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Seit 23 Tagen: 20 Mieter im MK haben kein warmes Wasser

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Mieter von der Kampstraße 8 sind stinksauer. Das Gas wurde abgedreht.
Die Mieter von der Kampstraße 8 sind stinksauer. Das Gas wurde abgedreht. © Fischer-Bolz, Susanne

Die 20 Mieter eines Hauses im MK haben seit 23 Tagen kein warmes Wasser. Sie duschen bei Freunden und Bekannten, sie helfen sich mit dem Einsatz von Wasserkochern. Sie haben Angst vor der kalten Jahreszeit. Die Gasversorgung wurde unterbrochen. 

Schlimmer geht immer: Wer glaubt, es könnte nicht noch dicker kommen, als das, was die Mieter vom Nachrodter Feld durchstehen müssen, der sollte die Kampstraße 8 in Nachrodt-Wiblingwerde besuchen. Die 20 Mieter dort haben seit 23 Tagen kein warmes Wasser. Sie duschen bei Freunden und Bekannten, sie helfen sich mit dem Einsatz von Wasserkochern. Sie haben Angst vor der kalten Jahreszeit. Die Gasversorgung wurde unterbrochen. Der Vermieter, Edwin Nieuwenhout aus Gronau, ist auf Tauchstation gegangen. „Er hat gesagt, er würde sich kümmern. Und ist jetzt nicht mehr erreichbar“, erzählt Mieter Bernd Bussler. Auch auf Anfragen der Redaktion reagiert er nicht.

Es ist die bekannte Masche: Der Vermieter hat die Nebenkosten nicht weitergeleitet. Dass er sich das Vorgehen bei Caesar-Immobilien und dem Nachrodter Feld abgeguckt hat, ist unwahrscheinlich. „Er ist noch viel dreister“, sagt Rechtsanwalt Armin Speckmann. Die Mieter der Kampstraße 8 sind in ihrer Not zu dem Anwalt gegangen, der als Kämpfer für die Betrogenen in die Nachrodter Geschichte eingehen wird. Rechnungen in Höhe von 23 108 Euro sind bei den Stadtwerken Iserlohn nicht bezahlt worden. Nur für Gas. „Das ist mehr als beim Nachrodter Feld“, sagt Armin Speckmann.

Für 13.000 Euro würde Versorgung wieder hergestellt

Irgendwann riss dem Versorger, der „aus Datenschutzgründen“ keine Auskunft geben möchte, die Hutschnur. Sperrung. Ohne Vorwarnung, wie die Mieter erzählen. Für 13 000 Euro würde man die Versorgung wieder herstellen, allerdings sind keine 13 000 Euro aufzubringen.

„Willkommen“ an der Kampstraße 8, wo die Umgebung völlig verwildert ist.
„Willkommen“ an der Kampstraße 8, wo die Umgebung völlig verwildert ist. © Fischer-Bolz, Susanne

„Wir können mit der Zahl der Mitstreiter, die ich habe, das Geld nicht in absehbarer Zeit auftreiben“, erklärt der Rechtsanwalt. So fällt die Möglichkeit eines Treuhandkontos weg.

Jetzt droht dem Eigentümer Gefängnis

Doch Armin Speckmann schießt jetzt aus anderen Rohren, hat einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung beim Amtsgericht Altena gestellt. Danach soll der Eigentümer verpflichtet werden, die Gasversorgung sofort wieder herzustellen. Tut er das nicht, drohen Ordnungsgelder oder sogar Ordnungshaft. „Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben“, so Speckmann, der hofft, dass der Vermieter einlenkt, wenn er denn wisse, dass er bis zu sechs Monate im Gefängnis landen könnte.

Armin Speckmann hofft auf eine schnelle Entscheidung. „Ich habe solche Anträge schon innerhalb von drei Stunden bewilligt bekommen“, erzählt der Nachrodter Anwalt. Bei dieser Sachlage könne man mit schneller Hilfe rechnen.

Mieter sind ratlos und verzweifelt

Unterdessen herrscht an der Kampstraße 8 Ratlosigkeit. Und Verzweiflung. „Wir sind von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, erzählt Bernd Bussler. Alle Mieter versuchten, den Vermieter zu kontaktieren. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Denise Tetzlaff, die seit fünf Jahren an der Kampstraße wohnt. Die Situation ist der Höhepunkt der Eskalation, die sich durch viele „Kleinigkeiten“ ankündigt hatte. So war der Gaskessel länger kaputt, der Aufzug ebenso. Das Treppenhaus benötigt dringend eine Renovierung. Das Außengelände ist komplett verwildert und verkrautet. Bei einem Mieter im Erdgeschoss sind die Wohnzimmer-Rollos seit einem halben Jahr defekt. Er sitzt im Stockdunklen.

Das Haus an der Kampstraße 8 hat die besten Zeiten hinter sich.
Das Haus an der Kampstraße 8 hat die besten Zeiten hinter sich. © Fischer-Bolz, Susanne

„Bis vor ein paar Jahren war hier alles in Ordnung“, erzählt Nicole Roth. Es gab auch keinen Eigentümerwechsel. Die Mieter, so versichern sie, haben alle Mieten und Nebenkosten gezahlt. „Wir hoffen auf Herrn Speckmann“, sagt Bernd Bussler – und alle in der Runde nicken. Eigentlich wohnen alle gern an der Kampstraße. „Weil es hier so viel Landschaft gibt. Die Kinder können hier gut groß werden. Ich wäre traurig, wenn ich hier weg müsste“, erzählt Denise Tetzlaff. Als Hausgemeinschaft kommt man gut miteinander aus – überwiegend.

„Ich habe mich geschämt, wie es hier aussieht“

„Es war immer ruhig und schön hier“, sagt auch Teofana Dimovska, die kürzlich Gäste zum Geburtstag aus Mazedonien hatte. „Ich habe mich geschämt, wie es hier aussieht.“

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