Sprichwörter locken Senioren aus den Häusern

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Beim Seniorennachmittag am Mittwoch in Wiblingwerde gab es mehr als Kaffee, Kuchen und Schnittchen. Viel Spaß hatten die Teilnehmer auch bei der Suche nach der Bedeutung von Sprichwörtern.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Einen fröhlichen Nachmittag verbrachten rund 70 Senioren am Mittwoch im Evangelischen Gemeindehaus Wiblingwerde. Das Organisationsteam der Kirchengemeinde hatte alle jenseits der 70 eingeladen, um sie nach dem langen kalten Winter aus den Häusern zu holen.

Und weil so ein Nachmittag nicht nur Schnittchen, Kaffee und Kuchen braucht, gab es in Gestalt von Regina Heiden einen sehr unterhaltsamen Programmpunkt: Die Altenaer Burgführerin präsentierte „ein Thema, bei dem jeder mitreden kann“, wie sie meinte: Sprichwörter – so wie man ihnen auch in der Burg Altena auf Schritt und Tritt begegnet. Und die Senioren ließen sich nicht lange bitten, präsentierten ihrerseits immer neue Anfragen nach dem Sinn von Sprichwörtern und beantworteten vieles. Das lag auch an ihrem Alter: „Wir tragen alle unsere Sozial- und Kulturgeschichte mit uns herum“, erklärte Regina Heiden mit Blick auf eine Generation, die noch wusste, „was ein Dreschflegel ist“. Mit dem Schwinden der Realien nimmt auch die Vertrautheit mit dem tieferen Sinn von Sprichwörtern ab. Aber die Lücke lässt sich schließen: Mit Hilfe jener, denen die Geschichte noch präsent ist, oder durch Hilfsmittel wie dem Duden zur Herkunft und Bedeutung von Redensarten oder durch Gerhard Wagners Buch „Schwein gehabt! – Redewendungen des Mittelalters“, das wohlfeil in der Burg Altena zu erwerben ist und den dortigen Saal zum Thema „Sprichwörter“ ergänzt.

Und so wurde am Mittwoch geklärt, warum man etwas auf die hohe Kante legt, warum man auf großem Fuß lebt, und dass „türmen“ früher nicht hieß, sich aus dem Staube zu machen, sondern sich in dem am besten geschützten Bereich einer Burg in Sicherheit zu bringen. Heiterkeit löste die Klärung aus, dass die „Schabracke“ früher schlicht und einfach eine Pferdedecke war. „Blaues Blut“ war zu sehen, weil die helle Haut von Adligen die Adern sehen ließ – „Man wollte nicht aussehen wie eine sonnengebräunte Bäuerin“, wusste Regina Heiden. Lehrreich war auch die Erklärung des Begriffes „blau machen“: Um blau zu färben, brauchten die Färber große Mengen an Urin. Bei ihrer Produktion half jenes Bier, das den Färbern nebenbei einen freien Tag bescherte. Schön zu hören war auch, dass Störche nicht gebraten wurden, weil sie ja zum Kindertransport gebraucht wurden.

Gut eine Stunde dauerte das heitere Sprichwörter-Raten, und es kam bestens an: „Das ist so interessant – wir könnten noch eine Stunde weitermachen“, hieß es aus dem Publikum. Burgführerin Regina Heiden gab das Lob zurück: „Sie sind eine fröhliche Runde. Besuchen Sie mich mal auf der Burg!“ Vor allem mit Blick auf den kommenden Komfort durch den Burgaufzug kam die Antwort prompt: „Nächstes Jahr chartern wir einen Bus und fahren alle zur Burg!“ ▪ Thomas Krumm

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