Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) muss aufwendig „repariert“ werden

Schlampige Buchführung im Amtshaus

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Kanaldeckel - darunter verbirgt sich viel Technik.

Nachrodt-Wiblingwerde - Jeder macht Fehler. Niemand kann sich davon freisprechen. Nur: Manchmal treten sie erst Jahre später zutage. Wenn sie repariert werden können, ist alles gut – die Doppelgemeinde hat jetzt mit solchen Fehlern zu tun. Das Prekäre: Sie sind kaum sicht- und greifbar, sondern tief unter der Erde verborgen. Stichwort: Kanal- und Abwassernetz. Aber der Reihe nach...

Manchmal sagt ein Bild oder eine Folie mehr als tausend Worte. Volker Kresse vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Siedlungswasserwirtschaft, Wasserbau und Verkehrsbau aus Menden lieferte davon gleich mehr als ein Dutzend. Vor dem Plan- und Bauausschuss erläuterte der Fachmann am Montag, 13. März, den Sachstand zur „6. Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes 2017 bis 2022“ (AKB) der Gemeinde.

Peter Herbel (CDU): "Müssen wieder Grund reinkriegen."

Viele Zahlen, Daten und Fakten präsentierte er dabei für das „verpflichtende Planwerk“ und ging dabei auf Regenrückhaltebecken, Staukanäle, Sonderbauwerke oder die Kanalisation im Besonderen ein. Mehr als 40 Minuten nahm sich der Diplom-Ingenieur Zeit, die von der Gemeinde umzusetzenden Pflicht-Vorschriften von Land und Bezirksregierung in Sachen Abwasserentsorgung im Detail zu erläutern. Zwar hat Nachrodt-Wiblingwerde im Grunde in diesen Dingen nichts verschlafen, aber es hat sich, das wurde deutlich, bis heute ein immenser Investitionsstau angehäuft, der fast an die Millionen-Euro-Grenze kratzt. Volker Kresse und Team sowie die Verwaltung haben jetzt auf Daten- und Faktenbasis - etwa im Amtshaus vorliegender TV-Bild-Kanaluntersuchungen der Gemeinde - alles nochmals durchgerechnet und Bau- und Sanierungsmaßnahmen neu nach Dringlichkeit zugeordnet. Dabei kam leider auch zutage, dass in den Jahren 2000 bis 2010 bei der Erstellung der Konzepte IV und V gravierende Verwaltungsfehler gemacht wurden. Nicht alles wurde lückenlos dokumentiert. Ein Sachbearbeiter führte gar eine neue, nicht schlüssige und vom Land nicht anerkannte Nummerierung der Maßnahmen ein und vieles mehr. „Das haben wir jetzt im Griff, arbeiten es weiter auf“, so Kresse. Bis zum Jahr 2022 sollen nun 2,4 Millionen Euro neu in Kanal- und Abwassermaßnahmen investiert werden.

Marc Bunse: Ist als Chef der Altenaer Stadtwerke bereit, Nachrodt zu beraten.

Jahr für Jahr werden deshalb 420 000 Euro verbaut. Und: Diese Mittel müssen – nicht können – dafür verwandt werden. Klappt das in einem Jahr nicht, sollte das Folgejahr die Summen aufnehmen und baulich umsetzen. Alles wurde im übrigen bereits der Bezirksregierung und dem Land grob vorgestellt. Die Behörden stuften die Pläne bereits als genehmigungsfähig ein. Kresse und Team bauten in das neue Konzept sogenannte Park-Projekte ein. Die sind der zuvor geschilderten „schluderigen Aktenlage“ der Jahre 2000 bis 2010 geschuldet. So gibt es von 2017 bis 2022 Pauschalansätze, die das Handeln der Kommune bei Einzelmaßnahmen deutlich flexibler machen können und eben nicht auf bereits ausgewiesene Projekte festgelegt sind. Wird also ein Kanal geöffnet, der bereits saniert ist, kann eine andere Maßnahme in Angriff genommen werden. Kritik gab es an der Einschaltung eines externen Büros von Lars Wygoda (CDU).

Abflüsse gibt es wie Sand am Mehr. Auch sie gilt es zu pflegen.

Der Unions-Fraktionschef brachte zum Beispiel die Stadtwerke Altena als möglichen und kostengünstigeren Kooperations- und Synergiepartner für Nachrodt ins Gespräch. Bürgermeisterin Birgit Tupat sagte dazu, es habe durchaus Gespräche gegeben und die würden auch fortgesetzt. Peter Herbel (CDU) merkte an, in der ganzen Angelegenheit Bauchschmerzen zu verspüren und stellte fest: „Wir müssen da wieder Grund rein kriegen“ und ließ sich im Detail noch einmal den Investitionsstau der vergangenen Jahre vorstellen. Jetzt hat der Rat das Wort.

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