Eins-zu-Eins-Betreuung

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Das Wiegen ist eine der wichtigsten Kontrollen im Rahmen der Wochenbettbetreuung.

Nachrodt-Wiblingwerde  - Mit 13 Jahren stand der Entschluss fest: „Ich werde Hebamme.“ Eine Entscheidung, die die Wiblingwerderin Sandra Eltzner bis heute nicht bereut hat. Im Gegenteil. Es ist nach wie vor ihr Traumberuf. Und auch Tochter Johanna hat diese Leidenschaft. Im Rahmen der AK-Sommerserie Baby-Alarm erzählen sie von ihrer Arbeit.

 Weit mehr als 1000 Geburten hat Sandra Eltzner inzwischen begleitet. 20 Jahre lang arbeitete sie in einer Klinik in Dortmund. Seit vier Jahren ist sie in der Hebammenpraxis Altena. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Stella Bachmann und Kim Quittmann holt sie die Babys auf die Welt. Der Schritt nach Altena zu gehen, hat ihre Arbeit grundlegend verändert. Bis dahin war sie rein für die Geburt zuständig.

 Nun ist auch die Hilfe bei Schwangerschafts-Beschwerden und die Wochenbettbetreuung dabei. „Es ist eine tolle Arbeit. Wir versorgen die Frauen quasi ab dem ersten Moment der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Wochenbett. Dadurch entsteht schon ein enges Verhältnis“, sagt Eltzner.

 In der Vorsorge setzt die erfahrene Hebamme vor allem auf Aufklärung. Schritt für Schritt werden die Frauen durch die Schwangerschaft begleitet. Neben den Untersuchungen stehen vor allem Gespräche auf dem Programm – keine Frage bleibt unbeantwortet.

 „Mir ist es wichtig, dass die Frauen wissen, was passiert. Dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden. Auch unter der Geburt.“ Das Besondere am Konzept sei die Eins-zu-Eins-Betreuung. Das helfe insbesondere bei der Geburt an sich. In Dortmund habe sie zu Spitzenzeiten bis zu acht Babys in der Nacht geholt. Das ist nun nicht mehr so.

 Als Begleit-Beleghebamme fährt sie mit den Frauen nach Iserlohn ins Krankenhaus und bleibt bei ihnen bis das Kind da ist – auch wenn es viele Stunden dauert. „In der Regel ist es eine schöne Atmosphäre. Es wird sogar viel gelacht“, erzählt sie. Eltzner ist es wichtig, dass keine Frau den Kreißsaal mit einem Trauma verlässt. Nach der Geburt geht es mit der Wochenbettbetreuung weiter. Hier wird nicht nur das Kind gewogen und beobachtet sowie die Mutter untersucht, sondern vor allem auch Hilfe in allen Alltagsfragen geboten. „Den größten Schwerpunkt bildet ganz klar die Hilfe beim Stillen und die Ernährung der Mutter.“

Auch heute noch ist jede Geburt für Eltzner etwas Besonderes. Und es fließen auch heute noch hin und wieder Freudentränen. „Eine Geburt ist einfach etwas sehr Emotionales. Ich habe mir geschworen, dass ich sofort aufhöre, wenn das irgendwann nicht mehr so sein sollte.“ Aber natürlich gibt es auch die unschönen Fälle. Nicht jedes Kind kommt gesund und lebend auf die Welt.

„Gerade diese Familien brauchen uns. Sie werden später nicht belohnt für ihre Mühen und Strapazen. Diese Fälle sind sehr selten, aber sie gehören dazu“, erklärt die Hebamme. Stundenlange Dienste, schlaflose Nächte, Rufbereitschaft, Emotionen ohne Ende: „Ohne Leidenschaft kann man diesen Beruf definitiv nicht machen.“ Da ist sich Eltzner sicher.

Das weiß auch Tochter Johanna. Eigentlich wollte sie mal Erzieherin werden. Doch nachdem sie einmal ihrer Mutter im Kreißsaal über die Schulter schaute, war es auch für sie klar. Geburtshilfe ist ihr Ding. Im Sommer ist sie mit ihrer Ausbildung fertig. „Ich glaube, dass viele ein falsches Bild von dem Beruf haben. Sie wissen beispielsweise nicht, dass Hebammen dem Arzt gegenüber gleichgestellt sind“, erklärt Johanna Eltzner. Die große Herausforderung sei definitiv, dass jeder Tag anders sei. Keine Geburt ist gleich. Einen Tag zu planen, sei nur schwer möglich. „Aber wenn man dann die Väter bitterlich vor Freude weinen sieht, wenn die Babys auf der Welt sind, ist das so ein inniger Moment, der das alles entlohnt.“

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