Schulleitung per Video: So erlebt der Chef den Alltag

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Mit Videokonferenzen – wie gestern mit den Abteilungsleitern – hält Matthias Lohmann, Leiter des Berufskollegs für Technik, die Fäden in der Hand.

Nachrodt-Wiblingwerde/Lüdenscheid – 2500 Schüler,  107 Lehrer, 140 Klassen muss Matthias Lohmann am Berufskolleg leiten - derzeit aus dem Homeoffice.

Die Größenordnung des Berufskollegs für Technik (BKT) in Lüdenscheid ist gewaltig. In 23 Ausbildungsberufen und fünf Schulformen wird unterrichtet – auch jetzt. Auch, wenn das Coronavirus das BKT lahmgelegt hat, geht das Lernen weiter. Online. Eine logistische Höchstleistung. 

Chef der Schule ist Matthias Lohmann. Der Wiblingwerder ist voll des Lobes für die Lehrkräfte, die „keinen Schlaf mehr bekommen“. Dass es augenscheinlich bei einigen Menschen die Meinung gibt, Lehrer wären jetzt in die vorzeitigen Osterferien gegangen, regt ihn auf. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt der Leiter des Berufskollegs. 

90 Prozent  nutzen Moodle

Ins Bodenlose hat der Virus niemanden gezogen. Denn seit zwölf Jahren wird in vielen Klassen mit der Lernplattform Moodle gearbeitet. Vor Corona wurde dieses Angebot von etwa 30 Prozent der Lehrer genutzt. Heute sind es mehr als 90 Prozent, die durch Moodle mit den Schülern in diesen Tagen kommunizieren können. 

Faktisch sei dies eine volle Abdeckung, denn Sport oder Werkstattunterricht könne online ja nicht stattfinden. 

Alle Schüler können auch kostenfrei Office365 und damit Microsoft Teams nutzen, das immer mehr als virtueller Klassenraum eingesetzt wird. Schüler können MS Teams auch per Smartphone nutzen. Die Nutzungszahlen am BKT sind in den vergangenen Tagen um einige hundert gestiegen. 

Klassenzimmer statt Spielraum

Das Highlight der vergangenen Woche, so erzählt Matthias Lohmann, ist, dass Schüler des ITA-Bildungsgangs (Informationstechnische Assistenten) einen eigentlich als Onlinegaming frei verfügbaren Server nahezu in Eigenarbeit so umgestaltet haben, dass dieser als virtueller Klassenraum genutzt wird. „Sie haben einen unfassbaren Enthusiasmus entwickelt“, freut sich Matthias Lohmann über das Engagement der jungen Leute. 

Jetzt werden Bildschirm-Inhalte geteilt, eine Chatleiste erlaubt Unterhaltungen, auch Vorträge sind möglich. Die Lehrer teilen ihren Bildschirm live im Chat, sodass in Echtzeit Aufgaben entwickelt und besprochen werden können. So sind die wichtigen sozialen Kontakte ohne physische Nähe möglich. „Natürlich läuft noch nicht alles reibungslos“, sagt Matthias Lohmann, der im Homeoffice die Fäden in der Hand hält. 

Prüfungen im Blick

Dazu gehören unzählige Videokonferenzen. Am Dienstag sprach Matthias Lohmann eineinhalb Stunden mit acht Studiendirektoren. Gleichzeitig. „Danach ist man wirklich platt“, gibt er zu. Am Dienstag ging es im Gespräch mit den Abteilungsleitern unter anderem darum, unter welchen Bedingungen Prüfungen stattfinden können, wenn ab 20. April nicht wieder der Normalbetrieb möglich sein sollte. 

„Ministerpräsident Laschet hat Prüfungen zugelassen. Aber sie müssen unter der gegebenen Sicherheit stattfinden. Wenn 50 Prüflinge jeweils zwei Meter Abstand voneinander haben müssen, ist dies natürlich nicht in einem Raum möglich.“ 

Zukunft ungewiss

Unterschiedliche Gedankenspiele wurden diskutiert, „aber Entscheidungen treffen wir nicht, die trifft die Landesregierung für uns. Wir setzen das dann um“, so Matthias Lohmann. Apropos Prüfungen: Die Schüler, die unmittelbar vor ihren Kammerprüfungen stehen, werden jetzt gezielt darauf vorbereitet. 

Für alle anderen gilt: „Es geht darum, die Schüler so weit zu fördern, dass wir im Normalbetrieb daran anknüpfen können“, so der Oberstudiendirektor. Und noch ist es Kaffeesatzleserei, ob es am 20. April weitergehen kann. 

Bis dahin setzt das Berufskolleg erst einmal auf Moodle und MS Teams. „Technisch haben wir keine Probleme. Wir hören von vielen anderen Schulen, dass die Plattformen zusammenbrechen. Das Problem haben wir nicht.“ 

Matthias Lohmann empfindet die Corona-Pandemie als Katastrophe: „Der schlimmste Einschnitt für Wirtschaft und Bildung seit Bestehen der Bundesrepublik. Ich kann mich an nichts erinnern, was ein ähnliches Ausmaß gehabt hätte. Obwohl wir alle geahnt haben, was auf uns zukommen würde, steht uns trotzdem der Mund offen."

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Siein unserem Ticker.

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