Sexueller Missbrauch an Tochter: Nachrodter will in Berufung gehen - obwohl er höheres Strafmaß riskiert 

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Der Nachrodter wurde wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter verurteilt.

Nachrodt-Wiblingwerde – Drei Jahre und zehn Monate Haft: So lautete das Urteil für einen Nachrodter (46) wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner eigenen Tochter. Nun kommt der Fall wieder vor Gericht. 

Knapp unter der Höchststrafe blieb ein heute 46-jähriger Angeklagter aus Nachrodt-Wiblingwerde, der Anfang dieses Jahres wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner leiblichen Tochter zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt wurde. 

Denn bei vier Jahren endet im Amtsgericht die Strafgewalt eines Schöffengerichts. Da der Familienvater die Vorwürfe vehement bestritt, musste seine Tochter vor Gericht vernommen werden. 

Zum Zeitpunkt der dem Angeklagten vorgeworfenen Taten in den Jahren 2016 und 2017 war sie neun bis zehn Jahre alt. Sowohl die Gutachterin als auch das Gericht gingen davon aus, dass das Mädchen glaubwürdig von wirklichen Geschehnissen berichtet hatte. „Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Zeugin die Geschichte ausgedacht hat“, lautete das Fazit der Psychologin. 

Zweites mögliches Opfer widerruft Aussage

In einem zweiten Anklagepunkt wurde der Nachrodter freigesprochen: Angeblich hatte er eine 20-jährige ehemalige Nachbarin bei einer Begegnung in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer sexuell missbraucht. In einer ersten Vernehmung im Amtsgericht hatte die Zeugin, die sichtlich unter großer Scham litt, die Übergriffe bestätigt. 

Diese Aussage hatte sie aber kurz darauf widerrufen. Vieles sprach dafür, dass der Angeklagte, der sich damals nicht in Untersuchungshaft befunden hatte, Kontakt zu ihr aufgenommen und sie umgestimmt hatte. Das Schöffengericht reagierte auf diese Vorkommnisse und ließ den Angeklagten im Gerichtssaal verhaften. 

Panne in der JVA

Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft, denn durch seinen Einspruch gegen die Entscheidung des Amtsgerichts wurde das Urteil zunächst nicht rechtskräftig. Auch die Staatsanwältin ging in Berufung. 

Eine Panne in der Justizvollzugsanstalt Attendorn, wo der Angeklagte einsitzt, bremste jetzt den Auftakt zum Berufungsverfahren im Landgericht zunächst aus: Der 46-Jährige kam nicht nach Hagen, wo er sich vor der 1. großen Jugendkammer verantworten muss. Als Berufungsinstanz reicht deren Strafgewalt ebenfalls nur bis zu vier Jahren. 

Sollte tatsächlich verhandelt werden, könnte aus der Berufungskammer eine Jugendstrafkammer mit voller Strafgewalt werden. Dann stünde ein Strafrahmen für die dem Angeklagten vorgeworfenen Taten von bis zu 15 Jahren zur Verfügung. 

Deutlich höhere Strafe möglich

Sollte der 46-Jährige an seiner Berufung festhalten, droht ihm deshalb eine möglicherweise erheblich höhere Strafe. Seine beiden Anwälte machten deutlich, dass ihr Mandant derzeit nicht bereit sei, seine Berufung zurückzuziehen. Sie nahmen den dringenden Rat mit, dem 46-Jährigen vor Augen zu führen, welches Prozessrisiko er eingeht. 

Denn auch Staatsanwältin Ina Pavel signalisierte Bereitschaft, die Berufung zurückzuziehen. Sie hatte die quälenden Vernehmungen im Amtsgericht miterlebt und ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten im Gepäck. 

Sie sei aber „ausschließlich aus Opferschutzgründen“ dazu bereit, das Verfahren nicht weiter zu verfolgen, wenn auch der Angeklagte bereit sei, seine Berufung zurückzuziehen, sagte sie. Damit würden die vom Amtsgericht verhängten drei Jahre und zehn Monate endgültig rechtskräftig. 

Sollte sich der Nachrodter weiterhin dagegen sperren, stünde voraussichtlich eine lange und quälende Folge von Verhandlungen für das Opfer im Landgericht an: Die Jugendkammer hat vorerst weitere zehn Termine zur Aufklärung der schweren Vorwürfe eingeplant. Der 46-jährige Angeklagte soll am Freitag, 13. Dezember, im Landgericht gehört werden.

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