Schlechtes Zeugnis für heimische Hufschmiede

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Keine Angst vor großen Tieren: Martijn Kraaijenveld wirft einen kritischen Blick in ein Pferdegebiss. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ In Reiterkreisen hat er einen Namen, und zwar nicht nur wegen seiner stattlichen Erscheinung: Tamme Hanken, Zwei-Meter-Hüne aus dem ostfriesischen Filsum, eilt der Ruf voraus, über „magische Hände“ für die Behandlung von Pferden zu verfügen.

Darauf vertraut auch Patricia Fahrion, die sich Sorgen um ihren Wallach „What a diamond“ macht: „Er lässt sich überhaupt nicht reiten“, klagt die junge Lüdenscheiderin, die deshalb mit ihrem Pferd auf den Reiterhof Hegemann gekommen ist. Tamme Hanken will ihr und anderen Pferdebesitzern dort helfen.

Jeden Samstag hat Hanken „Kummertag“ auf seinem Hof in Filsum. Den Rest der Woche fährt er quer durch Deutschland und behandelt die Pferde. Jetzt ist er in Wiblingwerde zu Gast. Der Tier-Heilpraktiker mit den Riesenhänden geht immer nach demselben Muster vor: Er lässt die Pferde im Schritt und im Trab einmal hin und her laufen, dann einige Schritte rückwärts gehen. Meistens weiß er dann schon, wo das Problem liegt. Um letzte Gewissheit zu erlangen, streicht er mit geübten Fingern über bestimmte Körperstellen des Tieres, um zum Beispiel eingeklemmte Nerven zu ertasten.

Diesmal hat Tamme Hanken den 21-jährigen Niederländer Martijn Kraaijenveld im Schlepptau. Der gelernte Landwirt geht bei Hanken in die „Lehre“ und nimmt sich des Pferdes von Patricia Fahrion an. Während er den Fuchswallach untersucht, schaut der „Meister“ zu, doch der junge Mann macht seinen Job gut. Dass sich „What a diamond“ beim Versuch, ihn zu reiten, gegen Zügel und Trense sträubt, wundert Kraaijenveld nicht. „Er hat eine Allergie im Maul“, stellt er fest und empfiehlt der Besitzerin eine andere Trense. „Und gib ihm einen halben Apfel dazu“, lautet sein unkonventioneller Rat. Außerdem brauche das Pferd einen Sattel, der besser sitzt. Schließlich empfiehlt er noch eine Wurmkur, damit das Tier wieder zu Kräften kommt.

Auf dem Hof Hegemann stellen die Pferdetherapeuten immer dieselben Ursachen fest. Ein falscher Hufbeschlag führt zu Fehlstellungen, die Tiere werden falsch gesattelt. Tamme Hanken redet eine deutliche Sprache mit den Pferdebesitzern. „Man muss Tacheles reden: Kann das Pferd gesund werden, oder muss es an den Haken? So oder so ist Mensch und Tier geholfen“, wählt er drastische Worte. „An den Haken“ muss keines der Tiere auf dem Hof Hegemann. Doch die Hufschmiede dürften einiges zu tun – und zu hören – bekommen. „Eure Hufschmiede sind keine großen Künstler“, nimmt Hanken kein Blatt vor den Mund. ▪ vg

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