"Schimmelreiter" kapituliert

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"Man kann doch nicht glauben, dass hier ein Mensch gewohnt hat", sagt Otto Mattke

Nachrodt-Wiblingwerde -  Der Schimmelreiter von Theodor Storm steigt dank seines Ehrgeizes zum Deichgraf auf. Der „Schimmelreiter“ aus Nachrodt nennt sich dank seines Galgenhumors ebenso – und ist ausgezogen. Endlich, möchte man sagen. Otto Mattke hat vor den Zuständen in der Wohnung an der Freiherr-vom-Stein-Straße 5, die er Jahre aushielt und aushalten wollte, kapituliert. Unterstützung bekam er von der Gemeindeverwaltung. Und ist mehr als dankbar dafür.

"Man kann doch nicht glauben, dass hier ein Mensch gewohnt hat“, sagt Otto Mattke und schaut auf den Boden im leer geräumten Wohnzimmer. Riesige Flecken. Feuchtigkeit. „Als hätte ich einen Eimer Wasser ‘reingekippt.“ Im Gästezimmer allerorts dunkle Flecken, in der Küche ebenso. Schimmel an den Wänden, hinter der Heizung. Vom Bad ganz zu schweigen. „Ich hatte irgendwann Angst um meine Gesundheit“, erzählt Otto Mattke.

Er konnte dem Schimmel beim Wachsen zusehen. Wie das AK berichtete, fingen die Probleme in der Wohnung von Otto Mattke beim Einzug vor 13 Jahren an. „Im Kinderzimmer war Nässe. Der Schaden wurde mit irgendwelchen Mitteln behoben und dann ging es auch lange Zeit gut.“ Bis sich Feuchtigkeit von außen am Badezimmerfenster zeigte.“

Der Mitmieter oben hatte eine Verstopfung – das Badewannenwasser floss nicht mehr ab. „Letztlich ist die Nässe bei mir im Bad gelandet, Decke und Wand wurden schwarz.“ Der Schimmel kam und blieb. Und wurde immer schlimmer. Der Vermieter Adler Real Estate mit Sitz im Berlin versprach irgendwann Hilfe. Handwerker kamen und gingen.

Otto Mattke versuchte alle Register zu ziehen, schaltete später auch einen Rechtsanwalt ein, steigerte sich in die Hoffnung auf ein Happy End. Er wollte nicht ausziehen. Er wollte angekommen sein. Jetzt steht er in der ausgeräumten Wohnung und ist froh, das Kapitel endlich abschließen zu können. In der Nähe, an der Schulstraße, hat er eine neue Wohnung gefunden.

 Doch als er die Reißleine ziehen und das Weite suchen wollte, stand die nächste Hürde an: „ Das Jobcenter hat mir die größten Steine in den Weg gelegt. Es zahlt die Miete und lehnte einen Umzug ab. Ich habe Bilder von der Wohnung gezeigt und kam mir vor wie der letzte Depp“, erzählt Otto Mattke. „Aber dann hat sich Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz eingeschaltet. Der hat sich richtig für mich ‘reingekniet. Ich konnte auch einfach nicht mehr. Die neue Wohnung ist etwas teurer. Aber ich habe auch die Differenz zu dieser Wohnung hier bezahlt. Letztendlich zahle ich jetzt nur zehn Euro mehr.“

 Auch beim Gespräch mit dem Vermieter half die Verwaltung. „Es gab ein Gespräch mit Frau Tupat, Herrn Putz, mit zwei Herren von Adler und mir. Wir sind später auch dann zusammen in die Wohnung. Ich bin wirklich dankbar für die Unterstützung.“ Neu anfangen. Das möchte Otto Mattke jetzt. Viele Möbel sind in der alten Wohnung verfault. Mussten weg. Die gesamten Badmöbel, die Küche. Schränke. Alles hinüber. „Ich muss erst einmal eine neue Küche haben“, sagt Otto Mattke. „Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Ich wollte etwas bewegen. Oft habe ich gedacht, dass ich mutterseelenalleine da stehe. Doch jetzt fange ich ganz neu an.“

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