Schnelles Internet

Wiblingwerder guckt bei Breitband-Ausbau in die Röhre - weil er zu früh dran war

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Groß und breit beworben wird der Breitbandausbau, doch Thomas Nowak hat nichts von diesem Angebot.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Nachbarn bekommen einen Gratis-Glasfaseranschluss bis ins Haus - Thomas Nowak nicht. Weil er sich zu früh selbst um schnelles Internet kümmerte.

Stinksauer ist Thomas Nowak. Denn direkt vor seiner Haustür am Herlsener Weg 10 wird Glasfaser verlegt – aber er kann keinen Anschluss bekommen. 

Tatsächlich ist seine Adresse nach den Kriterien des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur nicht förderfähig. Der Breitbandausbau – mit 412 möglichen Anschlüssen in der Doppelgemeinde und für insgesamt 44 650 Haushalte im Kreis – geht an ihm vorbei. 

Graues Fleckchen auf der Förderkarte

Ein Blick auf die interaktive Karte des Märkischen Kreises, wo die Förderflächen des Glasfaserausbaus gekennzeichnet sind, zeigt: Rote Markierungen für einen möglichen Ausbau fast allerorts – auch neben und hinter dem Herlsener Weg 10. Das kleine Fleckchen grau ist die Adresse von Thomas Nowak. 

Allerdings ist er nicht der Einzige, der in die Röhre schaut. „Ich habe auch mit einigen anderen Nachbarn gesprochen, die ebenfalls sehr unglücklich sind“, sagt Thomas Nowak. 

„Ich verstehe die Frustration voll und ganz. Und wer sich in Deutschland auskennt, der weiß, dass die Mühlen nicht nur langsam mahlen, sondern auch manchmal komisch“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding, den Thomas Nowak ebenso wie Breitbandkoordinator des Kreises, Sergej Rudsinski, um Hilfe gebeten hatte. 

Keine Chance auf Gratis-Glasfaser

Beide winken ab. Denn Richtlinie ist Richtlinie. Das Kind fiel bereits bei der Antragstellung 2016 in den Brunnen. „Wer damals schon 30 Mbit/s im Download zur Verfügung hatte, der galt als ausreichend versorgt“, sagt Dirk Röding. Thomas Nowak gehörte dazu. 

Heute spricht Thomas Nowak von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. „Ich bin nicht bereit, 800 Euro für den Anschluss zu zahlen, nur weil die Gemeinde die Häuser nicht berücksichtigt hat, die vor mehr als 20 Jahren mit der Zeit gegangen sind“, so der Wiblingwerder. 

Alle Bürger müssten doch gleich behandelt werden. Die Gemeinde habe versagt und jetzt schiebe man den Schwarzen Peter hin und her. 

Fördervoraussetzungen nicht erfüllt

Dem widerspricht Dirk Röding: „Es ist kein Versäumnis der Gemeinde, dass Herr Nowak nicht Nutznießer des kostenlosen Angebotes werden kann, es sind die Bedingungen der Fördergeldgeber aus dem Jahr 2016.“ 

Dem fügt Breitbandkoordinator Sergej Rudsinski hinzu: „Wenn ein Haushalt oder ein Betrieb die Voraussetzungen erfüllt, haben wir Stand heute dafür gesorgt, dass er auch in einem Förderverfahren für den Glasfaserausbau aufgefangen wird. Wer nicht in einem Förderverfahren ist, erfüllt mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht die Kriterien und ist bereits durch den freien Markt versorgt. 

Diese Adresse darf nicht im Zuge des Bundesförderprogramms berücksichtigt werden. Die Diesel-Abwrackprämie gilt schließlich auch nicht für Autos mit Benziner-Motor. Auch wenn beides Autos sind.“ 

Glasfaser auf eigene Kosten möglich

Persönlich hat Sergej Rudsinski Verständnis für alle unterversorgten Privathaushalte sowie Gewerbetreibenden, die noch mit langsamen Internet zurechtkommen müssen. „Aber meine persönliche Einstellung ist hier nicht relevant, die Fördermittelgeber allein entscheiden über die Regeln, wer und nach welchen Kriterien nun in ein Glasfaser-Förderprojekt aufgenommen werden darf.“ 

Mit anderen Worten: Thomas Nowak kann nicht zusätzlich mit Glasfaser versorgt werden. „Es wäre Betrug, wenn man außerhalb der Adressliste versorgen würde“, sagt Dirk Röding. Möglich ist aber, den Anschluss aus eigener Tasche zu bezahlen. 

„Grundsätzlich kann heute jeder außerhalb einer Fördermaßnahme einen Glasfaseranschluss bestellen. Die Nachfrage wird durch den Netzbetreiber seiner Wahl bei Kostenbeteiligung bedient werden“, erklärt Sergej Rudsinski.

Währenddessen gibt es für manche Ortsteile gleich doppelt schnelles Internet.

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