Nachrodter ist vor Gericht reuig und geständig

Raketenangriff in der Silvesternacht

Die Leuchtkaskaden von Silvesterraketen sind schön anzusehen, doch das Feuerwerk brigt auch Gefahren.

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Silvesterraketen dürfen nicht als Waffen missbraucht werden. Diese eigentlich selbstverständliche Einsicht bezahlte ein 22-jähriger Nachrodter im Amtsgericht Altena mit einer sechsmonatigen Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Angeklagt war der Familienvater, weil er in der Nacht zum 1. Januar 2013 von seinem Balkon am Märkischen Platz Silvesterraketen nicht in die Luft, sondern waagerecht abgeschossen haben sollte. Ein 50-Jähriger war von einer der Raketen getroffen worden. „Wir haben gemerkt, wie Raketen gezielt abgefeuert wurden. Der Treffer fühlte sich an wie ein Schlag in die Nierengegend“, schilderte er die Geschehnisse der Silvesternacht vor Gericht. Anschließend sei die Rakete neben ihm explodiert. Wer die Rakete abgefeuert hatte, konnte der Zeuge jedoch nicht sagen. Tatsächlich war es wohl nicht der Angeklagte gewesen: „Derjenige, der die Raketen abgeschossen hat, sitzt (als Zeuge) draußen“, sagte der 18-jährige Sohn des Getroffenen. Er hatte aber beobachtet, dass der 22-Jährige dem Schützen die Raketen gereicht hatte.

„Mit den Raketen – das ist gar nicht so verkehrt, aber wir haben nicht gezielt auf Personen geschossen“, hatte der Angeklagte zunächst behauptet. „Ich weiß auch nicht, ob da jemand getroffen worden ist.“ Nach den Zeugenaussagen gab er den Tatvorwurf aber zu, so dass nicht noch mehr von den neun noch vor dem Gerichtssaal wartenden Zeugen vernommen werden mussten. „Es soll nicht wieder vorkommen“, versprach er.

„Sie haben zumindestens dabei mitgewirkt, wie Menschen mit Silvesterraketen beschossen wurden“, fasste der Staatsanwalt das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen und forderte die Mindeststrafe: Sechs Monate wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Dass der 50-Jährige nur eine leichte Verletzung erlitten habe, sei nicht das Verdienst des Angeklagten. Die Gefährdung – bis hin zu möglichen Brandverletzungen – sei „gewaltig“. Richter Dirk Reckschmidt folgte diesem Strafantrag und würdigte, dass der Angeklagte „im Wesentlichen einsichtig, reuig und geständig“ war. 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verordnete er dem 22-Jährigen als Bewährungsauflage und ermahnte ihn: „Es hätte alles Mögliche passieren können.“ - thk

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