Sanierung, Verkauf – oder Abriss

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Noch ist es zu sehen, dieses Bild in der Rastatt. 

Nachrodt-Wiblingwerde – Irgendwann muss man Farbe bekennen: Was wird abgerissen? Was wird verkauft? Und was muss dringend saniert werden?  Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Haushalt haben Vorentscheidungen rund um die Immobilien-Situation der Gemeinde getroffen.

Danach verabschiedet man sich von den Gebäuden Hagener Straße 96 und von der alten Schule Verserde, die verkauft werden sollen, und auch von der Rastatt, die abgerissen werden muss. Jetzt muss der Rat am kommenden Montag (27.Januar, 17 Uhr Grundschule Ehrenmalstraße) die Weichen stellen. Es geht besonders darum, politische Prioritäten aufzustellen. Hierfür gibt es eine dreistufige Klassifizierung, wobei 1 für eine geringe und 3 für eine hohe Priorität steht. Mit anderen Worten: Wie wichtig ist ein Gebäude für die Gemeinde? Priorität 3 haben beispielsweise das Amtshaus, aber auch die Schulen und die Feuerwehr an beiden Standorten, ebenso das Gartenhallenbad und die Lennehalle. 

Aus dem Ergebnis ergibt sich die Gesamtpriorität, nach der ein Sanierungsplan erstellt werden kann und soll. Mit der Vorarbeit in der Arbeitsgruppe Haushalt ist Bürgermeisterin Birgit Tupat sehr zufrieden, wie sie sagt: „Manchmal war man unterschiedlicher Auffassung, aber Streitigkeiten hat es nicht gegeben.“ 

Hagener Straße 96

 Soll verkauft werden: Es ist ein Sanierungsfall, wobei das Gebäude eine relativ gute Bausubstanz hat. Aufgrund der fehlenden Parkplätze und der nicht barrierefreien Erschließung soll nicht an dem Gebäude festgehalten werden. Unterhaltsaufwand: weniger als 15000 Euro im Jahr. Der ursprüngliche Sanierungsaufwand wurde mit 189500 Euro beziffert, allerdings war das zu einer Zeit, bevor der Wasserschaden auftauchte. Jetzt rechnet man mit einer halben Million.

 Hagener Straße 7

 Unverzichtbar: „Das Gebäude selbst hat eine relativ gute Bausubstanz“, heißt es in der Vorlage zur Ratssitzung. Die Nutzung als Bücherei und als Jugendzentrum ist für die Gemeinde wichtig. Die Heizung, die Fassade sowie das Dach müssen von Grund auf saniert werden. Die Räume des Jugendzentrums sollen renoviert und auf LED-Beleuchtung umgestellt werden. Starke Steigerung der Bewirtschaftungskosten von mehr als 25 Prozent im Vergleich 2018 zu 2017. Priorität 2. Sanierungsvolumen: 526300 Euro. 

Grundschule Wiblingwerde 

Soll unbedingt erhalten werden: Für die Grundschule liegt ein Sanierungsplan vor, der Kosten in Höhe von ca. 2,4 Millionen Euro verursachen würde. Tenor der Begehung war, den Schulstandort auf keinen Fall aufzugeben, sondern die notwendigen Investitionen durchzuführen. Diskutiert wurde in der Arbeitsgruppe Haushalt, ob eine „abgespeckte Sanierungsvariante“ nicht vielleicht sinnvoller sei. Eine erste Idee des Architekten hierfür gefällt aber nicht. Jetzt soll es etwas Neues geben.

 Nachrodter Straße 8a

 Schönheit erhalten: Ein Hingucker ist sie nach wie vor, die Heimatstube, auch, wenn im Dachgeschoss keine Trauungen mehr stattfinden können. Die Zwischendecke war statisch unzureichend ausgeführt. Mittlerweile ist die Decke verstärkt und für „normale“ Personen- und Lagerlasten ausgelegt worden. Eine Hochzeitsgesellschaft hält die Decke aber nicht aus, deshalb werden die Trauungen unten in der guten Stube durchgeführt. Mittelfristig muss auch das Dach saniert werden. Kosten: 50000. Priorität: 2. 

Für die Sanierung der Haferkiste nebenan wurde ein Antrag auf Förderung gestellt, dessen Bescheid zunächst abgewartet werden soll. Das gilt auch für den Förderantrag für das Gartenhallenbad, der auf einem Kostenvolumen von 2,2 Millionen Euro basiert.

 Nachrodter Str. 15-19

 Die Suche nach Lösungen: Das Feuerwehrgerätehaus in Wiblingwerde sowie auch die Vereinsräume und die Kinderbetreuung haben ein sanierungsbedürftiges Dach und Abdichtungsprobleme der Außenwände und Bodenplatten. Zudem gibt es Raumprobleme der Feuerwehr, die sich aus dem Brandschutzbedarfsplan ergeben. „Derzeit wird an einer Lösung der Gesamtproblematik gearbeitet“, heißt es in der Vorlage.

 Holensiepen

 Es gibt konkrete Ideen: Der Anbau der Lennehalle muss dringend saniert werden, wobei das Dach erneuert werden und auch etwas gegen den nassen Bodenaufbau gemacht werden muss. Ebenso ist das Feuerwehrgerätehaus sanierungsbedürftig. Auch dort muss das Dach erneuert werden. Darüber hinaus haben beide Gebäude nicht die notwendige Brandschutzabschottung. Einen konkreten Vorschlag gibt es bereits: Der Anbau der Lennehalle soll auf der anderen Seite neu errichtet werden, sodass die jetzige Fläche des Sozialtrakts für die Feuerwehr genutzt werden könnte, da auch im Gerätehaus am Holensiepen Platzprobleme bestehen. Das Sanierungsvolumen wird in der Vorlage insgesamt für die Nachrodter Straße und Holensiepen mit 2,9 Millionen angegeben. Priorität 3. 

Rastatt 

Soll abgerissen werden: Die Rastatt und der Anbau nebenan sollen abgerissen werden. „Die Sanierung würde mehr als eine Million Euro kosten und ist wirtschaftlich nicht darstellbar. Damit wäre auch noch keine energetische Sanierung erfolgt“, so die Erklärung für den Abriss, an dem wohl kein Weg vorbeigeht. Zudem setzen Verwaltung und Politik auf das neue Gastrokonzept „Qbus“, sodass am Standort nach dem Abriss der Rastatt eine neue Ära eingeläutet werden soll.

 Amtshaus 

Bei allen Prioritäten-Rechnungen steht das Amtshaus ganz vorn: Mittlerweile geht man von vier Millionen Euro Sanierungskosten aus. Bei der Begehung wurde eine Sanierung des Gebäudes einem kompletten Neubau vorgezogen. Um die Raumnot und die Mängel nach Arbeitsstättenverordnung zu beseitigen, ist ein Anbau notwendig. „Die Verteilung auf zwei Standorte im vergangenen halben Jahr hat sich nicht bewährt“, heißt es in der Vorlage. Taugen die Container nichts? „Es war einmal angedacht, das Amtshaus in seiner jetzigen Form zu belassen und als Zweitstandort die Hagener Straße 96 zu wählen. Das konnten wir uns auch gut vorstellen, aber nach den jetzigen Erfahrungen nicht mehr“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding. Gerade in einer kleinen Verwaltung habe jeder mit jedem Berührungspunkte, sodass man ständig mit einer Akte unterm Arm unterwegs sei. Übrigens: Unter welchen Bedingungen die Sanierung des Amtshaus plus Anbau gefördert wird, soll aktuell geprüft werden.

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