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Schule erst ab 9 Uhr morgens? Das sagen die Schulleiter

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Jetzt noch mal umdrehen und erst um 9 Uhr mit der Schule beginnen.
Jetzt noch mal umdrehen und erst um 9 Uhr mit der Schule beginnen. © Patrick Pleul

Sie quälen sich aus dem Bett, sind total unausgeschlafen, sitzen unkonzentriert in den Klassen und würden eigentlich lieber später in die Schule gehen: Millionen Kinder und Jugendliche hoffen darauf, erst um 9 Uhr zu starten. Ob daraus was wird?

Nachrodt-Wiblingwerde –Die Spätaufsteher, sogenannte „Eulen“ hoffen jetzt auf den „Zukunftsvertrag“. Denn die Schulen in NRW sollen nach dem Willen der neuen schwarz-grünen Landesregierung die Möglichkeit für einen späteren Unterrichtsbeginn am Morgen bekommen. 9 Uhr ist im Gespräch. In Nachrodt-Wiblingwerde wird daraus nichts. Es spricht augenscheinlich zu viel dagegen. „Für die Eltern ist dies zu schwierig, um es mit dem Berufsleben zu vereinbaren“, sagt Carsta Coenen, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Nachrodt Wiblingwerde.

Gewonnen wäre nichts

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: Wenn nämlich der Unterricht in der Vergangenheit schon mal später beginnen musste, kamen Eltern ins „Rödeln“ und viele Kinder mussten vor Schulbeginn betreut werden. Im Rückschluss heißt das: Beginnt die Schule erst um 9 Uhr, wären sehr viele Grundschüler ohnehin schon um 8 Uhr in der Betreuung. Gewonnen wäre nichts, sie müssten trotzdem früh raus aus den Federn. Für die Kinder, so sagt Carsta Coenen, wäre es besonders in den Wintermonaten, bei Dunkelheit, Schnee und Eis sicher schöner, später anfangen zu können, „aber ich sehe in der Praxis keine Umsetzung“, so die Schulleiterin.

Chronischer Schlafentzug

Während die jüngeren Schüler auch eher noch zum Frühaufstehen zu motivieren sind, verschiebt sich in der Pubertät allerdings der Rhythmus nach hinten, sodass auch einstige Frühaufsteher lieber länger schlafen. Forscher der Uni Marburg und eine amerikanische Studie, so berichtet der WDR, belegen, dass Jugendliche im Laufe ihrer Pubertät immer später ins Bett gehen. 17-Jährige schlafen daher erst nach 23 Uhr ein und wachen morgens mit einem Schlafdefizit auf. Das Ergebnis: chronischer Schlafentzug. „Genauso verschlechtern sich die Zensuren, wenn der Schlaf dauerhaft weniger als sieben Stunden pro Nacht dauert“, heißt es auf quarks.de. Die Studienlage zeige „eindeutig, dass ein planmäßiger Unterricht um 8 Uhr morgens dem aktuellen Kenntnisstand widerspricht“, so Jonathan Focke von der Wissenschaftredaktion Quarks.

Ganztagsunterricht würde sich nach hinten schieben

Doch Erkenntnisse hin und her: Auch für die Sekundarschüler ab Klasse 5 wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Gudrun Reinecke-Bartelt, kommissarische Leiterin der Schule mit den Standorten in Nachrodt und Altena, weiß zwar um die Problematik des frühen Schulbeginns, sieht aber eine Veränderung allein aufgrund des Ganztagsunterrichts als kaum möglich an. „Wenn wir erst um 9 Uhr anfangen, kommen die Schüler nicht vor halb 5 aus der Schule. Dann kommt noch der Schulweg dazu. Einige wären dann erst kurz vor 18 Uhr zu Hause. Das wird alles zu spät“, sagt Gudrun Reinecke-Bartelt auch mit Blick auf die Freizeitgestaltung der jungen Leute. „Dann werden die Kinder auch nicht mehr Hurra rufen“, ist sich die Rektorin sicher. Außerdem gibt sie zu bedenken, dass bei späterem Beginn auch der Schüler-Busverkehr komplett über den Haufen geworfen werden müsste. Gudrun Reinecke-Bartelt ist selbst übrigens eher eine Frühaufsteherin und hat lieber nachmittags noch etwas Luft. Für ihre jungen Kollegen mit kleinen Kindern, so glaubt sie, wäre ein 9-Uhr-Beginn aber besser. „So etwas hat immer Vor- und Nachteile.“

Weiterhin Masken tragen und lüften

Für eine Veränderung der Schulanfangszeit wäre übrigens an jeder Schule ein Beschluss der Schulkonferenz erforderlich – unter Beteiligung der Eltern. Dass sich in Nachrodt-Wiblingwerde nach 150 Jahren etwas ändert, erscheint also momentan unwahrscheinlich. Was sich auch nicht ändert, ist die Sorge vor der Pandemie. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, am Montag, 8. August, treffen sich die Lehrer der Grundschule in großer Runde, um das Thema zu besprechen. Carsta Coenen geht davon aus, „dass wir alle auch weiterhin Masken tragen und entsprechende Lüftungssequenzen beibehalten“. Kurz vor der Ferien hatte eine Corona-Welle die Schule erwischt.

Einschulung

Nichtsdestotrotz möchte man für die i-Männchen am Donnerstag, 11. August, eine schöne Einschulungsfeier auf die Beine stellen. Geplant ist Stand heute – immer auch mit Blick auf die neuesten Bestimmungen –, dass es für die Mädchen und Jungen, die in Wiblingwerde eingeschult werden, zunächst einen Gottesdienst, dann eine Feier auf dem Schulhof gibt. Die 16 Kinder der neuen 1c bekommen die Klassenlehrer Florian Rosenthal und Dorothe Hundertmark.

Kein Gottesdienst

Aufgrund der Verkehrssituation verzichtet man am Standort Nachrodt auf den Gottesdienst. Die i-Männchen der Klassen 1a und 1b werden gemeinsam im Rahmen eines kleinen Festes auf dem Schulhof an der Ehrenmalstraße begrüßt. Dabei ist es schöne Tradition, dass die „Großen“ für die Jüngsten Lieder vorbereiten. In Nachrodt werden 48 Kinder eingeschult. Klassenlehrerin der 1a wird Annika Scheiblich, der 1b Tina Aumüller.

Fünftklässler

An der Sekundarschule werden natürlich die neuen Fünfklässler begrüßt, die vor den Ferien schon einen Kennlerntag am Holensiepen hatten. Die Einschulungsfeier ist am Mittwoch, 10. August, ab 15 Uhr im Foyer der Schule. Und auch dort bleibt es bei der Empfehlung für alle, Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Am ersten Schultag gibt es zudem einen Test für alle.

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