Sekundarschule: Tablets für alle Fünftklässler?

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Tablets für alle Fünftklässler wünscht sich die Sekundarschule

Tablets für alle Fünftklässler: das wünscht sich die Sekundarschule. Bezahlen müssten das die Kommunen Altena und Nachrodt. Und dort gibt es Skepsis.

Nachrodt/Altena - Das Geld ist nicht im Haushalt. Aber vielleicht können die Nachrodt-Wiblingwerder Kommunalpolitiker Berge versetzen? Die CDU hat schon sehr deutlich gemacht, wie wichtig ihr die Digitalisierung an den Schulen und die Ausstattung der Schüler mit Endgeräten ist.

Ob sie die Sekundarschule deshalb nach allen Kräften unterstützen wird? Diese möchte nämlich unabhängig von den 80 Tablets, die über die Corona-Soforthilfen gekommen sind und besonders den Abschluss-Schülern bald zur Verfügung stehen werden, ab dem 1. August jeden Fünftklässler mit einem Tablet ausrüsten. Eine erste Debatte dazu wird es am Dienstag, 2. Februar, ab 17 Uhr während der Sitzung des Schulausschusses in der Lennehalle geben.

12.600 Stunden Video-Unterricht, 71.000 Chatnachrichten

Zu den Tablet-Klassen sagt Sekundarschulleiterin Anne Rohde: „Damit wird die in dieser Zeit notwendige Unterrichtsentwicklung vorangetrieben.“ Das AK traf sich mit ihr, Nils Schneider, dem Leiter des Digi-Teams an der Sekundarschule, und dem Schulverwaltungsassistenten Dennis Becker zum Video-Interview.

12 600 Stunden Videounterricht, 450 aktive Nutzer bei 390 Schülern und knapp 60 Lehrkräften, 71 000 Chatnachrichten innerhalb der letzten 30 Tage: Der Distanzunterricht wird an der Sekundarschule augenscheinlich mit Bravour gemeistert.  Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

Tablets: Finanzierbar und stabil müssen sie sein

Die Pandemie hat die Digitalisierung natürlich enorm beschleunigt, aber an der Sekundarschule gab es bereits 2018 die ersten Überlegungen zur Einführung einer Tabletklasse. Heute, zwei Jahre weiter, ist die Hoffnung groß, mit allen Fünftklässlern in das neue Zeitalter starten zu können. Dabei hat sich die Sekundarschule für eine Tabletlösung mit dem Endgerät MS Surface Go2 in der Version mit 8GB Ram und 128GB Speicher entschieden. Es wurde auf Herz und Nieren geprüft.

„Wir benötigen ein finanzierbares, stabiles, beschreibbares Gerät mit Stift und nachrüstbarer Tastatur, für alle Schülerinnen und Schüler gleich“, sagt Anne Rohde und fügt hinzu: „Die Kinder sitzen natürlich nicht von Anfang an nur noch vor der Kiste.“

Personalisiertes Tablet für jeden Schüler

Zu Beginn wäre das Gerät ein Heftersatz. Arbeitsblätter könnten von den Lehrern digital verteilt und von den Schülern bearbeitet werden. Erstes Ziel: Die Kinder lernen, ihre Materialien digital zu bearbeiten, sicher zu speichern und von verschiedenen Orten aus aus abzurufen.

In der Anfangsphase ist auch der Erwerb des Medienpasses NRW vorgesehen. Schüler sollten von Anfang an darin gestärkt werden, sich sicher, selbstbewusst und kompetent im digitalen Raum bewegen zu können. Begleitet würden die Fünftklässler daher von der Schulsozialarbeit und Präventionsprojekten. Der Wunsch ist, dass jedes Kind ein personalisiertes Tablet bekommt, das das ganze Schulleben beinhalten soll.

Pflichtfach Informatik ab Klasse 5

Die Vorteile aus Sicht der Schule: Die Kinder gehen pfleglicher mit ihren eigenen Geräten um, man müsste ansonsten Tresore anschaffen, und Lernwege könnten nur dann langfristig erprobt und angenommen werden, wenn das Gerät in verschiedenen Fächern und somit unterschiedlichen Lernumgebungen zum Einsatz komme.

Ein wichtiges Argument für die Anschaffung der Tablets: In den Klassen 5 wird das Pflichtfach Informatik eingeführt. Dadurch sollen Schüler noch besser auf die Lebens-und Arbeitswelt vorbereitet werden, die immer mehr von der Digitalisierung geprägt ist. Und: Nur wenn jedes Kind ein Tablet bekomme, könne es zu einer Bildungsgerechtigkeit kommen.

Schulleiterin: Tablets sparen langfristig Geld

So weit, so wichtig. Und das große Aber folgt: Denn bei der Einführung von Tablet-Klassen würden im Schnitt pro Gerät zwischen 450 und 600 Euro Anschaffungskosten anfallen. Zu der Sorge, dass die Tablets nach kurzer Zeit überaltert und die Folgekosten erheblich sind, sagt Dennis Becker.

„Wir haben uns bewusst für Microsoft entschieden und nicht für Marken, die es morgen nicht mehr gibt. Unsere Plattform soll das ganze Schulleben darauf laufen.“ Apropos Geld: Langfristig würde man eher sparen, glaubt Anne Rohde: „Die alten Computerräume müssten nicht mehr auf- und nachgerüstet werden, wir sparen Fotokopien, die Kinder sparen Gewicht im Schulrucksack.“

Eines steht fest: Die Sekundarschule wird harte Bretter nicht nur bei den Politikern in Nachrodt, sondern auch in Altena bohren müssen. Die Burgstadt ist Schulträger der Sekundarschule, allerdings geht man aufgrund der zwei Schulstandorte immer gemeinsame Wege.

Kosten: Kommune skeptisch

In der Vorlage zur Schulausschusssitzung macht die Verwaltung ihre Skepsis deutlich, zumal das neue Konzept sehr kurzfristig kommt. „Erstmalig wurde die Verwaltung mit dem Digitalisierungskonzept der Sekundarschule am 24. Januar 2021 konfrontiert. Ob ein solches Vorgehen als Stärkungspaktkommune umgesetzt werden kann, muss mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt werden.

Die in diesem Konzept dargestellte Finanzierung entspricht nicht den Förderrichtlinien und wird so nicht umgesetzt werden können. Von den bewilligten Mitteln dürfen nur 20 Prozent der Gesamtsumme für mobile Endgeräte verwandt werden. Dies entspricht für die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde eine Summe von 34 000 Euro.

Ob die Übereignung von geförderten Geräten zulässig ist, muss ebenfalls mit dem Fördermittelgeber geklärt werden“, heißt es in der Vorlage. Grundsätzlich müsse man in einer gemeinsamen Schulausschusssitzung mit Altena darüber beraten.

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