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So feiern die Nachrodter Weihnachten

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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„Wir schenken uns nichts“, sagen viele Deutsche. Viele Nachrodter sehen das ganz anders.
„Wir schenken uns nichts“, sagen viele Deutsche. Viele Nachrodter sehen das ganz anders. © Jens Schulze

„Ohne Geschenke wäre Weihnachten doch langweilig“, findet Martina Graetz. Päckchen packen, Päckchen schenken und bekommen finden die Nachrodt-Wiblingwerder zum größten Teil super.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Wir schenken uns nichts.“ Das sagen in diesem Jahr immer mehr Deutsche. Denn erstens ist das Leben ja im Moment schon teuer genug und zweitens kann man sich die Wünsche, die man hat, doch auch selbst erfüllen. Und dieser ganze Stress: Hier noch ein Geschenk für Oma. Dort eines für das Enkelkind. Außerdem hat ja jeder sowieso schon alles. Die Argumente gegen Geschenke sind inflationär. Die Nachrodt-Wiblingwerder scheinen sich jedoch davon nicht beeindrucken zu lassen, finden Päckchen packen, Päckchen schenken und bekommen zum größten Teil super. Natürlich nicht alle.

Martina Graetz
Martina Graetz © Fischer-Bolz, Susanne

„Ohne Geschenke wäre Weihnachten doch langweilig“, findet Martina Graetz. Die Leiterin der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Nachrodt-Wiblingwerde hat sich selbst eine Handtasche gewünscht oder Gläser von Leonardo. „Das muss im Rahmen bleiben“, sagt sie. In ihrer Familie bekommen alle ein Geschenk, „und die Kinder dürfen sich kein Geld wünschen“, ist die Maßgabe. Nach dem Essen – es wird übrigens gegrillt – gibt es die Bescherung und „jeder muss etwas auspacken“, freut sich Martina Graetz auf einen fröhlichen Heiligen Abend, denn es gibt ja etwas zu feiern: „Jesus hat Geburtstag.“

Andrea Gruß
Andrea Gruß © Fischer-Bolz, Susanne

„Wir brauchen eigentlich nichts außer einen Weihnachtsbaum“, sagt Andrea Gruß, trotzdem gibt es auch in ihrer Familie für jeden ein kleines Geschenk. „Ich finde es schön, wenn man sich wirklich Gedanken macht, was dem anderen gefallen könnte. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun und das finde ich wichtig. Man kauft nicht einfach das, was es schon im letzten Jahr gab, sondern überlegt sich etwas“, erzählt Andrea Gruß, die bei der Nachrodter Mahlzeit ehrenamtlich Menschen eine Freude macht. Und so ist es auch an Weihnachten.

Christof Schäfer
Christof Schäfer © Fischer-Bolz, Susanne

Glücklich mit der Entscheidung, sich gegenseitig nichts zu schenken, ist Christof Schäfer. Die Neffen und Nichten des Försters sind jetzt erwachsen. „Eigentlich kann sich doch auch jeder selbst etwas kaufen“, findet er – und hat deshalb auch keinen Geschenkestress vor dem Fest. „Ich finde es auch tatsächlich heute sehr kommerziell“, sagt Christof Schäfer. Früher als Kind hätten Geschenke natürlich einen ganz anderen Stellenwert gehabt, da habe man auch Wunschzettel geschrieben. „Aber große Geschenke gab es eigentlich nicht, eher zum Geburtstag“, erinnert sich Christof Schäfer, dass auch einmal ein heiß ersehnter Tornister dann doch nicht unter dem Baum lag.

