Wanderer mit genießendem und wachendem Auge

Siegfried Kruse hält auf seinen Wanderungen gerne Ausschau nach schönen Orten, nicht so gerne sieht er wilde Müllkippen. Trotzdem muss er sich als Landschaftswächter mit derartigem Umweltfrevel befassen. Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Nicht nur mit dem genießenden Auge wandert Siegfried Kruse gern durch seine Heimat. Entdeckt der umtriebige Wiblingwerder bei seinen Unternehmungen Umweltfrevel, dann kontaktiert er den Revierförster oder das Ordnungsamt. Das tut er nicht aus Spaß am Denunzieren, sondern in seiner Aufgabe als Landschaftswächter des Märkischen Kreises.

Meistens ist es Müll. Bauschutt, Autoreifen und ganze Deponien von blauen Säcken hat Siegfried Kruse schon entdeckt. Erst jüngst fiel Passanten am Abzweig Großendrescheid eine große Ladung wild entladenen Abfalls auf. „An dieser Stelle übernimmt aber schon mein Schalksmühler Kollege, der die Entsorgung dann bei den örtlichen Behörden anmeldet“, erklärt Siegfried Kruse.

Idealerweise erwischt ein Landschaftswächter einen Umweltverschmutzer bei frischer Tat. „Aber das kommt eigentlich nicht vor. Und mit etwas Pech holt man sich noch eine blutige Nase...“

Uneinsichtig sind sie nämlich alle, die mit voller Absicht Dinge in der Natur abladen, die dort eigentlich nicht hingehören. Zum Beispiel der Grundstückseigentümer, der weit abseits der beliebten Wanderwege eine private Mülldeponie anlegt und denkt: „Das stört doch keinen!“

Siegfried Kruse meldet es trotzdem. Auf kleinem Dienstweg telefonisch bei Revierförster Christof Schäfer, der dann Kontakt zum Eigner aufnimmt und ihm erklärt, dass Flora und Fauna durch solche Aktionen in Gefahr sind. Einer glaubte mal, Siegfried Kruse habe ihn böswillig verpfiffen und motzte ihn am Telefon an. „Das war aber auch die einzige negative Erfahrung, die ich im Umgang mit Menschen während meiner Tätigkeit gemacht habe“, so Kruse.

Manchmal musste er auch schmunzeln. „Es gibt Gewohnheitsrechte, die kriegt man nicht aus den Köpfen der Leute raus. Wenn der Gartenabfall seit Jahrzehnten in einer wilden Hecke landet, weil das immer schon so war, dann kann man es niemandem übel nehmen.“ Siegfried Kruse weist in solchen Fällen dennoch freundlich darauf hin, dass sich die Umweltschutzgesetze und Verordnungen irgendwann einmal geändert haben. Das löst oft Verwunderung aus, aber keinen Groll gegen den pensionierten Pädagogen, der oft mit seinem liebenswerten Hund Danny unterwegs ist und oft dabei für den Heimat- und Verkehrsverein die Wanderwege zeichnet.

Weil er eben viel in der Gegend unterwegs ist, hatte ihn ein Nachbar vorgeschlagen, als 2006 ein neuer Landschaftswächter für den Bereich Nachrodt-Wiblingwerde gesucht wurde. Für jede Kommune im Märkischen Kreis sind Menschen tätig, die ehrenamtlich danach Ausschau halten, dass der Natur kein Schaden entsteht.

Ihr Gebiet ist klar abgegrenzt und ihre Aufgaben auch. Siegfried Kruse hat einen Dienstausweis, eine Marke und ein Schild fürs Auto, damit die Bürger ihn erkennen und wissen, dass dort kein Hobbyschnüffler unterwegs ist. Er ist bekannt und wird oft angerufen, wenn Bürgern Umweltverschmutzung auffällt oder gar ein Schwarzbau – auch dafür ist der Landschaftswächter nämlich zuständig.

Es war kein Bau, sondern eher ein Nest, das ihm einmal auf dem Weg nach Herlsen in der verführerischen Kyrill-Brache aufgefallen war: Unbekannte hatten eine nahezu gemütliche Lagerstätte mit Bierkästen gebaut. Erinnert sich der Landschaftswächter an solche Begebenheiten, muss er sogar lachen. Gar nicht nach Lachen zumute war ihm allerdings nach seiner jüngsten Entdeckung: An einem schwerst zugänglichen Steilufer zur Lenne liegen zur Zeit noch jede Menge Müllsäcke, von denen auch der erfahrene Wanderer Kruse sich kaum erklären kann, wie sie dort hin kamen. Auch Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer steht vor einem Rätsel, wenn er an die Entsorgung denkt.

Liegen bleiben sollte nach Möglichkeit aber gar nichts: „So schnell, wie ein Haufen wächst, können sie gar nicht gucken“, erklärt der Landschaftswächter lachend. - Ina Hornemann

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