Hof Simon in Haste: Das besondere Bauernhof-Konzept

Kälber anderer Landwirte wachsen auf dem Hof Simon auf.
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Kälber anderer Landwirte wachsen auf dem Hof Simon auf.
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Dieter Simon in der Küche der Gästewohnung für Monteure.
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Dieter Simon in der Küche der Gästewohnung für Monteure.
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Nachrodt-Wiblingwerde – Auf dem Hof Simon finden Tiere und Menschen eine Heimat auf Zeit - Kälber und Monteure. Das steckt dahinter.

Einen Mieter suchen? Ferien auf dem Bauernhof anbieten? Oder doch vielleicht ein Gästehaus für Monteure einrichten, die in der Nähe arbeiten und kurzfristig eine Bleibe suchen? Die Familie Simon in Haste entschied sich für Letzteres. Und ist sehr glücklich mit der Entscheidung. 

Das Miteinander klappt gut. Und die rumänischen Arbeiter, die seit vielen Monaten die zwei großen Zimmer mit zwei Bädern und einer Küche bewohnen, wollen augenscheinlich gar nicht mehr weg. Dabei arbeiten die Monteure, die für ein Tiefbauunternehmen Glasfaser verlegen, nicht nebenan, sondern beispielsweise in Attendorn oder Drolshagen. 

Beim Besuch in Haste wird schnell klar, was das Besondere auf dem Hof Simon ist. Es ist der Familienzusammenhalt, es ist die Atmosphäre auf dem Hof, und es ist die unglaublich schöne Landschaft. „Ich bin noch ein echter Flüchtling“, erzählt Dieter Simon. In Schlesien 1945 geboren, war er ein Jahr alt, als seine Familie flüchten musste und mit dem Viehwagen in Altena eintraf. Mit 17 Personen war die Familie in drei Zimmern in einer Baracke untergebracht. Der Vater bekam Arbeit bei den Walzwerken.

Dieter Simon in der Küche der Gästewohnung für Monteure.

„Mein Bruder und ich sind immer mit meinem Vater nach Wiblingwerde gefahren. Wir wollten gucken, was die Bauern hier machen“, erinnert sich Dieter Simon. Und so war es ein glücklicher Zufall, dass sie in der „schönen Aussicht“ bei einem Gespräch hörten, dass ein Hof verkauft werden sollte. Es war der Hof in Haste. 

„Dann hat mein Vater in der Kneipe mündlich den Bauernhof gepachtet. Das war 1954“, erzählt Dieter Simon. Zwei Pferde, vier Kühe und ein Leiterwagen waren der Grundstock. Wo heute der Stall ist, waren Wohnung und Stall in einem. „Aber mit einer Tür dazwischen“, sagt Dieter Simon und lacht. 

1957 kaufte die Familie den Hof. Im Rahmen des Projekts „Altena-Nord“, das zum Ziel hatte, dass sich die Bauern vergrößern konnten und aus dem Dorf in das Umland gingen, baute Dieter Simon ein Haus neben dem Stall. Die meisten Bauern erweiterten ihren Betrieb auf 30 bis 40 Kühe. „Das war damals enorm.“ Dass immer alle unter einem Dach lebten, war selbstverständlich. 

Als Dieter und Marianne heirateten, teilten sie sich mit den Eltern eine Küche. Sie wohnten dort, wo jetzt die Gästewohnung eingerichtet ist und wo später die Oma viele Jahre gelebt hat. Heute gibt es zwei Häuser. Die Söhne Jens und Dirk leben mit ihren Frauen und Kindern nebenan. 

Als Dieter Simon 1998 schwer krank wurde, musste er kürzer treten. „Dann haben wir die Kühe abgegeben.“ Gleichzeitig suchte Bauer Geßler vom Kleinendrescheid jemanden, der seine Kälber großzieht. „Und das haben wir dann übernommen“, sagt Dieter Simon. So ist es bis heute: Die Tiere bleiben in Haste, bis sie deckfähig sind. Der Hof Simon ist die Kinderstube sozusagen. Nach etwa 18 Monaten gehen die Kühe zurück. 

„Alle, die hier auf dem Hof sind, tragen dazu bei, dass es funktioniert“, sagt der 74-Jährige und freut sich über die große Rückendeckung. „Eigentlich macht es Jens, aber ich bin sein Knecht“, sagt Dieter Simon und lacht. 

Im Winter sind bis zu 70 Kälber auf dem Hof, im Sommer sind es aktuell 17. Mit etwa zehn Monaten dürfen sie auf die Weide. Aufgrund der Trockenheit mussten allerdings jetzt Kälber nach Hause geholt werden, weil kein Wasser mehr im Bach fließt. Und in der Raufe sind schon Ballen Silo, die eigentlich für den Winter gedacht waren. 

Im Gästehaus wohnen derzeit sieben Monteure. Zuerst wollten sie nur zwei Monate bleiben. Doch dann wollten sie bleiben, mittlerweile zwei Jahre, und nehmen lieber weite Fahrtzeiten zur Arbeit in Kauf, als sich eine andere Wohnung zu suchen. „Das sind alles junge Burschen. Meine Frau sieht sie eher als eigene Kinder. Und wenn eine Hose kaputt geht, wird sie repariert“, erzählt Dieter Simon lachend. Eine Torte zum Geburtstag gibt es ebenso wie die Möglichkeit, sich in einer Hütte am Hof gemütlich zusammen zu setzen. „Das klappt alles gut“, sagt Marianne Simon. 

Die Nachfrage nach Monteur-Wohnungen ist übrigens groß. „Wir bekommen laufend Anrufe“, sagt Dieter Simon. „Wir hatten Monteure, die an der Autobahn gebaut haben, am Netto und bei Obi.“ Jetzt sind es Rumänen, die auch in der Gemeinde gemeldet sind. Sie haben ihren Zweitwohnsitz in Nachrodt-Wiblingwerde. 

Es ist nicht so einfach für die Männer, weit weg von der Heimat, als Team von morgens bis abends und auch nachts zusammen, „und manche sprechen auch kein Deutsch“, sagt Marianne Simon. Verständigungsprobleme oder Stress gebe es trotzdem nicht.

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