Hammerschlag liegt voll im Trend

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Nachrodt-Wiblingwerde - Vor ein paar Jahren noch waren es die eingesägten Muster, die die Silberringe aus den Schmiedekursen von Uschi Becke zu einem Schmuckstück mit Hingucker-Garantie machten. „Das ist zur Zeit aber ziemlich out“, weiß die Kursleiterin im Dienst der VHS Lennetal, die schon seit vielen Jahren in Nachrodt-Wiblingwerde tätig ist. „Jetzt trägt Frau gerne Hammerschlag.“

Diese Silberringe sind zumeist ein bisschen breiter, damit das eingeschlagene Muster auch gut erkennbar ist. Insbesondere Frauen mit kürzeren Fingern brauchen am Silber nicht zu sparen. „Frauen mit länglicheren Fingern stehen etwas schmalere Ringe meistens besser“, weiß Uschi Becke.

Der Weg zum Schmuckunikat dauert neun Kursstunden und beginnt mit einer Sägeübung im Werkraum der Sekundarschule Nachrodt. Je ebener die Metallsäge durch das Material gleitet, desto weniger muss später abgefeilt werden von dem Silberstreifen, der die Ringbreite bestimmen soll. Mit der Zange wird er grob in Ringform gebracht. Uschi Becke muss lachen, als eine Teilnehmerin anmerkt, mehr Osterei als Rundform gebogen zu haben. „Das passt ja bald in die Zeit.“

Zu diesem Zeitpunkt muss der Ring noch gar nicht perfekt sein. Zum Verschließen der kleinen Lücke, die durchs Biegen entstanden ist, bittet die Dozentin an den Lötkolben. Das Feuer verfärbt das Silber nahezu komplett schwarz. „Das geht in der Beize aber wieder ab!“ erklärt Uschi Becke.

Wer ein Ornament wie zum Beispiel eine Perle an seinem Ring haben möchte, der lötet noch eine kleine Einfassung oben drauf. Für das Einsetzen eines kleinen Steins muss der Ring angebohrt werden. Auch mit einem Stückchen Gold lässt sich der Schmuck zusätzlich veredeln.

Die kleinen Extras kommen aber erst zum Schluss oben drauf, denn der Hammer muss auf jeden Fall zum Einsatz kommen, um den Ringen besagte Ostereierform wieder zu nehmen: Übers Eisen gelegt wird der Ring von innen und außen wunderbar rund. Weil aber zur Zeit viele Frauen das Hammerschlagmuster bevorzugen, werden an diesem Samstag noch viele kleine Dellen in die glatte Oberfläche hinein gehauen.

Sehr stolz und glücklich verlassen die Teilnehmer am Ende des Tages den Werkraum. Auch ein Pärchen hat mitgemacht und hat sich Freundschaftsringe angefertigt. Ob schon mal einer dieser Ringe für einen Heiratsantrag oder eine Hochzeit genutzt wurde, kann Uschi Becke gar nicht sagen: „In den 25 Jahren hat mir das zumindest noch keiner verraten“, erklärt sie lachend.

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