Abbau von Bürokratie

+
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des siebten Unternehmergespräches in Nachrodt-Wiblingwerde.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Bis die neue Lennebrücke in Nachrodt fertig ist, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Das Bauprojekt an der Bundesstraße 236, der zentralen Verkehrsader des Lennetals, war ein Thema beim Unternehmergespräch in Nachrodt-Wiblingwerde. Dazu hatte einmal mehr die südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) Vertreter aus Rat und Verwaltung sowie Unternehmer aus der Doppelgemeinde eingeladen.

Unter Moderation von SIHK-Vollversammlungsmitglied Dr. Bodo Reinke trafen sich die Teilnehmer diesmal in den Räumen des Unternehmens praedata. Deren geschäftsführender Gesellschafter Uwe Hell sagte über sein Unternehmen in der Begrüßung: „Wir entwickeln uns zum Dokumenten-Logistiker.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob Unterlagen in Papierform oder digital verwaltet würden.

Im 42. Jahr des Bestehens, freue er sich, mit Sohn Maximilian und Tochter Birthe die nächste Generation bereits in der Geschäftsführung an Bord zu haben. praedata werde sich am aktuellen Standort weiter vergrößern und entwickeln. Entsprechende Flächen wurden bereits erworben. Die Umsetzung werde „aber noch etwas Zeit brauchen“, berichtete Hell weiter. Denn gerade auch bei Umbauten im Bestand nehme der vorbeugende Brandschutz innerhalb der nicht ganz unkomplizierten Antrags- und Genehmigungsverfahren breiten Raum ein und binde Kapazitäten.

 Damit hatte Hell auch eines der Themen angeschnitten, das SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat ebenfalls auf seiner Agenda hatte. Der Abbau von Bürokratie im Sinne der Wirtschaft auf allen Ebenen sei eine Kammeraktivität, die die SIHK zum Teil allein und auch gemeinsam mit anderen Partnern intensiv verfolge. Ziel dabei sei, mittels konkreter Initiativen, Aktionen und Projekte die Interessen der Mitgliedsunternehmen gegenüber Staat und Verwaltung im Sinne des Abbaus von Bürokratie, Vereinfachung und Vermeidung von weiteren Behinderungen etc. wahrzunehmen. Ergebnisse seien für die Unternehmen in kleinen Schritten spürbar. So zum Beispiel die Anhebung der Grenze für die Sofortabschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern von 410 auf 800 Euro im Steuerrecht. Oder als ein Aspekt aus den Entfesselungspaketen des Landes die Vereinfachungen durch die elektronischen Varianten von Antragsunterlagen und Gewerbemeldung. Daneben stehe der dringende Bedarf an Gewerbeflächen im Kammerbezirk nach wie vor auf dem Arbeitsplan der Kammer.

Inzwischen sind Gewerbe- und Industrieflächen ein echter Engpassfaktor in Südwestfalen. Zudem macht sich die SIHK im Rahmen regionaler Bündnisse für Infrastruktur stark für eine bessere Koordination und Kommunikation von Verantwortlichen und Planern von Straßenbauprojekten. Ziel sei es dabei, die im Sinne einer Infrastrukturverbesserung unvermeidbaren Behinderungen für die Wirtschaft zu minimieren.

Den Kampf gegen den Fachkräftemangel sowie die Stärkung des Einzelhandels durch Aktionen wie „Heimat shoppen“ und die Beibehaltung der verkaufsoffenen Sonntage nannte Geruschkat als weitere Arbeitsthemen der SIHK. Als Gastreferent stellte anschließend Klaus Gillmann als zuständiger Projektleiter des Landesbetriebes Straßenbau.NRW den Stand der Planungen zum Neubau der Lennebrücke in Nachrodt vor.

Demnach werde der Landesbetrieb voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres mit der Variante des Neubaus in unmittelbarer Nähe zum bisherigen Standort in das Planfeststellungsverfahren eintreten. Durch die derzeit einspurige Verkehrsführung in der Mitte der alten Brücke habe diese nun noch genügend Stabilität und Tragfähigkeit. Allerdings ließen sich die mit der wechselseitigen Nutzung verbundenen Verkehrsbehinderungen nicht vermeiden. Die Wortbeiträge in der Gesprächsrunde spiegelten im Ergebnis sehr deutlich die große verkehrliche Bedeutung der Lennequerung in Nachrodt sowohl für Bürger und Kommunen entlang der B 236 als auch die dort ansässigen Unternehmen und deren Mitarbeiter sowie Institutionen wider.

 Eine der wichtigsten Lebensadern des Lennetals müsse so schnell als möglich leistungsfähig gemacht werden! Bürgermeisterin Birgit Tupat und Kämmerin Gabriele Balzukat berichteten ihrerseits über Einschränkungen und Probleme, die Nachrodt-Wiblingwerde als sogenannte Stärkungspakt-Kommune habe. So habe eine Begutachtung in diesem Jahr gezeigt, dass es großen Modernisierungs- und Sanierungsbedarf bei den gemeindeeigenen Gebäuden gäbe, erklärte die Bürgermeisterin. Angesichts der knappen finanziellen Mittel werde nun eine Immobilienstrategie entwickelt.

Positiv sei festzustellen, dass im Rahmen des integrierten Gemeindeentwicklungskonzeptes viele Ideen aus der Bevölkerung gekommen seien. Die in diesem Jahr für Nachrodt-Wiblingwerde erfreuliche Entwicklung bei den Gewerbesteuern sei kein Garant dafür, dass das Geld auch im nächsten Jahr wieder so fließe, betonte Kämmerin Gabriele Balzukat. Deshalb sei der Haushalt für 2019 entsprechend vorsichtig kalkuliert worden. Deutliche Kritik übte die Kämmerin am Haushalt des Märkischen Kreises, der die Kommunen über die Kreisumlage zusätzlich belastet. Dort würden zum Beispiel Kosten für Personal ausgewiesen und berechnet, das noch gar nicht eingestellt sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare