Ja zur Inklusion – aber später und anders

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde spricht sich zwar deutlich für die Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Schüler aus. Allerdings will sie die Forderung der Landesregierung nicht unter den gegebenen Umständen und nicht sofort erfüllen.

Das ist die Quintessenz aus den Beratungen am Dienstagabend im Schulausschuss, wo das Thema auf der Tagesordnung stand. Es hätten bereits Anfragen zur Aufnahme behinderter Kinder in die Sekundarschule vorgelegen, berichtete Kämmerin Gabriele Balzukat. Die seien aber bislang abgelehnt worden, sprach sie auch für die Stadt Altena, die als offizieller Schulträger für diese Belange hauptverantwortlich ist, während Nachrodt-Wiblingwerde allenfalls ein Mitspracherecht hat. „Wir wollen einfach die Entwicklung abwarten“, sagte Balzukat zur Begründung. Und damit meinte sie einerseits die Entwicklung, was die Gesetzgebung angeht, denn dieses Verfahren ist noch längst nicht abgeschlossen. Andererseits spielte sie damit aber auch auf die Situation vor Ort an. Das Schulgebäude im Holensiepen, in dem derzeit Klassen der Hauptschule und der Sekundarschule gleichzeitig untergebracht werden müssen, ist ohnehin zu klein. Dort dann auch noch zusätzlichen Platz für eine integrative Lerngruppe zu schaffen, erscheint den Verantwortlichen schier unmöglich.

Unterstützung erhielt die Kämmerin in dieser Sichtweise von der Politik, beispielsweise von SPD-Ratsherr Matthias Lohmann. Nicht alles, was Düsseldorf fordere, müsse auch immer sofort umgesetzt werden, plädierte er dafür, die Inklusion erst dann umzusetzen, wenn sich die Hauptschule in voraussichtlich zwei bis drei Jahren endgültig aus dem Schulgebäude verabschiedet habe. Dann allerdings sei dort genügend Platz vorhanden, um auch den Bedürfnissen behinderter Schüler gerecht werden zu können. Damit pflichtete er Gabriele Balzukat bei, die zuvor darauf verwiesen hatte, dass behinderte Kinder derzeit in der noch immer gut funktionierenden Förderschule in Altena besser aufgehoben seien als in einer unter schlechten Voraussetzungen eingerichteten integrativen Lerngruppe der Sekundarschule.

Auch die Optimierung des Schülerverkehrs war am Dienstag noch einmal ein Thema im Schulausschuss. Bereits im Dezember hatte sich die Politiker mit Plänen eines Berliner Verkehrsplanungsunternehmens befasst, dessen Optimierungspläne für die MVG zur Folge hätten, dass sich der Unterrichtsbeginn an den Schulen der Doppelgemeinde verschieben würde. Schulleiter und Eltern, aber auch Politiker wollen das nicht so einfach hinnehmen. Sie befürchten organisatorische Probleme für Schulen ebenso wie für Familien. An der Grundschule Nachrodt hat sich nach Aussage von Schulleiter Johannes Illerhaus sogar die Schulkonferenz gegen die Pläne ausgesprochen. „Da geht es um neun Fahrschüler. Dafür müsste das Betreuungsangebot ,Acht bis eins' ausgeweitet werden, wofür wiederum alle Eltern zahlen müssten“, wies Illerhaus auf einen bisher vernachlässigten Aspekt hin.

Auch auf Intervention der Gemeinde haben sich die Verkehrsplaner bisher kaum bewegt. Nun haben sie für die nächste Woche ein Gespräch vor Ort angeboten. Im Dialog mit den Schulleitern und Vertretern der Gemeindeverwaltung, möglicherweise auch mit Eltern soll dann nach einer Lösung gesucht werden. Möglicherweise könnte die darin liegen, dass der Unterricht für die jüngeren Sekundarschüler in Nachrodt demnächst früher und der für die älteren Sekundarschüler, die ab 2014 in Altena unterrichtet werden, später beginnt. Das hatte Sekundarschulleiterin Anne Rohde angeregt, war von den Verkehrsplanern aber offenbar ganz falsch verstanden worden. ▪ Volker Griese

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