein, auch von der Verwaltung nicht. Gülicher: Da hätten wir auch ein bisschen mehr Schub erwartet. 

Nehmen wir mal an, Sie würden sich für einen Neubau des Amtshauses am Standort Rastatt aussprechen. Da bin ich doch irritiert: Es gibt immer mehr interkommunale Zusammenarbeit und nicht mehr Bedienstete. Für 20 Mitarbeiter ein Palast an der Lenne? 

Gülicher: Die Mitarbeiter arbeiten im jetzigen Amtshaus unter unzumutbaren Verhältnissen. Dass die uns das noch nicht vor die Füße geworfen haben, ist eine großartige Haltung von den Leuten. Da haben wir auch eine Sorgfaltspflicht. Das Alte muss weg, damit Platz für das Neue ist. Wie lange sollen wir am Amtshaus festhalten?

 Triches: Wir müssen zudem auch behindertengerecht umbauen. Wir müssen auch den gehbehinderten Bürgern die Möglichkeit geben, oben ins Bauamt zu kommen. Aber vielleicht kann man ja auch die Bücherei im Amtshaus unterbringen. Erst einmal schauen, ob sich eine Gastronomie am Standort Rastatt lohnt. Da müssen wir das Gutachten abwarten. Schröder: Im Moment gibt es nur mehr oder weniger Einzelmeinungen, aber es gibt noch keine zusammenfassende Meinung. Im Grunde eiern wir seit eineinhalb Jahren herum. Wir müssen mal einen Knoten durschlagen.

 Wie wollen Sie denn den Knoten durchschlagen?

 Schröder: Wir haben beschlossen, dass wir ein Konzept von Herrn Hille anfordern. Das hat sich insofern lange hingezogen, da er eine in der Tat nicht glückliche Vorstellung abgegeben hat. Das lag aber daran, weil wir alle glaubten, dass er bereits ein Konzept für die Rastatt vorstellen würde, und er sprach nur von Leipzig und Hamburg. Im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass er nur seine Arbeit, seine Qualifikation vorgestellt hat. 

Kommen wir zum Sorgenkind Nr. 1. Es gab ein einstimmiges Votum, die neue Brücke am jetzigen Standort zu errichten. Gemeinsam haben Sie dies auch bei Verkehrsminister Wüst vorgestellt. Und jetzt redet niemand mehr davon. Warum?

 

 Triches: Straßen.NRW sagt jetzt, dass die Planung zu lange dauern würde und zu teuer wäre. Und es würden wieder viele Jahre ins Land ziehen. Außerdem wurde bei der Präsentation der unterschiedlichen Brückenvarianten deutlich, dass am jetzigen Standort viele Häuser abgerissen werden müssten. Ich finde das beängstigend. Die Sparkasse müsste auch weg. Und wenn die weg ist, bin ich mir nicht sicher, ob sie in Nachrodt neu bauen würde.

 Gülicher: Geplant wurde vom Land NRW im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland. Wenn wir sagen, dass wir die Brücke nicht wollen, dann interessiert sie das nur peripher. Wenn wir was anderes wollen, dann werden wir klagen müssen. Das wird mühselig und zeitaufwendig. Ob es bei diesem Hintergrund nicht sinnvoller wäre, die erste Planung zu nehmen?

Egal, wo die Brücke hinkommt, sie wird nicht schön. 

 

Gülicher: So ist es, Ich weiß aber, dass in dieser Woche Matthias Lohmann mit Herrn Röding zu den Brückenbauern fährt. Matthias Lohmann hofft immer noch, die Brücke ertüchtigen zu können. Das wäre eine schicke Sache, aber ich glaube nicht wirklich daran.

Schröder: Die allerwenigsten Brücken laufen diagonal über den Fluss, sondern direkt. Richtig ist natürlich, dass es die Planungen schon seit 20 Jahren gibt. Allerdings gab es immer wieder Stagnation. Erst seit zwei Jahren ist es wieder Thema, da die alte Brücke den Anforderungen nicht mehr entspricht. Und dann sind die Überlegungen entstanden, die alte Brücke zu ertüchtigen oder zu prüfen, ob nicht eine neue Brücke am alten Standort möglich ist. Wenn ich mir an der A46 die Brücke anschaue, die in einem sogenannten Legoverfahren in wenigen Wochen gebaut wird, dann weiß ich nicht, warum so etwas in Nachrodt nicht möglich ist.

 Triches: Aber man muss auch die vielen Leitungen berücksichtigen, die unter der Brücke sind. Und die ganze Brücke muss höher. Gülicher: Im September gibt es eine Veranstaltung von Straßen.NRW für alle Bürger. Es gibt ja immer so unterschwellige Vorwürfe an den Rat, dass er nichts tun würde. Aber wir haben auch nie viele Informationen bekommen, wobei die Herren in Siegen planen und planen.

Wie kommt man denn jetzt weiter?

 Schröder: Die neue Brücke wird für die nächsten 100 Jahre gebaut. Da können wir uns auch ein bisschen Zeit lassen, um das Städtebild ordentlich zu planen.

 Das vergangene Jahr war nicht unbedingt ein Glanzstück der Kommunalpolitik in Nachrodt..

 Gülicher: Wieso, wir haben doch alles abgearbeitet.

 Im vergangenen Jahr ist bei der CDU Lars Wygoda zurückgetreten, bei der SPD musste Susanne Jakoby den Hut nehmen. Stimmt das Sprichwort: Feind, Erzfeind, Parteifreund?

Gülicher: Wenn jemand weniger kleinster Unstimmigkeiten so emotional ist und alles hinwirft, dann kann ich das nicht verstehen. Ich erwartet von einem Fraktionsvorsitzenden mehr. Aber letztlich haben wir eine Lösung gefunden. 

 Herr Schröder, Sie sind neuer Fraktionsvorsitzender der SPD. Haben Sie auch ein bisschen Bammel davor, dass es wieder zwischenmenschliche Probleme geben könnte? Schröder: Ich sehe der Sache gelassen entgegen. So viel Ärger, wie wir uns im letzten Jahr eingehandelt haben, können wir uns in der Tat nicht noch mal leisten.

 Bei der UWG ist immer alles Friede und Freude?

 Triches: Wir diskutieren natürlich auch, man kann ja auch unterschiedliche Meinungen haben. Und wir haben keinen Fraktionszwang.

 Sind Sie eigentlich stinksauer auf den Märkischen Kreis, der im vergangenen Jahr in Sachen Windkraft richtig Druck gemacht hat und mit einer Ersatzvornahme drohte. Deshalb gab es alle vier Wochen eine Ratssitzung. Letztlich ist aber jetzt seit Januar rein gar nichts passiert. 

Triches: Ja. Gar nichts ist passiert. Die schlafen da. Es ist schon sehr merkwürdig.

Schröder: Und wir können demnächst selbstbewusster auftreten. An der Stelle haben wir das nicht getan. Man hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt und dann ist nicht abgedrückt worden. Bei mir stößt das auf komplettes Unverständnis. Man baut eine Drohkulisse auf, die dann implodiert.

 Gülicher: Ich sehe das im Ganzen: Die hohe Politik will was durchsetzen, was der Bürger gar nicht will. Wir wollen unser schönes Sauerland nicht mit Windrädern zerstören, aber wenn die Gesetzeslage so ist, wie sie ist, dann müssen wir damit rechnen, dass wir das auszuführen haben. Lustig ist das nicht. Und Spaß macht es mir auch nicht.

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