Birgit Hirt
Birgit Hirt © Susanne Fischer-Bolz

„Geschenke gehören irgendwie zu Weihnachten dazu“, meint Birgit Hirt. Sie freut sich besonders dann über ein Geschenk, wenn sich der Schenker Gedanken gemacht hat. „Das muss nichts Dolles sein“, sagt die Sozialdemokratin, die gern auch Geschenke macht – natürlich ihren fünf Enkelkindern. Und es gibt auch eine Überraschung für den Lebenspartner, „wir sind noch nicht so lange zusammen, da muss man noch ein bisschen üben“, erzählt sie lachend. Die Frage, welches denn ihr Lieblingsgeschenk war, das sie jemals zu Weihnachten bekommen hat, kann Birgit Hirt sofort beantworten: „Das war die Geburt meiner Tochter am 10. Dezember.“

Sebastian Putz
Sebastian Putz © Fischer-Bolz, Susanne

Grundsätzlich ist die Devise in der Familie von Sebastian Putz, sich nichts zu schenken. „Aber Kleinigkeiten gibt es dann doch meistens“, erzählt er schmunzelnd. Der Ordnungsamtsleiter freut sich am meisten, wenn er anderen eine Freude macht: „Ich beschenke lieber, als dass ich Geschenke bekomme. Bei uns kommt das Christkind und wenn ich dann da sitze und das Leuchten in den Augen meiner Tochter sehe, dann ist das großartig.“ Sein schönstes Geschenk hat ihm mal seine Frau gemacht. „Da waren wir noch nicht verheiratet und sie hat mir eine Armbanduhr geschenkt, die ich so toll fand. Das hat mich so geflasht, weil ich sie mir niemals einfach so gekauft hätte“, erinnert sich Sebastian Putz.

Elfriede Sickart
Elfriede Sickart © Fischer-Bolz, Susanne

Eine lange Liste hat Elfriede Sickart gemacht, sonst würde sie den Überblick verlieren. Denn sie freut sich, viele Menschen zu beschenken. „Mein Mann und ich schenken uns nichts, aber ich habe viele liebe Freundinnen, die Kinder aus der Familie bekommen natürlich auch etwas und die guten Geister vom Pflegedienst zum Beispiel.“ Kleinigkeiten, das ist die Devise. „Aber manchmal wird es auch etwas mehr“, lacht Friedel Sickart, die eine Freundin auch an Heiligabend zu Gast hat, für andere sind Päckchen auf die Reise geschickt worden. Die Geschenke werden immer erst in der Adventszeit ausgesucht, „auch wenn ich mir immer vornehme, früher anzufangen“, sagt die Christdemokratin, die auch selbst Geschenke bekommt. „Ganz oft bin ich so überrascht, was ich bekomme“, erzählt sie und freut sich sehr auf das Weihnachtsfest. „Ich möchte auch gern in die Kirche gehen, mache das aber ein bisschen vom Wetter abhängig.“

Tanja Hartwig
Tanja Hartwig © Privat

In der Familie von Tanja Hartwig gibt es Geschenke, aber anders als früher. „Das ist viel reduzierter und nicht mehr so opulent wie vor Corona“, sagt sie, „man ist bescheidener geworden und hat gelernt, Dinge mehr zu schätzen.“ Tanja Hartwig, Geschäftsführerin der SpVgg Nachrodt, hat zwei Tage vor Heiligabend Geburtstag, was als Kind natürlich nicht so toll gewesen sei. Toll war, ist und bleibt aber eine kleine Tradition: Das Glöckchen klingelt drei Mal zur Bescherung. „Ich bin so groß geworden. Meine Mutter hat mir irgendwann, als unser Sohn klein war, das Glöckchen vermacht und ich führe die Tradition fort“, erzählt Tanja Hartwig.

Gudrun Reinecke-Bartelt
Gudrun Reinecke-Bartelt © Johannes Bonnekoh

Bei Gudrun Reinecke-Bartelt gibt es etwas Ungewöhnliches: Da werden nämlich ihre drei Enkelkinder beschenkt und der Opa. Die Erwachsenen „dazwischen“ bekommen nichts. „Geld und Gutscheine zu verschenken, finden wir alle nicht so toll. Und etwas krampfhaft zu suchen, um uns das gegenseitig zu schenken, wollten wir nicht mehr. Aber natürlich feiern wir alle zusammen“, erzählt die Leiterin der Sekundarschule. Statt sich gegenseitig zu beschenken, macht sie lieber mit ihrem Mann einen Städtetrip oder geht „schön zum Essen“.

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